"Osteuropa in der Griechenland-Falle"



"Osteuropa in der Griechenland-Falle"

Beitragvon Vogelhändler » Mi 10. Mär 2010, 17:15

"Schotten dicht im Euro-Club"

http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 53,00.html

Und wieder hat der Osteuropa-Experte Gunter Deuber von der Deutschen Bank (wer denn auch sonst) hier mal wieder das Sagen!

Da haben, wenn ich das richtig verstehe, die Osteuropäer Polen, Litauen, Lettland, auch Bulgarien und Rumänien - anders als Griechenland - aufgrund entsprechender Zusagen sich redlich und mit gewaltigen Anstrengungen um eine Beitrittsreife bemüht - und jetzt: "Nuscht!"

Natürlich drückt der "EURO"-Zone der Schuh; nicht nur allein wegen Griechenland sondern auch wegen der weiteren "Pik"-Staaten Italien, Spanien, Portugal und Irland!

Und warum? Weil man bei Griechenland offenen (besser: geschlossenen) Auges sich selbst ein faules Ei selbst ins Nest gelegt hatte.

Na, dann gute Nacht Freunde, die Ihr auf die Stabilität des EURO vertraut habt!

Hier kann ich meinen Hilferuf nach Sten- gel- mann mit der Bitte um beruhigende Aufklärung nicht mehr zurückhalten, wenn's denn noch überhaupt möglich ist. :shock:

MfG eines besorgten - Vogelhändlers -

Re: "Osteuropa in der Griechenland-Falle"

Beitragvon Bratmaxe » Fr 12. Mär 2010, 14:40

Hallo VH,

das Dilemma der EU liegt nicht nur in den zugedrückten Augen bei der Aufnahme von Griechenland in die Euro-Zone, sondern auch in der unkontrollierten Aufnahme der osteuropäischen Länder in die EU.

Müssen wir uns wundern, dass solche national denkenden Länder wie Polen erst wichtige Unterschriften verweigern und die Blockade nur aufheben, wenn sie Bares dafür sehen? Erwarten wir wirklich, dass diese Länder - gerade mal vom Joch der Sowjetunion befreit - eine europäische Denke haben. Das fällt selbst den Deutschen schwer genug.

Meines Erachtens hätten die bestehenden EU-Länder erstmal ihre Hausaufgaben machen müssen, z.B. eine EU-Verfassung. Jedes Land hätte dann VOR Beitritt unterschreiben müssen. Diese ganzen Sonderwege a la Großbritannien, in denen nationale Interessen vor EU-Interessen gilt, sind schädlich für die Gemeinschaft.

Insofern halte ich die Notbremse, so ärgerlich sie für die einzelnen Staaten auch ist, für absolut richtig.

Re: "Osteuropa in der Griechenland-Falle"

Beitragvon Vogelhändler » Fr 12. Mär 2010, 17:33

Bratmaxe hat geschrieben:Hallo VH,

das Dilemma der EU liegt nicht nur in den zugedrückten Augen bei der Aufnahme von Griechenland in die Euro-Zone, sondern auch in der unkontrollierten Aufnahme der osteuropäischen Länder in die EU.

Müssen wir uns wundern, dass solche national denkenden Länder wie Polen erst wichtige Unterschriften verweigern und die Blockade nur aufheben, wenn sie Bares dafür sehen? Erwarten wir wirklich, dass diese Länder - gerade mal vom Joch der Sowjetunion befreit - eine europäische Denke haben. Das fällt selbst den Deutschen schwer genug.

Meines Erachtens hätten die bestehenden EU-Länder erstmal ihre Hausaufgaben machen müssen, z.B. eine EU-Verfassung. Jedes Land hätte dann VOR Beitritt unterschreiben müssen. Diese ganzen Sonderwege a la Großbritannien, in denen nationale Interessen vor EU-Interessen gilt, sind schädlich für die Gemeinschaft.

Insofern halte ich die Notbremse, so ärgerlich sie für die einzelnen Staaten auch ist, für absolut richtig.


Hey, Bratmaxe!

In allen Deinen Einschätzungen stimme ich Dir gerne zu. Die Wurzeln des jetzt deutlicher werdenden Übels liegen sicherlich schon in der ungeordneten Gründung der EU, besonders der eiligen Erweiterung.

Mir scheint, selbst in den jeweiligen Beitrittsländern gab es innere Widersprüche und unterschiedliche Erwartungen. Dabei dürfen wir auch Deutschland nicht vergessen. Schließlich profitierte hier die Exportwirtschaft enorm vom Fall der Zollschranken innerhalb der EG. Und in Zeiten des Booms mit vollen Kassen wurde manches Hindernis mit Geld überwunden.

Dafür war Deutschland auch größter "Netto-Zahler" und wird es wohl auch wieder sein müssen, wenn der EURO-Fonds schließlich doch - zur Rettung Griechenlands und weiterer Pig-Staaten (bin mir da ziemlich sicher) - doch gegründet wird, allen hinhaltenden Einwänden auch unserer Bundeskanzlerin zum Trotz.

Natürlich war die miese Finanzlage Griechenlands für Eingeweihte schon vorher bekannt, woran Goldman Sachs u. a. ein gerüttelt Teil Mitschuld tragen. Und die wilden Spekulanten und Zocker verschlimmern unübersehbar - natürlich zu ihrem monetären Vorteil - die griechische Misere. Und die betroffenen EU-Regierungen scheinen gegenüber diesen internationalen Heuschrecken machtlos.

Und natürlich müssen weitere östliche Beitrittsländer zunächst gestoppt werden. Schlimm nur, daß die möglicherweise oder auch wahrscheinlich die jetzige Entwicklung hätten voraussehen können, sich dennoch auf die Beitrittszusagen verlassen haben.

Wenn man der Heuschrecken nicht Herr wird, befürchte ich, daß deren wilde Hatz nach Spekulationsgewinnen sich dann auf Spanien, Portugal, Italien und Irland fortsetzen wird. Und dann wird's m. E. sehr ernst.

Dieses sind aber rein autodidaktisch erworbene, sicher mit vielen Fehlern behaftete eigene Zusammenreimungen!

MfG - Vogelhändler -

Re: "Osteuropa in der Griechenland-Falle"

Beitragvon Van Nuys » Fr 12. Mär 2010, 17:58

Ist aber nicht falsch. Die Staaten der Europäischen Union stecken in einer Krise, wie man u.a. an der hohen Jugendarbeitslosigkeit der jeweiligen Länder ablesen kann. Die Frage ist jetzt wie es weiter gehen soll. Das Interesse an EU und Euro ist groß. Leider trifft das auch auf die Eurogegner zu. Dem müssen wir gezielt entgegenwirken. Nur ist das leichter gesagt als getan, da die Industriestaaten in den letzten Jahren an wirtschaftlicher Stabilität verloren haben.

Es geht nicht mehr, dass andere Staaten von ein paar wenigen unterstützt werden. Auch wir Deutsche haben inzwischen so große Probleme, dass wir diese Last nicht mehr tragen können. Bei den Franzosen sieht es nicht viel anders aus. Irgendwie müssen wir die Staatengemeinschaft aber zusammenhalten.

Im Moment kann man nur hoffen, dass sich die griechische Regierung gegen die eigene Bevölkerung durchsetzt und das Staatsdefizit zurückgenommen wird. Sollte das nicht passieren, droht vielleicht sogar eine Kettenreaktion, da Spanien, Portugal und auch die Iren ähnliche Probleme haben.