"Schwach" Frau Kraft



"Schwach" Frau Kraft

Beitragvon tottitom » Mo 8. Mär 2010, 08:31

Da hat die "zukünftige Ministerpräsidentin" (ha, ha) von NRW, Frau Kraft, ja wohl ihrer Partei als auch sich selbst ein nettes Ostergeschenk ins Nest gelegt! Na, da hat Guidos Methode ja schon ordentlich Früchte getragen und dieses Ausssagen sind ein neuerlicher Beweis dafür, dass unsere Politiker keine (!!!) Antworten auf die Frage nach neuen Arbeitsplätzen kennen. Hier ein "Fordern" bei Hartz IVlern zu halten ist doch schon bald unverschämt! Bin einmal gespannt ob sich die "Genossen" Gregor, VH & Co. nu auch einmal so kritisch äußern, wie sie es bei den anderen Protogonisten der CDU so gerne tun?

Re: "Schwach" Frau Kraft

Beitragvon Schorsch » Mo 8. Mär 2010, 09:22

Wie will man ein Problem lösen, wenn man jeden, der es andiskutiert, sofort zerreist?

Kraft hat einen möglichen Lösungsweg des Problems seriös formuliert. Wesentlich geschickter als Westerwelle.
2,3,4, marschieren wir ...
im schnellen Lauf, Tabelle rauf ...

Re: "Schwach" Frau Kraft

Beitragvon tottitom » Mo 8. Mär 2010, 09:48

schorsch, lehne Dich doch einmal zurück únd denke über die Motivation für die Einführung von Hartz nach. Es ging vordergründig darum, Sozialhilfe und Arbeitlosenhilfe zusammenzulegen, da man alle (!!!) Erwerbsfähigen erfassen und dem 1. Arbeitsmarkt vermitteln wollte. Wie soll das denn jemand heute bewerten wenn ein Politiker (!!!) feststellt, dass manchen die einfachsten Zugangsvoraussetzungen fehlen!? Das war früher bei Sozialhilfeempfängern doch auch so! Und - stelle Dir bitte einmal vor, dass Du 12 Monate qualifiziert für den 1. Arbeitsmarkt erscheinst und ab dem 366 Tag gut genug für´s "Straße fegen" bist! Erkennst Du den Schwachsinn? Darüber rege ich mich auf: man hat da ein Monstrum erschaffen (das hatte ausschließlich einen fiskalischen Gedanken) von dem man sich binnen kürzester Zeit eine Halbierung der AL versprach ohne auf die neue Freizügigkeit des Arbeitsmarktes und andere arbeitsmarktpolitische Veränderungen mit einzubeziehen. Auch fehlten (aber da wiederhole ich mich) viele strukturelle Züge die einen geordneten Ablauf von der Vermittlung bis zur Arbeitsaufnahme ermöglicht hätten! Neue Förderungen die immense Summen verschlangen (Ich-AG etc.) aber nicht zum gewünschten Erfolg führten und viele neue, riesige Summen verschlingende, aber letzendlich keine neuen Arbeitsplätze schaffende Maßnahmen, haben doch erst zu diesem deasaster geführt! Das ist das Ergebnis von P O L I T I K und nicht das Ergebnis einer sich plötlich verändernden Gesellschaft! Irgendwann muß man dieser Tatsache doch einmal ins Auge sehen und nicht immer mit d u m m e n populistischen Äußerungen auf Wahlfang gehen! Da ist bei keinem der Politiker auch nur ein Lösungsansatz zu sehen! Da wird politisch auf Altersteilzeit oder andere Instrumente eines frühzeitigen Ausscheidens gesetzt und anderseit erklärt, dass es (auch das Alter ist so etwas) Zugangsvoraussetzungen (jung, erfahren und gebildet) gibt die nicht erfüllt werden! Der Hinweis auf gemeinnützige Tätigkeit als Arbeitsplatzersatz ist doch ein glatter Offenbarungseid! Dieser gemeinnützigen Tätigkeit gehe ich - und mit mir viele tausende - schon lange nach: freiwillig!

Re: "Schwach" Frau Kraft

Beitragvon Major » Mo 8. Mär 2010, 10:03

Als Guido Westerwelle die Diskussion zu Hartz4 begann, bezog er heftige Schelte und gerade von der SPD. So stand am 14.02.2010 im Focus Online
".....Hannelore Kraft warf Guido Westerwelle am Sonntag in Düsseldorf vor, „mit billigen Stammtischparolen im braunen Sumpf“ zu fischen, ...."

Jetzt kommen ihre Forderungen. Wo fischt denn jetzt Frau Kraft?

Der eine geht seinen Weg, die andere fällt um (Frau Ypsilanti hat es ja vorgemacht!).

Umfallen - die neue politische Kraft!

Major

Re: "Schwach" Frau Kraft

Beitragvon Schorsch » Mo 8. Mär 2010, 10:24

Totti schrieb u.a.:

Es ging vordergründig darum, Sozialhilfe und Arbeitlosenhilfe zusammenzulegen, da man alle (!!!) Erwerbsfähigen erfassen und dem 1. Arbeitsmarkt vermitteln wollte. Wie soll das denn jemand heute bewerten wenn ein Politiker (!!!) feststellt, dass manchen die einfachsten Zugangsvoraussetzungen fehlen!?


Es gibt massenweise Menschen, die aufgrund diverser Hemmnisse nicht ad hoc in den "1. Arbeitsmarkt" zu vermitteln sind. Dieses Problem zu negieren oder ignorieren mag politisch korrekt sein, geht aber an der Realität vorbei. Der Denkansatz ging wohl in die Richtung über einen "3., kommunalen Arbeitsmarkt" zu diskutieren, in dem nicht oder kaum vermittelbare Leute Beschäftigung finden können, und damit den Teil ihrer Hartz 4 Bezüge, den sie auf die Hand bekommen, verdoppeln können, wenn sie alleinstehend sind.

Im Prinzip haben wir ja so etwas schon mit den berühmten 1 Euro Jobs. Die flapsigen Forumulierungen "1 € Job" und "Hartz ..." waren die größten Fehler der damaligen Regierung. Hier Abhilfe zu schaffen und sowohl Anwendung als auch Bezeichnung neu zu regeln ist sicherlich keine Lösung des Gesamtproblems, aber ein Schritt in eine richtige Richtung.

Politikerschelte ist populär, aber keine Lösung. Um Veränderungen zu erreichen muss man neue Wege diskutieren können. Sachlich, kühl, emotionslos. Ist eine Entscheidung falsch, versucht man zu ändern. Beschimpfungen sind sinnlos.
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Re: "Schwach" Frau Kraft

Beitragvon tottitom » Mo 8. Mär 2010, 10:34

schorsch - trotz maßregelnder Wortwahl, Deine Äußerungen bleiben auch nur Unterstellungen! Es geht doch nicht um Politikerschelte bei Frau Kraft oder Herrn Westerwelle. Es geht darum, dass diese Damen und Herren Politiker überfordert scheinen bei der Behebung von Problemen die sie selbst geschaffen (!!!) oder aber mit beeinflusst haben! Was hat denn jetzt Frau Kraft n e u e s gesagt, was eine tatsächliche Wende auf dem Arbeitsmarkt (!!!) bringen könnte??? Du selbst hast doch schon die Antwort gegeben! Was bleibt bei den Menschen davon hängen? Und - bitte beschreibe mir doch einmal Deine Gefühlwelt wenn Du z. B. - wie von mir angeführt - ab dem 366. Tag zum Straße fegen "gebeten" würdest! Unser Problem ist doch, dass wir ausschließlich in Euro bewerten und das Individium - der Mensch - in den Hintergrund rückt (siehe auch mein Beitrag zu Rechtspopulismus) Und noch eine Frage: was kommt nach dem 3. Arbeitsmarkt? ein vierter, fünfter......?

Re: "Schwach" Frau Kraft

Beitragvon Mabe » Mo 8. Mär 2010, 12:39

@Totti
davon abgesehen,dass wir hier diese Diskussionen aufgrund von Westerwelles Kommentar schon mal hatten:
Du,und andere hier im Forum könnt euch noch so viel für die Arbeitslosen bzw.Hartz4-Empfän-
ger mit gutgemeinten Worten, Ratschlägen und Tipps für die Politik einsetzen,es wird sich nichts
an dem bestehenden status quo ändern.Letztendlich wird in unserem System der Arbeitsmarkt
von den Arbeitgebern bestimmt!Es ist einfach Fakt,dass aufgrund immer weiter fortschrei-
tender Rationalisierung und Globalisierung die hohe Arbeitslosigkeit nicht mehr abgebaut wird.
Dazu kommt noch,dass die Arbeit immer qualifizierter wird und schon geworden ist und nicht
jeder die intellektuellen Fähigkeiten hat,um diesen gestiegenen Anforderungen gerecht zu
werden.Daraus resultiert natürlich,dass ein immer größerer Prozentsatz an Arbeitslosen nicht
mehr zu vermitteln ist.Das ist einfach so.
Die Herausforderung der Politik besteht darin,dieses "Heer" von Arbeitslosen jetzt, und noch mehr
in naher Zukunft, zu "beschäftigen".Bisher war es so,dass diese Fakten von den Polikern nicht
ausgesprochen wurden,um das gemeine Volk nicht zu "beunruhigen".Mittlerweile sind wir aber an
dem Punkt angekommen,dass sich diese Themen nicht mehr verdrängen lassen.Man kann ein
Volk nicht dauernd was "vorgaukeln".Unter dem Aspekt muß man es sehen,wenn jetzt einige
Politiker nach vorne preschen (Westerwelle und jetzt Kraft) und gefühlte "Gemeinheiten" an-
sprechen.Das schlimme ist,dass auch Gewerkschafts-und linke Anführer, die von mir ge-
schilderten Zusammenhänge kennen,aber dem Volk gebetsmühlenartig was anderes erzählen!


Bis neulich
Es wird nie mehr zu einem nennenswerten Abbbau der Arbeitlosigkeit kommen.

Re: "Schwach" Frau Kraft

Beitragvon tottitom » Mo 8. Mär 2010, 12:55

Mabe, warum aufgeben? Wenn man darüber spricht wie das, was da ist, besser (gerechter) verteilt werden soll kann man den Faktor Arbeit doch nicht "außen vor" lassen!? Wofür gibt es dann Politiker wenn die AG alles und alleine bestimmen? Nein, jetzt geht es darum intelligente Lösungen zu suchen, die dazu beitragen, dass wir uns auch in Zukunft diesen Sozialstaat so erlauben können! Was ist in den letzten 5-6 Jahren gravierendes passiert (außer das bereits von mir beschriebene) dass dieser Status auf einmal so gefährdet scheint!
Womit man endlich beginnen müßte wäre, die "Gewinne" "höchstzubesteuern", die nicht durch Produktivität erwirtschaftet werden sondern durch Spekulationen mit Kapital. Dort wird von einigen wenigen riesig abgeschöpft und das Geld fließt nicht ins Gemeinwohl sondern auf obskure Konten in Länder, die es nicht so genau mit unserem Rechtssystem nehmen! Die Milliarden die dann flössen, würden eine Diskussion über zu hohe/niedrige Transferleistungen überflüssig machen! Würde dann die Arbeit zu einem vernünftigen Lohn angeboten, wäre für viele genug da. Eine Vollbeschäftigung wird es wohl nicht mehr geben aber eine so reiche Gesellschaft wie die unsere müßte dann die, die nicht können leicht "ertragen"!

Re: "Schwach" Frau Kraft

Beitragvon Diavo » Mo 8. Mär 2010, 12:56

Mabe hat geschrieben:Es wird nie mehr zu einem nennenswerten Abbbau der Arbeitlosigkeit kommen.



Doch, natürlich.

Vor der Finanzkrise waren wir schon auf einem sehr guten Weg.

Es gibt genug zu tun. Die Frage ist nur, ob bzw. wann die Gesellschaft bereit ist, für Dienstleistungen den Preis zu bezahlen, den die Leistungserbringer benötigen.

Das ist die zentrale Frage.

Re: "Schwach" Frau Kraft

Beitragvon Schorsch » Mo 8. Mär 2010, 13:00

Totti, bei allem Verständnis: Es ist keine Unterstellung, dass es schwerst oder kaum vermittelbare Menschen gibt. Ihre Zahl wächst täglich.

Kraft oder Westerwelle haben Verhältnisse mit beeinflusst, genau wie wir alle. War es falsch, haben sie Fehler gemacht und es muss verbessert werden. Zehn mal, hundert mal, tausend mal. Und wenn uns keiner braucht, haben wir auch Fehler gemacht, und müssen zunächst u n s verbessern, nicht die Welt. Lamentieren ist in, aber falsch. Man muss nachdenken, diskutieren und handeln. Immer wieder aufs Neue.

Kraft hat nichts gänzlich Neues gesagt, und wohl nicht behauptet, dass sie die Wende schaffen will. Jedenfalls nicht so explizit, dass es sich vom alltäglichen Wahlkampfgeschwätz abhebt. Wenn der Markt nicht genügend Arbeit bringt, muss man nach Alternativen suchen. Das Mindeste ist aber, die Diskussion über Veränderungen niemals verflachen zu lassen. Das ist das Wesen der Politik. Und wenn der dritte oder vierte Arbeitsmarkt nicht ausreicht, bringt vielleicht der zwanzigste Besserung.

Meine persönliche Gefühlswelt wird von diesem Vorgang weniger betroffen sein. Ich stünde nicht vom 366., sondern vom ersten Tag an in der Verpflichtung meine Arbeitslosigkeit selber finanzieren zu müssen. Bin ich dann irgendwann platt, würde ich halt u.U. Straßen fegen müssen, wenn sich nichts anderes für mich findet. Wer bin ich, dass ich von derart angeblich niedrigen Tätigkeiten verschont werde, indes andere das ihr Leben lang tun müssen. Und Schnee schüppe ich momentan auch täglich, wenn auch nur, weil mir Hausmeisterdienste zu teuer und zu unzuverlässig sind. Ackern, ackern, fleißig sein, zehn mal zehn ist auch ein Schein. ;)

Ich verschwende einfach keine Gedanken an die Schlechtigkeit der Erde, wenn ich erstens das Glück habe in einem der privilegiertesten Länder der Erde zu leben und im Notfall immer eine geheizte Bude und satt zu essen bekomme, und zweitens zur ersten Generation überhaupt in der über hunderttausendjährigen Geschichte der Menschheit gehöre, die bislang vom knallharten Überlebenskampf nebst Kälte, Kriegen und Hungersnöten verschont blieb. Meine Urahnen würden mich wahrscheinlich anspucken, wenn ausgerechnet ich mich über die Verhältnisse beschwere.

Ich bin bislang nur deshalb einigermaßen zurecht gekommen, weil ich nicht von der Welt und der Zeit erwarte, dass sie sich mir anpassen, sondern weil ich mich ihnen anpasse. Ist nicht immer angenehm, aber wen interessiert schon, was mir angenehm ist und was nicht.
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