Lidl drängt auf Mindestlohn im Handel



Re: Lidl drängt auf Mindestlohn im Handel

Beitragvon Bratmaxe » Do 18. Feb 2010, 09:55

Hallo Karlsbacher,

deshalb schrieb ich ja auch, dass Lidl KEINEN billigeren Wettbewerber loswerden will.

Ich weiß, was du meinst, denke aber nicht, dass dies zutrifft. Im Einzelhandel gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Jobs, vom Regalpacker zum hochkarätigen Verkäufer. Logischerweise sinkt der Stundenlohn je unqualifizierter der Job ist. Und diesen unteren Rand gilt es festzulegen. Darüber hinaus bestehen ja noch weitere tarifliche Vereinbarungen. Ich denke nicht, dass man das Schwarzgespenst an die Wand malen sollte, dass alle Jobs nun durch Mindestlöhner ersetzt werden. Diejenigen, die vorher schon wenig bezahlt haben, tun dies weiterhin auf Mindestlohnniveau. Diejenigen, die vorher mehr bezahlt haben, tun dies aus gutem Grund und werden das auch weiterhin tun. Einfangen kann man aber die schwarzen Schafe dieser Branche wie Schlecker und Kik - und das ist gut so.

Momentan zahlen die tariflichen Discounter (wenn ich das dem Beitrag richtig entnehme) um die 7 Euro pro Stunde. Ich denke, da würde sich der Mindestlohn (vielleicht um 50 Cent) auch einpendeln.

Re: Lidl drängt auf Mindestlohn im Handel

Beitragvon Kalsbacher » Do 18. Feb 2010, 19:43

[quote="Bratmaxe"]Hallo Karlsbacher,

deshalb schrieb ich ja auch, dass Lidl KEINEN billigeren Wettbewerber loswerden will.

Ich weiß, was du meinst, denke aber nicht, dass dies zutrifft. Im Einzelhandel gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Jobs, vom Regalpacker zum hochkarätigen Verkäufer. Logischerweise sinkt der Stundenlohn je unqualifizierter der Job ist. Und diesen unteren Rand gilt es festzulegen. Darüber hinaus bestehen ja noch weitere tarifliche Vereinbarungen. Ich denke nicht, dass man das Schwarzgespenst an die Wand malen sollte, dass alle Jobs nun durch Mindestlöhner ersetzt werden. Diejenigen, die vorher schon wenig bezahlt haben, tun dies weiterhin auf Mindestlohnniveau. Diejenigen, die vorher mehr bezahlt haben, tun dies aus gutem Grund und werden das auch weiterhin tun. Einfangen kann man aber die schwarzen Schafe dieser Branche wie Schlecker und Kik - und das ist gut so.

Momentan zahlen die tariflichen Discounter (wenn ich das dem Beitrag richtig entnehme) um die 7 Euro pro Stunde. Ich denke, da würde sich der Mindestlohn (vielleicht um 50 Cent) auch einpendeln.[/quote]



:oops: Sorry, da habe ich wohl das "k" überlesen. :oops:

...ich kam nur darauf, da ich einige Bekannte und Nachbarn habe, denen es beim Instrument Zeitarbeit wie folgt ergangen ist: Der ortsansässige Bremsbelaghersteller, überwiegend margenträchtige Bremsbeläge für LKW, hat im Sommer 2009 exakt 150 Stellen abgebaut,
davon betroffen auch einige Leute aus meinem Ortsteil. Von diesen waren 2 Bekannte daraufhin 3 Monate arbeitslos, bevor es sie zu einer Zeitarbeitsfirma verschlug. Seit Dezember arbeiten sie wieder in exakt der Firma, am exakt selben Arbeitsplatz, der ihnen knapp ein halbes Jahr vorher betriebsbedingt gekündigt wurde, unter der Flagge der Zeitarbeitsfirma.
Die Wochenarbeitszeit beträgt 2,5 Stunden mehr, netto bleiben aber knapp 400 Euro weniger, als bei der früheren Festanstellung.

Was die Lohnhöhe bei einem Mindestlohn angeht, den kann man m. E. nicht einfach so mit Betrag X definieren. Der Single in der Lüneburger Heide kommt vielleicht mit 7 € bei ca. 166 monatlichen Arbeitsstunden ( 1162 € brutto ) zurecht. Der zweifache Familienvater in München wohl eher nicht. Ohne gleich wieder Animositäten ins Spiel zu bringen, mit HARTZ IV wäre er da deutlich besser bedient, bei wesentlich weniger Aufwand. Selbst bei einem Mindestlohn von 10 oder gar 12 € brutto käme er und somit seine Familie wohl nur so eben zurecht.

Re: Lidl drängt auf Mindestlohn im Handel

Beitragvon Bratmaxe » Fr 19. Feb 2010, 16:27

Meiner Meinung nach sollte der Mindestlohn auf gar keinen Fall nach Lebenshaltungskosten definiert werden.

Oder gibt's hier einen von euch, der eine Gehaltserhöhung bekommt, weil die Energiepreise steigen?

Was man beim Mindestlohn auf jeden Fall im Auge behalten sollte, ist eine angemessene Entlohnung, ein angemessener Abstand zu den staatlichen Sozialleistungen, eine angemessene Möglichkeit zur eigenen sozialen Vorsorge...
Man kann nicht auf jede Lebenssituation eingehen, womöglich regional, oder ob mit oder ohne Kinder. Dein Beispiel hinkt sowieso: in Regionen mit höheren Lebenshaltungskosten, sind die Jobangebote auch zahlreicher.

Die Geschichte mit der Zeitarbeit ist wieder eine andere. Dieses Instrument muss gesetzlich nachgebessert werden.

Re: Lidl drängt auf Mindestlohn im Handel

Beitragvon xXx » Fr 19. Feb 2010, 18:44

stachel hat geschrieben:Schon klar was da passiert:
Ein Wettbewerber will den Wettbewerbsvorteil, den seine Konkurrenten haben, beschneiden. Erinnert stark an die Post. Lidl denkt sich: Der richtige Lohn ist immer der, den ich zahle. Alles was niedriger ist ist Dumping. Schön, dass ich mir so die lästige Konkurrenz vom Hals schaffen kann.
Das dabei Tausende von Arbeitsplätzen über die Wupper (wie im Briefmarkt bei pin) gehen, ist mir als Lidl doch total egal.



Gutes Wirtschaften deffiniert sich durch effiziente Struckturen, einer erfolgreichen Produktpalette, kompetentem Personal und erfolgreichem Marketing. Wer nur durch niedrige Löhne am Markt bestehen kann hat marktwirtschaftlich versagt. Niedrigere Löhne bei einzelnen Unternehmen sind kein Wettbewerbsvorteil sonder nichts anderes als Wettbewerbsverzerrung. Forderungen eine solche Wettbewerbsverzerrung zu beseitigen sind nur zu berechtigt!

@ Bratmaxe: Nicht persönlich nehmen dass ich hier deinen Beitrag zum zitieren heran gezogen habe. Nach dem lesen der anderen Beiträge glaube ich nicht das wir hier sonderlich weit auseinanderliegen.
Zuletzt geändert von xXx am Fr 19. Feb 2010, 18:55, insgesamt 1-mal geändert.

Re: Lidl drängt auf Mindestlohn im Handel

Beitragvon xXx » Fr 19. Feb 2010, 18:49

Kalsbacher hat geschrieben:Lidl zahlt eben zu hohe Löhne. Eine Mindestlohnregelung wäre dann ein staatlich legalisiertes Mittel, um in Zukunft niedrigere Löhne zu zahlen und teure Mitarbeiter nach und nach durch
Mindestlöhner zu ersetzen. ;-)


Dieses Wirkprinzip leuchtet mir bis heute nicht ein :|
Momentan ist es schließlich staatlich legalisiert die Löhne noch weit unter das Nivau eines nicht vorhandenen Mindestlohns zu drücken.*verwirrt guck*