Kopfpauschale: Warum sie sehr sozial ist



Kopfpauschale: Warum sie sehr sozial ist

Beitragvon stachel » Do 11. Feb 2010, 12:26

Im allgemeinen geht die vorherschende Meinung so:
Bei der Kopfpauschale muss der Arzt und die die Krankenschwester das gleiche für die Versicherung zahlen und daher sei sie ungerecht.

Man kann durchaus darüber streiten welche Produkte, denn jetzt für Reiche teurer sein sollen und für Arme billiger. Warum wird das Mars am Kiosk nicht für Reiche teurer verkauft oder der Theaterbesuch (ist schliesslich ein wichtiges Kulturgut für alle) oder, oder, oder ? Nur bei der Gesundheit versucht man krampfhaft Unterschiede bei den Abnehmern der Leistung zu machen, was das ganze enorm bürokratisch macht.

Denn es gibt bereits ein Mechanismus, der der unterschiedlichen Einkommenssituation Rechnung trägt und damit für den sozialen Ausgleich schafft. Das ist das Steuerrecht. Grundsatz ist: Jeder wird nach seiner Leistungsfähigkeit besteuert. Insofern ist ein weiterer Verteilmechanismus obsulet, er verzerrt die Ergebnisse, weil man die ganzen Verteilwirkungen zusammen zählen müsste, um die "produzierte" Gerechtigkeit durch Verteilung zu identifizieren.

Bleiben wir aber beim Vorwurf, dass das von Gesundheitsminister Rösler favorisierte System ungerecht wäre. Derzeit werden "Reiche" in der Krankenversicherung nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze zur KV veranlagt. D.h. alles an Einkommen was höher als 3750 Euro pro Monat ist geht nicht die Beitragspflicht ein. Das vorgschlagene Modell sieht einen einheitlichen Prämiensatz unabhängig vom Einkommen vor. Aber: Ärmere werden für diesen Beitragssatz einen Ausgleich aus dem Steuertopf erhalten. Und daher handelt es sich auch nicht um eine sogenannte "Kopfpauschale", sondern um eine "Gesundheitsprämie". Halten wir uns aber nicht an Bezeichnungen auf (obwohl die Opposition mit dem Begriff Kopfpauschale natürlich wunderbar Wahlkampf machen kann). Gehen wir auf die weiteren Vorwürfe ein. Nämlich:

"Der Beitragszahler wird zum Bittsteller, wenn er sich die Steuer im Nachhinein zurück hoeln soll"
Nö, wird er nicht, wenn die Steuergutschrift bereits bei seiner Lohnabrechung berücksichtigt wird. Er muss definitiv nicht zum Amt laufen und sein Ausgleich beantragen.

"Das ist ja nur rechte Tasche, linke Tasche"
Nö, ist es nicht weil beim Vorschlag der Steuerzahler den Sozialausgleich zahlen würde und nicht die Versicherten. Im Steuerrecht gibt es aber keine Beitragsbemessungsgrenze. So würde der Multimillionär auch noch an seiner Tausendsten Million Steuer für die Gesundheit zahlen und nicht nur bis 3750 Euro.

"Das ist ja gar nicht finanazierbar"
Doch. denn der Sozialausgleich muss zwar vom Steuerzahler gezahlt werden, wodurch die Steuern erst einmal steigen müssten. Allerdings vergisst man, dass der reiche Versicherte erheblich bei den Krankenkosten sparen würde und sich so die Steuererhöhung leisten könnte.
Beispiel:
Einheitliche Prämie von 150 Euro. Reiche Versicherte zahlen derzeit bis 550 Euro und könnten sich so erheblich von KV-Beiträgen entlasten. Diese Mittel stehen für eine höhere Steuerbelastung zur Verfügung.

Insgesamt sieht man bereits am letzten Punkt, das die beiden großen Reformvorhaben der Koaltion, nämlich die Einführung der Gesunheitsprämie und die große Steuerreform direkt voneinander abhängen. Der Effekt der Verlagerung der Gesundheitskosten in das Steuerrecht erhöht zwar die Steuern, auf der anderen Seite müssen die Steuersätze durch Abschaffung von Ausnahmen (wie etwa Nacht- und Feiertagszuschläge, Pendlerpauschale etc.) und /oder prozentuale Kappung von Subventionen gekappt werden. Dann ergibt sich ein rundes Bild, das auch viel mehr Steuerklarheit bringt. Durch Abschaffung von Ausnahmen werden sich Reiche nicht mehr per Steuerberater arm rechnen können.

Re: Kopfpauschale: Warum sie sehr sozial ist

Beitragvon sharpo » Do 11. Feb 2010, 12:38

was ist so unsozial an einer einheitskasse?


eine kopfpauschale halte ich für absoluten blödsinn.

unter anderem deswegen ..diese existiert in der schweiz und deren gesundheitssystem kollabiert ebenso wie unseres.
die schweizer wollen von dieser weg und erarbeiten gerade neue konzepte.

so...warum soll bei uns etwas funktionieren wenn es in der schweiz nicht funktioniert?

auch wirst du mit den beitrag von 150 euro net hinkommen.
es wird das gleiche problem wieder produziert...die gesundheitskosten werden dir weglaufen.
es muss endlich bei gewissen organisationen ein dickes stopschild aufgehangen werden.

ein schild bei den ärzten, bei der kassenärtzliche vereinigung, bei der pharmaindustrie, bei den apothekern und auch bei den patienten.

nur dann haste das problem...geht keiner zm arzt...wird auch nix verdient....also meckern die ärzte wieder.

Re: Kopfpauschale: Warum sie sehr sozial ist

Beitragvon xXx » Do 11. Feb 2010, 17:19

sharpo hat geschrieben:unter anderem deswegen ..diese existiert in der schweiz und deren gesundheitssystem kollabiert ebenso wie unseres.
die schweizer wollen von dieser weg und erarbeiten gerade neue konzepte.

so...warum soll bei uns etwas funktionieren wenn es in der schweiz nicht funktioniert?


Ob die Angelegenheit mit der Kopfpauschale sinnvoll oder nicht sinnvoll ist möchte ich noch nicht beurteilen. Weshalb aber ein Zusammenhang zwischen Kopfpauschale und Kostensteugerungen des gesammtsystems bestehen sollen erschließt sich mir nicht wirklich.
Die Tatsache das die Schweizer mit einem anderen System der Beitragserhebung die gleiche Kostenexplosion zu kämpfen haben wie wir lässt für mich eigentlich nur den Schluss zu dass das größere Problem an einer anderen Stelle zu suchen ist.
Die Kostenexplosin im Schweizergesundheitssystem sieht für mich irgendwie wie so ein typisches Politiker-Pseudoargument für doofe aus....
Voraussetzung wäre dass die FDP mit ihrem Vorschlägen genau das Gegenteil des gewollten erreicht, nämlich mehr Bürokratie statt weniger. Das wäre dann allerdings offen zu legen.

@stachel

Beitragvon bluehugo » Di 23. Feb 2010, 15:05

Wie wäre es denn, statt dessen gleich den ganz großen Wurf zu wagen:

Schaffen wir die Sozial"versicherungssysteme" ab und finanzieren die Leistungen der Gesundheitsvorsorge, Arbeitslosenunterstützung und die Renten vollständig aus Steuermitteln.

Die Steuern müssten dann natürlich gleichmäßig erhöht werden. Sowohl die auf Erwerbs-Einkommen, als auch die auf Kapitaleinkünfte :twisted:

Und natürlich gäbe es nur eine Grund-Gesundheitsvorsorge (für Ein-Bett-Zimmer und Origami muss man selbst vorsorgen).
Was könnte man da an Bürokratie einsparen und wie gerecht wäre es, wenn Einkünfte unabhängig von Ihrer Entstehung zur Gesundheitsvorsorge herangezogen würden... Dann könnte auch niemand mehr Arbeitsplatzabbau mit zu hohen Lohnnebenkosten begründen.
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Wer königsblau im Herzen trägt, sieht niemals schwarz!
Moderatoren moderieren nicht immer moderat.

Re: @stachel

Beitragvon Bratmaxe » Di 2. Mär 2010, 09:37

bluehugo hat geschrieben:Wie wäre es denn, statt dessen gleich den ganz großen Wurf zu wagen:

Schaffen wir die Sozial"versicherungssysteme" ab und finanzieren die Leistungen der Gesundheitsvorsorge, Arbeitslosenunterstützung und die Renten vollständig aus Steuermitteln.

Die Steuern müssten dann natürlich gleichmäßig erhöht werden. Sowohl die auf Erwerbs-Einkommen, als auch die auf Kapitaleinkünfte :twisted:



Und nicht zu vergessen die Erhöhung der Mehrwertsteuer, bei der man die größte Kohle abgreifen kann und die in der Regel die Ärmsten trifft. Toller Vorschlag"

Re: Kopfpauschale: Warum sie sehr sozial ist

Beitragvon tottitom » Mi 3. Mär 2010, 09:35

Also ich finde den Gedanken von bluehugo durchaus überlegenswert! Der Hinweis mit "den Ärmsten" den nehme ich nicht wirklich Ernst denn wir leben hier nicht in Haiti oder jedweden afrikanischen Entwicklungsländern! Das es dann Steuern gibt, die es heute noch nicht gibt oder nicht in der entspr. Höhe ist doch i. O. (Börsengewinne, Erbschaftssteuer etc.) Keiner könnte sich aus der Solidargemeinschaft verabschieden, eine gesundh. Grundversorgung wäre für alle (!!!) gesichert und der, der gesundheitlichen Luxus will, der muß ihn halt bezahlen! Was spräche dagegen?

Re: Kopfpauschale: Warum sie sehr sozial ist

Beitragvon Nappo » Mi 3. Mär 2010, 10:19

Die Gesundheitsprämie ist insofern unsozial, als dass sie einseitig beim Versicherten je nach Bedarf erhöht werden kann. Die Solidarität durch den Arbeitgeber entfällt somit, und das ist auch so gewollt. Zwar zahlen auch jetzt schon die Versicherten mehr als der Arbeitgeber, aber noch nicht sehr viel.
Ich hab da noch eine Frage: Werden Zinseinkünfte oder Dividenden auch zur Ermittlung des Einkommens gerechnet, oder gilt nur der Verdienst oder die Rente?

Re: Kopfpauschale: Warum sie sehr sozial ist

Beitragvon Diavo » Mi 3. Mär 2010, 10:24

Nappo hat geschrieben:Ich hab da noch eine Frage: Werden Zinseinkünfte oder Dividenden auch zur Ermittlung des Einkommens gerechnet, oder gilt nur der Verdienst oder die Rente?


Es werden alle Einkunftsarten berücksichtigt bei der GKV.

Zur Kopfpauschale: ich halte sie für sehr vernünftig, weil die Kosten für die Gesundheitsvorsorge auf jeden Fall von den Kosten für Arbeit abgekoppelt werden sollten.

Alles, was Arbeit teurer macht, vernichtet Arbeitsplätze. Langfristig sollte auch die Rentenversicherung nicht mehr die Kosten der Arbeit erhöhen.

Re: Kopfpauschale: Warum sie sehr sozial ist

Beitragvon sharpo » Mi 3. Mär 2010, 10:34

kein problem...wenn man den AN eine 100% lohnerhöhung gibt.....und wie von der FDP versprochen massiv die steuern senkt...
incl.....steigern sich die ausgaben gibts dementsprechend 1:1 mehr lohn und gehalt.


urlaubsgeld kann man dann auch noch streichen...wird es halt über 12 monate aufs festgehalt aufgeschlagen.

Re: Kopfpauschale: Warum sie sehr sozial ist

Beitragvon anko75 » Mi 3. Mär 2010, 10:51

tottitom hat geschrieben:Also ich finde den Gedanken von bluehugo durchaus überlegenswert! Der Hinweis mit "den Ärmsten" den nehme ich nicht wirklich Ernst denn wir leben hier nicht in Haiti oder jedweden afrikanischen Entwicklungsländern! Das es dann Steuern gibt, die es heute noch nicht gibt oder nicht in der entspr. Höhe ist doch i. O. (Börsengewinne, Erbschaftssteuer etc.) Keiner könnte sich aus der Solidargemeinschaft verabschieden, eine gesundh. Grundversorgung wäre für alle (!!!) gesichert und der, der gesundheitlichen Luxus will, der muß ihn halt bezahlen! Was spräche dagegen?



Hast schonmal einen Unfall gehabt, also den Kostenaufwand gerade dafür einmal mitbekommen, irgendwo lesen, oder sehen/hören können?

Danach wärst z.B. den Rest deines Lebens absolut Pleite!!!
Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.
(Wilhelm Busch)
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