OT: Chemnitz und die Bundesliga


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Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon ErwinK » Fr 7. Sep 2018, 19:33

@IM Friseur
Es ist ziemlich ermüdend, sich ständig für falsche Interpretationen und durch nichts begründete Behauptungen rechtfertigen zu müssen. Dennoch möchte ich ein paar Dinge gerade rücken.
Asyl bedeutet für mich, dass jemand auf Zeit oder auch dauerhaft in Deutschland bleiben darf, weil er/sie in seinem Land politisch oder sonst wie verfolgt oder bedroht wird.
Wenn jemand vor Krieg und Terror flüchtet und zu uns kommt, dann darf er/sie zeitlich befristet in Deutschland bleiben, in der Regel bis die Gefahr dort vorbei ist.
Ein Wirtschaftsflüchtling ist für mich jemand, der zu uns kommt, weil er/sie sich ein wirtschaftlich besseres Leben erhofft.
Letztere haben nach derzeit geltendem Recht keine wirkliche Aussicht, hier bleiben zu dürfen.
Den von Dir angesprochenen Missbrauch der Sozialsysteme gibt es auch, z.B. aktuell in der Diskussion ist das Thema Kindergeldbezug von Bulgaren oder Rumänen. Das ist aber ein ganz anderes Thema und hat eher mit den unklaren und schwammigen Regeln der EU zu tun.
Zitat BAMF: " Die Quote der positiv beschiedenen Asylanträge (Anerkennung als Flüchtling, subsidiärer Schutz, Abschiebeverbot), die sogenannte Gesamtschutzquote für Flüchtlinge, liegt im laufenden Jahr 2018 bei 31,6 Prozent."
Mit anderen Worten, gut Zweidrittel der Anträge werden abgelehnt. Diese sind für mich im wesentlichen die von mir genannten Wirtschaftsflüchtlinge.
Verstehe mich nicht falsch; ich habe für jeden, der ein besseres Leben möchte und deshalb zu uns kommt, Verständnis. Allerdings würde es unsere Möglichkeiten bei weitem übersteigen, wenn wir auch reine Wirtschaftsflüchtlinge bei uns aufnehmen würden.
Du interpretierst mich komplett falsch, wenn Du sagst "Auch, wenn du sagst, es wäre fahrlässig, Menschen ins Land zu lassen, die aufgrund von Traumatisierungen Betreuung benötige. Puh, da gruselt's mich."
Ich sage, wir können nicht mehr traumatisierte Menschen aufnehmen, als wir wirklich betreuen können. Lassen wir die traumatisierten Menschen allein (ohne professionellen Schutz), entstehen für diese Menschen und für unsere Bevölkerung unkalkulierbare Risiken.
Es hat nichts mit Bevorzugung der deutschen Bevölkerung zu tun, wenn ich Artikel 56 des Grundgesetzes erwähne, in dem es wörtlich heißt "Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe."
Bei diesen Sätzen von Dir gruselt es mich "Gutachter sagen, dass es erst zu diesen massenhaften Übergriffen kam, WEIL die Polizei nicht eingegriffen habe und die Täter sich in der Menge anonym gefühlt hätten.". Hatten die Verbrecher quasi keine andere Wahl oder haben sie ihre Taten bewusst begangen? Würdest Du jemanden ausrauben, belästigen oder gar vergewaltigen, weil Du keine Strafe befürchten müsstest? Das ist für mich ein schwer verständliches Rechtsempfinden.
Ich wohne in einer Ruhrgebietsgroßstadt und meide diverse Plätze und Strassen, zumindest zu bestimmten Zeiten. Als ich bei einer Wohnungsbörse einen Kriminalbeamten fragte, wo man in dieser Stadt wohnen sollte, nannte er mir mehrere Bereiche, wo man besser nicht wohnen sollte. Ein Freund von mir lebt in Berlin und ist abends schon mehrfach bedroht, tätlich angegriffen und sogar einmal ausgeraubt worden. Die Täterbeschreibungen waren in allen Fällen "Südländer" mit schlechtem bzw. keinem Deutsch.

ich möchte mich nicht ständig verteidigen müssen, wenn es um die AfD oder gar Rechtsradikale geht. Die AfD ist für mich eine Mischung aus neoliberal und populistisch rechts. Beides ist mir zutiefst zuwider. Rechtsradikale sind für mich Abschaum und gefährden, sollten sie mehr werden, auf Dauer unsere Demokratie.
Zuletzt geändert von ErwinK am Fr 7. Sep 2018, 20:03, insgesamt 1-mal geändert.
Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen. Voltaire (1694-1778), eigtl. François-Marie Arouet, frz. Philosoph u. Schriftsteller

Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon 21 » Fr 7. Sep 2018, 19:55

Oppa Pritschikowski hat geschrieben:Ein Banker, ein BILD-Leser und ein Vertriebener sitzen am gleichen Tisch. Auf dem Tisch liegen 12 Kekse. Der Banker nimmt 11 davon und sagt zum BILD-Leser: „Pass auf, der Asylant will dir deinen Keks wegnehmen.“

+1
Bwg
21

Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon amoroso2008 » Fr 7. Sep 2018, 20:22

sportlich weit auseinander, allerdings bei diesem heiklen Thema sehr nah beieinander.
Die Beiträge vom "Resser Marker" sowie vom "IM Friseur" kann ich unterschreiben, auch wenn ich glaube dass "ErwinK" das Ganze nicht so rüberbringen will, wie es teilweise rüberkommt. Mehr möchte ich dazu auch gar nicht verlieren, je grösser man diese Sache in Foren oder in der Presse macht, desto mehr Aufmerksamkeit bekommen die rechten Propagandisten.

P.S. Bei Diskussionen über die "Rechten" immer die "Linken" anzuführen und darauf verweisen, dass sich diese ja auch radikalisieren macht die Aussagen oder Taten der "Rechten" nicht besser und ist auch als Erklärung dafür nicht zu gebrauchen
Dortmund, Dortmund
Dortmund, Dortmund
Und wir werden IMMER Borussen sein,
Es gibt NIE NIE NIE einen anderen Verein........

Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon Ballbesitz04 » Fr 7. Sep 2018, 20:33

Der Thread ist eigentlich ein genaues Spiegelbild aller gegenwärtigen gesellschaftlichen Diskussionen, die letztlich ohne konstruktiven Lösungsvorschlag bleiben.
Ist das noch Fußball?

Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon IM Friseur » Fr 7. Sep 2018, 20:49

@amoroso2008: ich glaube auch nicht, dass ErwinK das nicht so rüberbringen will. Deshalb dislutiere ich überhaupt. Es ist die Wortwahl, die - wenn nicht so intendiert - gelinde gesagt "schwierig" ist. Wer nicht willens ist, zwischen Zuwanderern, Flüchtlingen, Menschen mit Migrationshintergrund und wie sie alle heißen zu unterscheiden, macht sich aus meiner Sicht eben angreifbar. Da mögen noch so viele Statistiken bemüht werden, die Ausgangsrhetorik ist schon falsch.

@ErwinK, nur zu deiner Ruhrgebietsgroßstadterfahrung: Hast du selbst irgendwelche Einschränkungen oder Übergriffe erfahren? Welche mitbekommen? Oder fußen deine Ängste auf Aussagen von Polizisten und Bekannten in anderen Städten? Ich könnte deine Ängste eher ernstnehmen, wenn sie nicht aus zweiter Hand wären. Und jetzt bitte nicht kontern mit "Muss denn erst was passieren?" Meine Antwort darauf in diesem eng gefassten Zusammenhang lautet: ja.

Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon Bidi » Fr 7. Sep 2018, 20:50

Ballbesitz04 hat geschrieben:Der Thread ist eigentlich ein genaues Spiegelbild aller gegenwärtigen gesellschaftlichen Diskussionen, die letztlich ohne konstruktiven Lösungsvorschlag bleiben.

Ja leider!

Und jetzt kommt auch noch der Bundesverfassungsschutz-Präsident um die Ecke und widerspricht der Kanzlerin. Es ist sehr schwierig heutzutage fundierte Informationen in den unterschiedlichsten Medien zu erhalten. Leider hat man immer mehr den Eindruck überall wird nur noch gelogen und betrogen. Das ist ebenso bedenklich wie die Demos der Rechten und dem offensichtlichen Schulterschluss der AfD mit diesen Gruppen.
Blau-Weiße Grüße - BIDI
_______________________________
SCHALKE ist wieder der GEilste Club der Welt!

Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon IM Friseur » Fr 7. Sep 2018, 20:52

Bidi hat geschrieben:
Ballbesitz04 hat geschrieben:Der Thread ist eigentlich ein genaues Spiegelbild aller gegenwärtigen gesellschaftlichen Diskussionen, die letztlich ohne konstruktiven Lösungsvorschlag bleiben.

Ja leider!

Und jetzt kommt auch noch der Bundesverfassungsschutz-Präsident um die Ecke und widerspricht der Kanzlerin. Es ist sehr schwierig heutzutage fundierte Informationen in den unterschiedlichsten Medien zu erhalten. Leider hat man immer mehr den Eindruck überall wird nur noch gelogen und betrogen. Das ist ebenso bedenklich wie die Demos der Rechten und dem offensichtlichen Schulterschluss der AfD mit diesen Gruppen.


Bidi, eine Meinung und eine Haltung zu haben, war immer schon schwierig. Und nicht immer ist die Meinung, die man vor 10 oder auch 2 Jahren hatte, heute noch aktuell. Gottseidank ist der Mensch ein anpassungsfähiges und intelligentes Wesen. Manche jedenfalls ;-)

Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon ErwinK » Fr 7. Sep 2018, 20:56

amoroso2008 hat geschrieben:sportlich weit auseinander, allerdings bei diesem heiklen Thema sehr nah beieinander.
Die Beiträge vom "Resser Marker" sowie vom "IM Friseur" kann ich unterschreiben, auch wenn ich glaube dass "ErwinK" das Ganze nicht so rüberbringen will, wie es teilweise rüberkommt. Mehr möchte ich dazu auch gar nicht verlieren, je grösser man diese Sache in Foren oder in der Presse macht, desto mehr Aufmerksamkeit bekommen die rechten Propagandisten.

P.S. Bei Diskussionen über die "Rechten" immer die "Linken" anzuführen und darauf verweisen, dass sich diese ja auch radikalisieren macht die Aussagen oder Taten der "Rechten" nicht besser und ist auch als Erklärung dafür nicht zu gebrauchen

Es ist natürlich Dein gutes Recht, Dich den Beiträgen von Resser Marker und IM Friseur anzuschließen.
Wenn jemand nicht so rüberkommt, wie es gedacht ist, dann kann das immer mindestens zwei Gründe haben; entweder der Autor drückt sich falsch oder missverständlich aus oder er wird falsch verstanden bzw. missverstanden.
Ich belege meine Aussagen zumindest, soweit möglich, mit Fakten und Zahlen. Daher würde mich schon interessieren, welche meiner konkreten Aussagen denn nun so falsch rüberkommen.
Ich muss Dir widersprechen, wenn Du empfiehlst, das Thema nicht weiter zu diskutieren. Für mich ist es gerade das Hauptproblem, dass man über solche Themen zu wenig diskutiert und dem anderen auch mal wirklich zuhört. Beide Seiten (da schließe ich mich nicht aus) verfallen viel zu schnell in den Reflex, die eigene Ansicht als das einzig Wahre anzusehen und der "Gegenseite" dann nicht mehr richtig zuzuhören.
Drei Beispiele für Missverständnisse/Fehlinterpretationen:

1. Ich fordere von der Politik, die Interessen des deutschen Volkes stärker zu berücksichtigen. Dafür werde ich in mehreren Beiträgen angegangen. Dabei fordere ich genau das, was jeder Minister und Kanzler bei seiner Vereidigung verspricht (Art. 56 GG).
2. Ich sage, dass nicht mehr traumatisierte Flüchtlinge ins Land gelassen werden sollen, als wir professionell betreuen können. Interpretiert wird, dass ich keine Flüchtlinge ins Land lassen will.
3. Ich sage, dass der größte Teil der Flüchtlinge Wirtschaftsflüchtlinge sind. Das hält man für eine unbewiesene Behauptung. Die Gesamtschutzquote (anerkannte Flüchtlinge) 2018 liegt bei knapp 32%. So falsch liege ich also nicht.
Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen. Voltaire (1694-1778), eigtl. François-Marie Arouet, frz. Philosoph u. Schriftsteller

Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon ErwinK » Fr 7. Sep 2018, 21:09

IM Friseur hat geschrieben:@amoroso2008: ich glaube auch nicht, dass ErwinK das nicht so rüberbringen will. Deshalb dislutiere ich überhaupt. Es ist die Wortwahl, die - wenn nicht so intendiert - gelinde gesagt "schwierig" ist. Wer nicht willens ist, zwischen Zuwanderern, Flüchtlingen, Menschen mit Migrationshintergrund und wie sie alle heißen zu unterscheiden, macht sich aus meiner Sicht eben angreifbar. Da mögen noch so viele Statistiken bemüht werden, die Ausgangsrhetorik ist schon falsch.

@ErwinK, nur zu deiner Ruhrgebietsgroßstadterfahrung: Hast du selbst irgendwelche Einschränkungen oder Übergriffe erfahren? Welche mitbekommen? Oder fußen deine Ängste auf Aussagen von Polizisten und Bekannten in anderen Städten? Ich könnte deine Ängste eher ernstnehmen, wenn sie nicht aus zweiter Hand wären. Und jetzt bitte nicht kontern mit "Muss denn erst was passieren?" Meine Antwort darauf in diesem eng gefassten Zusammenhang lautet: ja.

In der lokalen Presse gibt es nahezu täglich Berichte über Belästigungen, Bedrohungen, Körperverletzungen und ähnliches und die Täterbeschreibungen lauten recht häufig "südländisch, gebrochenes Deutsch".
Mein Schwager wurde von hinten angegangen, offenbar mit der Absicht, ihn auszurauben. Der Täter hatte das Pech, auf einen wehrhaften Menschen zu treffen. Der Iraker wurde inzwischen rechtskräftig verurteilt.
Der Polizist, der mich beraten hatte, wo man besser nicht wohnt, hat dies mit häufigen Polizeieinsätzen in von Ausländern hoch frequentierten Wohngebieten begründet.
Ein Busfahrer wurde von zwei Südländern attackiert, weil er ihre Fahrscheine sehen wollte. Ich kam dazu, als diese gerade flüchteten.
Wenn ich nun noch die Erfahrungen von Arbeitskollegen und Nachbarn hinzunehmen würde, müsste ich hier Überstunden machen.
Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen. Voltaire (1694-1778), eigtl. François-Marie Arouet, frz. Philosoph u. Schriftsteller

Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon ErwinK » Fr 7. Sep 2018, 21:16

Bidi hat geschrieben:
Ballbesitz04 hat geschrieben:Der Thread ist eigentlich ein genaues Spiegelbild aller gegenwärtigen gesellschaftlichen Diskussionen, die letztlich ohne konstruktiven Lösungsvorschlag bleiben.

Ja leider!

Und jetzt kommt auch noch der Bundesverfassungsschutz-Präsident um die Ecke und widerspricht der Kanzlerin. Es ist sehr schwierig heutzutage fundierte Informationen in den unterschiedlichsten Medien zu erhalten. Leider hat man immer mehr den Eindruck überall wird nur noch gelogen und betrogen. Das ist ebenso bedenklich wie die Demos der Rechten und dem offensichtlichen Schulterschluss der AfD mit diesen Gruppen.

Zum Thema "Hetzjagd" hat nicht nur der Verfassungsschutzpräsident widersprochen, sondern auch der sächsische Ministerpräsident und der Dresdener Generalstaatsanwalt.
Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen. Voltaire (1694-1778), eigtl. François-Marie Arouet, frz. Philosoph u. Schriftsteller