OT: Chemnitz und die Bundesliga


Moderatoren: Erwin u Helmut, EddieW

Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon Resser Marker » Do 6. Sep 2018, 15:23

Hab jetzt ebenfalls eine ellenlange Antwort auf Erwins Ausführungen verfasst, aber wir wollen ja nicht alle nur auf ihn eingehen. Nur so viel: Danke Totti und Calimero.

Doch noch etwas zu der Frage, wie weit man Politik mit in die Stadien bringen sollte: Ich sach ma so, der Sport hat nicht angefangen. Da gab es die Gauland-Äußerungen zu Boateng, so ziemlich jeder von Rang und Namen bei dieser Polit-Sekte meinte, sich irgendwas zwischen kritisch und hämisch zu Özil äußern zu müssen und generell fällt dieser Haufen schon seit Langem mit seiner Deutschtümelei auf. Wann soll man in den Stadien anfangen, sich klar zu positionieren? Wenn der erste AfDler eine Mindestquote für "Biodeutsche" (sic!) in den Bundesliga-Kadern fordert?

Sport kann sich so lange heraushalten, wie alles seinen demokratischen, freiheitlichen Gang geht, eine Wahlempfehlung für diese oder jene demokratische Partei würde mich sogar befremden, da muss selbstverständlich Neutralität gewahrt werden, aber das Einstehen gegen die Geisteskrankheit namens Rassismus kennt keine Grenzen, erst recht nicht bei Institutionen mit so einer Strahlkraft wie der Fußball. Eigentlich ganz einfach.
Patriotismus ist die Tugend der Boshaften! (Oscar Wilde)

Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon Resser Marker » Do 6. Sep 2018, 15:33

ErwinK hat geschrieben:Meine Güte, es geht mir doch nicht darum, die Wahl einer AfD zu rechtfertigen. Es geht mir darum, dass die bisherigen Strategien, die Leute dafür zu beschimpfen, zu ignorieren oder in die rechtsradikale Ecke zu stellen, nicht funktionieren. Die Frage ist doch, warum sich die Menschen immer weniger bei den bisher etablierten Parteien vertreten fühlen. CDU, SPD und Grüne sind doch kaum noch unterscheidbar. Die Linke ist für viele nicht wählbar, weil sie z.B. in der Flüchtlingsfrage recht extreme Positionen vertreten. Das scheint Sahra Wagenknecht erkannt zu haben, kann sich aber mit ihrer Auffassung in den eigenen Reihen nicht durchsetzen. Wofür die FDP steht, weiß ich nicht.

Fein, wie du das, was du als Unterstellung Calimeros bezeichnest, nachdrücklich beweist.
Warum kann offenbar nahezu jeder ungehindert in unser Land kommen aber nicht wieder zurückgeschickt werden?

Dass das Asylrecht längst deutlich verschärft ist und der Horschti in Bayern eine Grenztruppe aufmarschieren läßt, die mangels Flüchtlingen Däumchen dreht, haste aber schon mitbekommen? Und dass man sich mangels Flüchtlingen längst auf Migranten, auch jene, die hier schon seit Jahrzehnten leben, eingeschossen hat, auch?
Wenn man also die AfD wieder in die Bedeutungslosigkeit schicken will, dann muss man die Menschen mit ihren Ängsten und Interessen ernst nehmen.

Chemnitz ist meines Wissens mit 80% die ostdeutsche Stadt mit den meisten Atheisten, auf der Straße gefragt, wovor man denn Angst hätte, ist die Antwort, dass man sich sorge, dass demnächst die Kirchen von den Moslems übernommen werden. Was genau willste an so einem Blödsinn noch ernst nehmen?
Patriotismus ist die Tugend der Boshaften! (Oscar Wilde)

Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon ErwinK » Do 6. Sep 2018, 16:01

Ich sehe ein, dass eine halbwegs ernstzunehmende Diskussion zu dem Thema nicht möglich ist, schade. Bleibt ihr weiter bei eurer Strategie und lasst euch in ein paar Jahren von der AfD regieren. Offenbar fehlt es komplett an der Einsicht, dass unsere Gesellschaft auf dem Holzweg ist. Beschimpft weiterhin jeden, der nicht eurer Meinung ist. Die Probleme dieser verkrusteten Gesellschaft sitzen nicht an den Rändern, sondern in der (linken) Mitte.
Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen. Voltaire (1694-1778), eigtl. François-Marie Arouet, frz. Philosoph u. Schriftsteller

Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon Langewilli » Do 6. Sep 2018, 16:20

Calimero hat geschrieben:Weil es hier bestens reinpasst:

Horst Seehofer: Die Mutter aller Probleme ist die Migration

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/horst-seehofer-laut-medienberichten-mutter-aller-probleme-ist-die-migration-a-1226724.html

Nein. Die Mutter aller Probleme befindet sich in den Köpfen von Seehofer und Gleichgesinnten.


Soll Bayern ohne Lewandowski spielen?
Interessante Idee.................
Bild
+ 2.374

Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon RoyalBlue » Do 6. Sep 2018, 17:30

Nix für empörte Bürger... Danke GE

https://twitter.com/schalkerfanini/stat ... 31008?s=19

Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon tottitom » Do 6. Sep 2018, 19:13

Erwink, ist das nicht etwas überheblich anderen Ernsthaftigkeit abzusprechen weil sie nicht Deine Meinung teilen? Du hast bis dato kein einziges Beispiel geliefert auf welche konkreten Fragen derer, die die AfD wählen/unterstützen, die Etablierten nicht eingehen. Das es eine schwierige Situation für ALLE ist, ist doch unstrittig. Das es Vorkommnisse, gar Morde, gibt die man von Schutzsuchenden nicht erwartet - wer stellt das in Frage? Wenn, wie z. B. in Hamburg, Demonstranten gg. Merkel auf die Frage, welche Berührungspunkte sie bis dato mit Geflüchteten hatten als Antwort "gar keine" geben, möchte ich das nicht verallgemeinern, glaube aber, dass es derer viele gibt. Was ich allerdings noch nie gehört habe, sind konkrete, machbare Vorschläge. Außer Grenzen zu und abschieben, wer hier nix zu suchen hat, kommt da nicht viel!. Wenn das intelligenter ist als das, was diese Menschen an den Etablierten kritisieren - gute Nacht und kein Bett!
Kein Kölsch für Nazis! Der nächste Tanz ist wieder mit Musik!
some people get by with a little understanding
some people get by with a whole lot more .......
(the sisters of mercy)

Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon ErwinK » Do 6. Sep 2018, 20:44

tottitom hat geschrieben:Erwink, ist das nicht etwas überheblich anderen Ernsthaftigkeit abzusprechen weil sie nicht Deine Meinung teilen? Du hast bis dato kein einziges Beispiel geliefert auf welche konkreten Fragen derer, die die AfD wählen/unterstützen, die Etablierten nicht eingehen. Das es eine schwierige Situation für ALLE ist, ist doch unstrittig. Das es Vorkommnisse, gar Morde, gibt die man von Schutzsuchenden nicht erwartet - wer stellt das in Frage? Wenn, wie z. B. in Hamburg, Demonstranten gg. Merkel auf die Frage, welche Berührungspunkte sie bis dato mit Geflüchteten hatten als Antwort "gar keine" geben, möchte ich das nicht verallgemeinern, glaube aber, dass es derer viele gibt. Was ich allerdings noch nie gehört habe, sind konkrete, machbare Vorschläge. Außer Grenzen zu und abschieben, wer hier nix zu suchen hat, kommt da nicht viel!. Wenn das intelligenter ist als das, was diese Menschen an den Etablierten kritisieren - gute Nacht und kein Bett!

Ich spreche einigen (nicht Dir) die Ernsthaftigkeit ab, weil sie nicht diskutieren, sondern diffamieren. Calimero rückt mich in die Nähe von Rechtsradikalen und da hört der Spaß für mich auf.
Ich habe eine Reihe von Beispielen geliefert, die viele Menschen bewegen und die etablierten Parteien zucken nur mit den Schultern oder führen Scheingefechte. Gefährder laufen hier frei rum und müssen aufwändig überwacht werden (was nicht immer funktioniert). Mehrfach straffällige Flüchtlinge sitzen weder in Haft noch werden sie abgeschoben. Sexuelle Übergriffe werden entweder nahezu überhaupt nicht sanktioniert (Silvester Köln) oder unsere Kuscheljustiz fällt Skandalurteile. In nahezu jeder Großstadt gibt es (man gewöhnt sich langsam daran) regelmäßig Messerattacken. Jede Abschiebung wird zu einem juristischen und anschließend einem von Protesten begleiteten Abenteuer.
Es geht nicht darum, ob die AfD irgendetwas davon abstellen könnte, sondern es geht darum, dass die Menschen sich von den etablierten Parteien abwenden. Ich werde einen Teufel tun, in irgendeiner Weise Partei für die AfD zu ergreifen. Die sehe ich sowieso nur als das Ventil, mit der sich die Leute Luft machen wollen. Es geht auch nicht darum, dass das keine gute Idee ist und dass die AfD ganz sicher nicht den kleinen Mann auf der Strasse vertritt. Es geht darum, dass die etablierten Parteien nichts tun.
Chemnitz ist dafür ein gutes Beispiel. Von der Politik hörte man nach dem Mord und den versuchten Morden nichts. Als aber protestiert wurde und sich Rechtsradikale unter die Protestierenden mischten, gab es plötzlich einen Riesenaufschrei im Land und auch die Politiker waren nun zu hören. Die schweren Straftaten waren aber kaum ein Thema. Die Protestierenden wurden kurzerhand alle zu Nazis deklariert. Diese Menschen fühlen sich von der Politik und den Medien verar..... Nur mal so am Rande; warum gab es nach der Silvesternacht in Köln eigentlich keine Solidaritätsbekundungen und Konzerte? Da war bei der "Arsch huh, Zäng ussenander" Fraktion schweigen im Walde. Sind die eigenen Landsleute es nicht wert, sich mit ihnen zu solidarisieren?
Was ich die ganze Zeit anspreche ist, dass die lange bewährten Mittel, die Menschen ruhig zu stellen oder mundtot zu machen, nicht mehr greifen. Man kann noch so viel darüber lamentieren, ob sie Recht haben oder nicht und dass die AfD keine ihrer Probleme lösen wird. Man kann Gegendemos veranstalten oder Konzerte machen; die Leute lassen sich nicht mehr so leicht beruhigen. Wenn wir als Gesellschaft nicht bald Lösungen finden, wird eine AfD in die Regierungsverantwortung kommen. Ich vermute, hier sind wir uns einig, dass das möglichst nie passieren sollte.
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Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon tottitom » Fr 7. Sep 2018, 07:20

Die Diskussion würde ausufern, ginge ich auf alle Deine Einwürfe ein. Nein, Chemnitz ist nicht Beispiel dafür, wie oberflächlich die etablierte Politik ist sondern wieviel aufgestaute Wut und auch Hass bei einigen Menschen vorhanden ist und sie nun Gründe suchen (und leider auch geliefert bekommen) um diese Hasswut auch auf die Strasse zu tragen. Wenn ich mir so manches Video auf Youtube und Beiträge in den Medien angucke, wo Menschen auf die Frage nach dem "Warum?" ihres Protestes gefragt werden wird mir nur noch übeler. Da wird von Massenvergewaltigung und Sicherheitsängsten gesprochen so als wäre das mittlerweile deutscher Alltag. Es mag Sicherheitsmängel geben, von Massenvergewaltigungen habe ich bis heute nichts gehört oder gesehen oder gelesen. Warum sich Politik bei einem Mord öffentlich äußern sollte ist mir absolut nicht schlüssig es sei denn, es geht um einen politisch motivierten Mord. Ich möchte einmal erleben was los wäre, wenn sich Mutti zu einem Mord auf dem Hamburger Kiez äußern würde. Die Menschen würden fragen ob sie keine anderen Sorgen hätte oder etwa nicht?
Nein ErwinK, Du wirfst hier auch vieles in einen Pott, rührst um (Kölner Sylvesternacht,Abschiebung, Kuscheljustiz etc.) und präsentierst etwas, was bei nicht objektiver Betrachtung skandalös erscheint, aber bei allem "gefühltem Unverständnis" immer noch Grundlage eines Rechtsstaates! Sorry, aber so argumentiert auch die AfD! Rest gerne über PN!
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Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon kaba » Fr 7. Sep 2018, 08:23

Die Schalker Fan Initiative " Schalker gegen Rassismus" ist meines Wissens schon seit Parkstadion Zeiten aktiv tätig um auf solche Auswüchse(von rechts) regelhaft hinzuweisen und dagegen Stellung zu beziehen.Ich muss mir nur meine alten "Schalke unser" aus dem Regal holen und werde bestätigt ,dass sowohl Verein(Satzung) und auch das gesamte (Fan)Umfeld hier seit vielen Jahren aktiv ist.
Zu dem Thema empfehle ich diesen Artikel,
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/m ... 63-p3.html
Im übrigen sind in der regel auch die Kommentare von Augstein ,Lobo und Fleischhauer gerade auch zu diesem Thema -rechts und links des Weges- lesenswert, bwg kaba

Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon Calimero » Fr 7. Sep 2018, 08:57

@ErwinK: Ob Du mich nun ernst nimmst oder nicht, ist völlig irrelevant, denn Du stellst hier im Forum (zum Glück) nicht die Regeln auf und bestimmst nach Gutdünken, wer ernsthaft diskutiert und wer nicht. Wir sind ja hier nicht beim "Mensch-ärger-Dich-nicht" mit Kleinkindern, wo immer dann, wenn es einem nicht passt, mal flugs das Spielbrett umgekippt wird. Dein Säulenheiliger Voltaire dreht sich angesichts Deiner Beiträge ohnehin im Grabe um.

Meine Skepsis Dir gegenüber hat eine Historie, die wie bereits oben erwähnt aus dem WL-Politikforum herrührt. Dort bist Du mir mehrfach als jemand aufgefallen, der im Zweifel stets argumentativ den ganz falschen Leuten beigesprungen ist, anstatt sich hier deutlich abzugrenzen. Über Deine Motivation kann ich nur mutmaßen, vermutlich gab und gibt es jedoch zumindest teilweise inhaltliche Schnittmengen und das muss man klar ansprechen dürfen.

Insofern nehme ich Dir Deine angemaßten Rollen als "Anwalt der kleinen Leute" und "Retter der bundesdeutschen Demokratie" nicht ab und werde auch weiterhin auf die vielen Ungereimtheiten in Deiner Argumentation hinweisen, die oft faktentreu verkleidet ist, in Wahrheit aber mit der Wirklichkeit oft nichts oder nur wenig gemeinsam hat. Unsere Auseinandersetzung zum (menschgemachten) Klimawandel mag hier als Beispiel dienen, denn auch hier deckte sich Deine Position eher mit dem Parteiprogramm der AfD und weniger mit dem Stand der aktuellen Klimaforschung.

Wir sind alle gut beraten, wenn die Politik auf realem Faktenwissen basiert und echte (nicht bloß "gefühlte") Probleme pragmatisch und konsequent angeht. Das klappt (zugegebenermaßen) in vielen Politikfeldern nur äußerst mäßig (ich bin der letzte, der das abstreiten würde und unserer Bundesregierung ein tolles Zeugnis ausstellt). Dennoch ist alles besser als politisches Handeln (so wie Trump) an latenten Vorurteilen, Ignoranz, Faktenaversion und teils noch wesentlich schlimmeren Eigenschaften einer (freundlich ausgedrückt) mit der Komplexität der heutigen Welt völlig überforderten Minderheit auszurichten.

Das bedeutet keinesfalls, berechtigte Ängste einkommensschwacher oder "abgehängter" Bürger per se abzuweisen und diese Leute einfach abzuschreiben, aber man sollte schon sehr genau hinsehen, wo wirklich dringender Handlungsbedarf besteht und wo nicht. Alle Missstände dieser Welt völlig undifferenzierend und dann auch noch unter falschem Label ("Die Migration ist die Mutter aller Probleme") in einen Topf zu schmeißen, löst kein einziges Problem, sondern macht alles nur noch schlimmer.

In Kurzform: Wenn Politik auf Unwissenheit, Lügen und irrationalen Ängsten gründet, dann kann das nur im Desaster enden.

Die von mir beklagten Unterstellungen in Deinen Beiträgen darfst Du selber suchen. Mit ein wenig gutem Willen wirst Du sie rasch entdecken.
Reitet weiter, lasst mich liegen!

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