OT: Chemnitz und die Bundesliga


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Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon ErwinK » Mi 5. Sep 2018, 20:52

Ich habe auf die Ereignisse in Chemnitz eine differenzierte Sicht. Ausgangspunkt war ein schweres Verbrechen, das die Menschen dort erzürnt hat. Wie so oft dauerte es nicht lange, bis sich Rechtsradikale des Themas "annahmen" und es für sich instrumentalisierten. Dadurch wurde der Protest der Bevölkerung gegen die Flüchtlingspolitik komplett überdeckt. Übrig blieben insbesondere hässliche Bilder von Rechtsradikalen mit einer erschreckend offen zur Schau gestellten nationalsozialistischen Gesinnung. Mir macht das Angst.
Nun sind aber beileibe nicht alle, die da protestiert haben, Rechtsradikale/Nazis. Man mag es "rechts" nennen, wenn sich die Menschen gegen die Flüchtlingspolitik wenden aber rechts ist nicht rechtsradikal, auch wenn das inzwischen wenig differenziert wird.
Insbesondere von Linken bis zu Linksradikalen werden solche Ereignisse dann ebenfalls instrumentalisiert, indem man alles über einen Kamm schert, was aus ihrer Sicht rechts ist.
Es ist ja auch eine Gruppe bei dem Konzert aufgetreten, die einige deutlich linksradikale Texte in ihrem Repertoire haben, auch wenn sie diese Songs wohl nicht mehr spielen. Für mich war es daher fragwürdig, dass die Politik damit keine Probleme hatte und ein Anton Hofreiter das ganze verniedlichte. Ob er die Böhsen Onkelz auch inzwischen in sein Herz geschlossen hat?

Wenn wir alle - ob Fußballfans oder auch nicht - unsere Gesellschaft verteidigen wollen, dann sollten wir nicht mit den stets gleichen und offensichtlich untauglichen Mitteln versuchen, vorhandene Probleme unter den Teppich zu kehren. Die AfD haut sich nach jeder Veranstaltung wie der in Chemnitz auf die Schenkel und die Umfragen bestätigen diese Freude. Der eher linke Teil der Bevölkerung mag sich nach einem solchen Konzert gut fühlen. Erreicht werden aber ganz sicher nicht die Unzufriedenen, die weiterhin in Scharen zur AfD rennen. Ich fürchte, schon bald kann nur noch schwer an der AfD vorbei eine stabile Regierung gebildet werden. Wie lange wird es wohl dauern, bis diese dann von regierungswilligen Volksparteien hoffähig (koalitionsfähig) gemacht wird? Eine solche Partei in Verantwortung und diese dumpf nationalsozialistischen Mitläufer, das ist eine Mischung, die wir fürchten sollten.
Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen. Voltaire (1694-1778), eigtl. François-Marie Arouet, frz. Philosoph u. Schriftsteller

Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon Calimero » Do 6. Sep 2018, 00:01

ErwinK hat geschrieben:Ich habe auf die Ereignisse in Chemnitz eine differenzierte Sicht.


Soso...

1. Solltest Du diese Beurteilung nicht lieber anderen überlassen?
2. Haben Deine Vorschreiber etwa keine differenzierte Sicht auf die Ereignisse in Chemnitz?
3. Verwechselst Du Differenzierung nicht mit Relativierung?

Auch Dein übriger Text liest sich vordergründig recht erhaben. Bei näherem Hinsehen jedoch treten sehr deutlich erzkonservative Wertvorstellungen à la Jan Fleischhauer (SPON - Der schwarze Kanal) zutage, die zu Wahrnehmungen, Behauptungen und Schlussfolgerungen führen, die ich als "linksradikaler Steinewerfer der Antifa" vor dem Hintergrund der Geschehnisse in Chemnitz etc. weder besonders differenziert noch zielführend finde, sondern als gefährliche Verharmlosung der rechtsextremen Epidemie betrachte.

Wir hatten ähnliche Meinungsverschiedenheiten ja bereits im WL-Politikforum, das ja mittlerweile v.a. wegen brauner Durchseuchung durch "besorgte Bürger" geschlossen wurde.
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Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon tottitom » Do 6. Sep 2018, 06:08

ErwinK, nicht die Politik macht die AfD "hoffähig" sondern die Menschen, die glauben mit diesen Populisten etwas gefunden zu haben, das ihrem Protest (gg. was eigentlich?) Ausdruck verleiht und die eine Politik macht, die ihren Vorstellungen entspricht! Dabei nehmen sie alles erdenkliche anscheinend in Kauf, also auch offenen Rassismus. Diesen Typ hatten wir schon einmal! Wegschauen oder "aber ich bin doch kein Nazi" ist ja auch einfach dahergesagt und die einfachste Form der "Verantwortungslosigkeit". Mir ist das zu billig und ich kann diese "Entschuldigungen" einfach nicht mehr hören! Und ich fürchte auch nicht diese Populisten sondern eher die Menschen, die diese "Nasen" auch noch wählen oder sich ihnen nicht entgegenstellen. Vor diesen gleichgültigen oder fremdenfeindlich motivierten Mitbürgern ist mir bange! Ach ja, ich fände es klasse, wenn sich Vereine -wie es z. B. der Präsi von Eintracht Frankfurt gemacht hat- klar zur AfD positionieren würden!
Kein Kölsch für Nazis! Der nächste Tanz ist wieder mit Musik!
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(the sisters of mercy)

Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon Calimero » Do 6. Sep 2018, 08:03

Weil es hier bestens reinpasst:

Horst Seehofer: Die Mutter aller Probleme ist die Migration

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/horst-seehofer-laut-medienberichten-mutter-aller-probleme-ist-die-migration-a-1226724.html

Nein. Die Mutter aller Probleme befindet sich in den Köpfen von Seehofer und Gleichgesinnten.
Reitet weiter, lasst mich liegen!

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Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon Resser Marker » Do 6. Sep 2018, 08:40

ErwinK hat geschrieben:Es ist ja auch eine Gruppe bei dem Konzert aufgetreten, die einige deutlich linksradikale Texte in ihrem Repertoire haben, auch wenn sie diese Songs wohl nicht mehr spielen.

Eine Punkband mit Asi-Texten ist auch wirklich das größte Verfassungsproblem in diesem Lande...

...oder warens doch die Hosen, die wahlweise von Rechts als Linksextreme oder Hofnarren des Systems bezeichnet werden? Man weiß es nicht genau...

Sicher ist nur, dass irgendwer bei solchen Themen um die Ecke kommt und "Die Linke abba auch!" in den Ring schmeißt. Dass du das bist, Erwin, kommt jetzt natürlich toooootal überraschend...
Patriotismus ist die Tugend der Boshaften! (Oscar Wilde)

Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon RoyalBlue » Do 6. Sep 2018, 11:36


Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon ErwinK » Do 6. Sep 2018, 13:17

@Calimero @Resser Marker @tottitom
Es erschreckt mich in gewisser Weise, wie ihr meine Befürchtungen komplett bestätigt. Machen wir ruhig so weiter und ignorieren wir die Unzufriedenheit eines beachtlichen Teils unserer Bevölkerung. Schauen wir weiter zu, wie die AfD Schritt für Schritt größer wird. Schieben wir weiterhin jeden, der z.B. mit der Flüchtlingspolitik nicht einverstanden ist, in die rechte Ecke. Tun wir so, als gäbe es keine Probleme mit Flüchtlingen/Migranten und als seien die fast täglichen Horrormeldungen alles bedauerliche Einzelfälle, die sofort in den Hintergrund treten, wenn es in der Bevölkerung murrt. Selbstverständlich zeigen wir auch nur dann Zivilcourage, wenn es gegen Rechtsradikalismus geht. Verharmlosen wir Linksextremisten weiter, auch wenn die Straftaten z.B. beim G20-Gipfel ein Vielfaches der Straftaten von Chemnitz ausmachen.

Obwohl die bisherigen Strategien gegen das Erstarken der Rechtsaußen erkennbar nicht funktionieren, wird alles so weiter gemacht, wie bisher. Bald haben wir im Bund eine AfD über 20% und in manchem Bundesland kann man schon jetzt davon ausgehen, dass die AfD stärkste Partei wird.
Dann müssen wir halt ein Viertel der Bevölkerung in die rechte Ecke stellen, diese in den Medien beschimpfen und ansonsten weiter ignorieren oder lächerlich machen und nicht zu vergessen sollten wir zumindest wöchentlich Konzerte veranstalten, um sich für 3 Stunden besser zu fühlen.

Ich halte wenig davon, diese Themen in die Stadien zu bringen. Wo will man da die Grenze ziehen? Soll ausschließlich Rechtsradikalismus angeprangert werden? Was ist mit Themen wie soziale Gerechtigkeit, zunehmende Spannungen zwischen den Großmächten, der Kampf reich gegen arm, No Go Areas in vielen Städten, explodierende Immobilienpreise, die drastische Zunahme sexueller Übergriffe, die täglichen Messerattacken, etc. etc. Wollen wir den Fußball oder allgemein den Sport wirklich so politisieren?
Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen. Voltaire (1694-1778), eigtl. François-Marie Arouet, frz. Philosoph u. Schriftsteller

Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon tottitom » Do 6. Sep 2018, 14:32

ErwinK, wo steht in einem der Beiträge einmal geschrieben, dass es keine Probleme ob mit Flüchtlingen oder anders gelagerte Unzufriedenheit gäbe? Ist das aber ein Grund um
Rechtspopulisten zu unterstützen? Nein, das ist nur eine billige Ausrede ....... Fakt ist doch wohl, dass es bei diesen Rattenfängern keine klare Abgrenzung zu Rassisten gibt und somit muß sich jeder (!) der sie unterstützt auch den Vorwurf "Rechter" gefallen lassen - oder bist Du da anderer Meinung!? Willst Du entschuldigen, dass dieser sinnlose Mord von diesen Populisten instrumentalisiert wurde und sich "Ottonormalos"
mal eben in ihre Reihen eingegliedert haben um so auf "IHRE PROBLEME" aufmerksam zu machen??? Ich kann da nur eines erkennen: Verantwortungslosigkeit!
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Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon Calimero » Do 6. Sep 2018, 14:53

Danke tottitom: ErwinK arbeitet wie üblich mit einer Masse vorurteilsbeladener Unterstellungen, dass die Schwarte nur so kracht.

Des Weiteren erkenne ich bei seinen Ausführungen so viele Ähnlichkeiten zum Parteiprogramm der AfD, dass ich mich ernsthaft frage, warum er die AfD überhaupt zu bekämpfen vorgibt.

Noch dazu ist sein Therapievorschlag falsch, denn Seehofer-like reflexartig den rechten Rand der Wahlberechtigten zu hofieren, dürfte eher dazu führen, dass der "murrende Teil der Bevölkerung" (Welch ein Euphemismus!), dies als Schwäche auslegt und dann doch lieber direkt das Original wählt.

Der NSU scheint auch an ihm vorbeigerauscht zu sein usw. usf.

Alles eine ungenießbare Soße!
Reitet weiter, lasst mich liegen!

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Re: OT: Chemnitz und die Bundesliga

Beitragvon ErwinK » Do 6. Sep 2018, 15:22

tottitom hat geschrieben:ErwinK, wo steht in einem der Beiträge einmal geschrieben, dass es keine Probleme ob mit Flüchtlingen oder anders gelagerte Unzufriedenheit gäbe? Ist das aber ein Grund um
Rechtspopulisten zu unterstützen? Nein, das ist nur eine billige Ausrede ....... Fakt ist doch wohl, dass es bei diesen Rattenfängern keine klare Abgrenzung zu Rassisten gibt und somit muß sich jeder (!) der sie unterstützt auch den Vorwurf "Rechter" gefallen lassen - oder bist Du da anderer Meinung!? Willst Du entschuldigen, dass dieser sinnlose Mord von diesen Populisten instrumentalisiert wurde und sich "Ottonormalos"
mal eben in ihre Reihen eingegliedert haben um so auf "IHRE PROBLEME" aufmerksam zu machen??? Ich kann da nur eines erkennen: Verantwortungslosigkeit!

Meine Güte, es geht mir doch nicht darum, die Wahl einer AfD zu rechtfertigen. Es geht mir darum, dass die bisherigen Strategien, die Leute dafür zu beschimpfen, zu ignorieren oder in die rechtsradikale Ecke zu stellen, nicht funktionieren. Die Frage ist doch, warum sich die Menschen immer weniger bei den bisher etablierten Parteien vertreten fühlen. CDU, SPD und Grüne sind doch kaum noch unterscheidbar. Die Linke ist für viele nicht wählbar, weil sie z.B. in der Flüchtlingsfrage recht extreme Positionen vertreten. Das scheint Sahra Wagenknecht erkannt zu haben, kann sich aber mit ihrer Auffassung in den eigenen Reihen nicht durchsetzen. Wofür die FDP steht, weiß ich nicht.
Wer vertritt denn die Interessen derer, die nicht hunderttausende Flüchtlinge aufnehmen wollen? Wer vertritt die Forderung vieler, dass straffällige Flüchtlinge nicht länger die einheimische Bevölkerung gefährden dürfen, weil sie angeblich nicht ausgewiesen werden können? Warum wird das Grundgesetz in Sachen Asyl nicht zumindest auf den Prüfstand gestellt, obwohl eigentlich jedem klar ist, dass es so nicht gemeint war, wie es derzeit ausgelegt wird? Wer kümmert sich um den Wahnsinn, dass hunderttausende Flüchtling mehrere Rechtsinstanzen durchlaufen können und so nicht selten Jahre ins Land gehen? Wer sorgt dafür, dass Flüchtlinge und Asylbewerber sehr zeitnah wissen, ob sie bleiben dürfen oder nicht? Warum kann offenbar nahezu jeder ungehindert in unser Land kommen aber nicht wieder zurückgeschickt werden?
Es gibt keine Partei, die zu diesen Themen mehr als ein paar (CSU-)Scheingefechte führt.
Wenn man also die AfD wieder in die Bedeutungslosigkeit schicken will, dann muss man die Menschen mit ihren Ängsten und Interessen ernst nehmen. Macht man das nicht, schickt man die Leute automatisch in die Hände von Rattenfängern. Wenn die etablierten Parteien der Meinung sind, dass dieser Teil der Bevölkerung nicht von ihnen vertreten werden muss, dann macht man einen großen Fehler.

@Calimero
Dich nehme ich nicht mehr ernst, denn Du argumentierst kein Stück, sondern arbeitest mit übelsten Unterstellungen. Werde konkret, sage mir, welche Unterstellungen Du meinst und nenne mir Dein Rezept. Ein halbwegs intelligenter Mensch sollte erkannt haben, dass die bisherigen Reflexe nicht mehr fruchten und die Leute in immer größerer Zahl ihre Hemmung verlieren, die AfD zu wählen.
Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen. Voltaire (1694-1778), eigtl. François-Marie Arouet, frz. Philosoph u. Schriftsteller