Kann DT offensiv?


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Re: Kann DT offensiv?

Beitragvon milhousinho » Di 9. Okt 2018, 21:53

Ich denke, hier sind sich alle einig, dass unser Fußball unter Tedesco nicht sonderlich attraktiv ist.

Ich denke aber auch, dass es viel Zeit braucht um einer Mannschaft, die seit gefühlt 2001 keine wirkliche Identiät mehr hat, diese wieder einzuimpfen.

Es gab schon viele Mannschaften, die zeitweise einen tollen Fußball gespielt haben, aber keine davon konnte sich dauerhaft in der Spitze der Bundesliga etablieren. Soll heißen, dass diese Mannschaften mit genau einer Taktik und einer in der Zeit passenden Mannschaft erfolgreichen Fußball gespielt haben aber das Fundament extrem wackelig war. Ein, zwei Leistungsträger, die den Verein verlassen haben oder gegnerische Mannschaften, die die Taktik geknackt haben, reichten schon aus, damit diese Teams wieder von der Bildfläche verschwanden.

Tedesco und Heidel arbeiten immer noch an unserem Fundament. Das Personal ist ebenso wie die spielerische Ausrichtung noch lange nicht das, was sich beide vorstellen. So lange das Grundgerüst nicht steht, werden wir keinen tollen, dominaten Fußball erleben. Jede Woche muss von allen Seiten extrem hart gearbeitet werden, damit wir unsere Identiät Stück für Stück entwickeln. Es bedarf also Kompetenz und Kontinuität auf allen Positionen und vor allem Geduld, um dieser Mannschaft wieder einen Charakter zu verleihen. Es muss an so vielen Stellschrauen gedreht werden, dass es für uns Fans oftmals überhaupt nicht ersichtlich ist, dass überhaupt etwas verändert wurde. Erst wenn genug Schrauben verstellt wurden, ist der Effekt auch für uns Fans sichtbar.

Tedesco ist für mich aber genau der richtige Trainer, der weiß, an welchen Schrauben er drehen und welche Teile er austauschen muss, damit am Ende ein stabiles Gebilde entsteht, welches guten und erfolgreichen Fußball spielen wird. Dann wird auch das Scouting einfacher weil man genau weiß, welches "Teil" unser Gebilde noch erfolgreicher und stabiler macht.

Also lasst uns hoffen, dass wir jetzt weiter fleißig Punkte sammeln und uns Stück für Stück nach oben arbeiten. Dann hat unser Baumeister auch wieder die Ruhe, die er für sein Werk benötigt. Die Entwicklung eines guten und qualitativ hochwertigen Produktes benötigt nunmal Zeit, bis es perfekt ist. Besonders wenn man bei 0 anfangen musste.

Kann Tedesco also offensiv? Ich habe keine Ahnung, aber keiner fängt ja beim Hausbau mit dem Dach an.
---------------------Neuer--------------------
Kehrer-----Matip----Höwedes----Kolasinac
-----------Gündogan-------Meyer-----------
Sané---------------Özil---------------Draxler
-------------------Lasogga--------------------

Re: Kann DT offensiv?

Beitragvon IM Friseur » Di 9. Okt 2018, 22:32

Um Mal in deinem Bild zu bleiben: Es spricht nichts dagegen, bei einem Hausbau mit dem Dach anzufangen, wenn man denn eine Idee hat, wie das entgegen aller Erwartung funktionieren könnte. Schlimmer aber wäre es, wenn man merkt, dass das nicht so richtig klappt, man aber mit diesem Konzept unbeirrbar weitermacht, bis das ganze Haus entweder zusammenklappt oder aber so marode ist, dass es auf Jahre unbewohnbar ist.

Kurz gesagt: Genauso wie die überwältigende Mehrzahl hier kann ich Tedesco ernsthaft erst anhand der letzten Saison beurteilen, da hat er einiges (endlich) anders gemacht, aber eben auch Einsicht gezeigt, wenn ein Plan nicht funktioniert hat.

Der Versuch, eine Spielweise zu etablieren, die zu mehr Torabaschlüssen führt, ist zunächst einmal gescheitert. Also hat er sich, wie schon einmal in der letzten Saison, darauf besonnen, was zumindest erfolgversprechender war. Das ist ein hohes Maß an Pragmatismus. Nicht schön, aber in unserer immer noch andauernden Umbruchsituation vermutlich das Vernünftigste.

Aber man darf Tedesco auch an seinen Worten messen. Denn dann kann man auch daraus lesen, was ihm vorschwebt. Er sagt, Einsatz, Maloche, Zweikämpfe seien ihm wichtig, diese Art sei eine (mögliche) Identität des FC Schalke 04. Fußball arbeiten und eklig sein. Wie kommen manche da auf die Idee, Tedesco arbeite an "schönem Fußball"?

Sicher schwebt ihm ein mitreißender Fußball vor, ein Fußball, mit dem an sich identifizieren kann. Aber schön? Davon war niemals die Rede und daruf zielen auch die Maßnahmen, die er ergreift gar nicht. Ihm geht es in meinen Augen darum, effektiv zu sein, gedanklich schneller zu sein als der Gegner, reifer zu spielen und Lösungen zu haben.

Die letzten drei Spiele, die unter einer enormen Drucksituation allesamt Siege waren, beweisen, dass er Lösungen hat. Nicht schön, aber pragmatisch. Mehr erwarte ich zunächst einmal nicht, denn mehr entspricht überhaupt nicht dem Soll, zumindest Stand jetzt.

Und wenn du schon 2001 ins Spiel bringst, milhousinho: Was war 2000? Eine spielerisch grausame Saison, so weit ich mich erinnern kann. Und dann kamen zwei Puzzleteile dazu, und es wurde aus einer biederen Truppe ein Orchester:

1. Andy Möller (dem nach seinem Wechsel niemand was zutraute)

und

2. Ein glückliches Momentum, das die Truppe getragen hat und aus ihr mehr gemacht hat als eigentlich in ihr steckte.

Das Momentum sprach letzte Saison für uns, diese Saison nicht. Und wer jetzt erwartet, dass wir in drei Jahren Tiki Taka spielen, der hat nicht zugehört. Daran arbeitet niemand, das wird nicht passieren.

Wir sind, wer wir sind. Wir schüchtern damit nur die Gegner noch nicht so ein, wie wir das wollen.

Re: Kann DT offensiv?

Beitragvon hannover1958 » Di 9. Okt 2018, 23:31

Ich hab mal nachgezählt: die Eurofighter haben 96/97 auf dem Weg zum Titel 17 Tore erzielt, davon neun nach Standarts und neun mit dem Kopf. Zum Glück hat Huub nicht krampfhaft versucht die Mannschaft wie Real Madrid spielen zu lassen. Und bei Tedesco glaube ich schon dass er diese Saison durchaus versucht das spielerische zu fördern. Aber es zeichnet eben einen guten Trainer aus die Lehren daraus zu ziehen wenn es nicht klappt und umzusteuern ohne das er sein Gesicht verliert.

Re: Kann DT offensiv?

Beitragvon Frahe04 » Mi 10. Okt 2018, 07:43

ein Alexander Zorniger hat in Stuttgart auch immer offensiv spielen lassen und ist dabei grandios gescheitert; DT macht das genau richtig, wenn er erkannt hat, das seine Umstellungen wirkungslos waren und wieder auf das altbewährte erfolgreiche System zurückgekehrt ist.
Wer königsblau im Herzen trägt, sieht niemals schwarz!

Re: Kann DT offensiv?

Beitragvon naseblauweiß » Mi 10. Okt 2018, 09:14

Huub galt bei uns auch lange als Defensiv-Trainer. Die 0 musste halt stehen. Das hat sich dann spätestens in der Saison 00/01 geändert. Da hatte Huub neben starken Defensiv-Akteuren endlich auch die passenden Offensiv-Akteure beisammen. Schlüsselspieler war seinerzeit wohl Andreas Möller, durch den unser Mittelfeld eine neue Qualität erhielt. Wer es vergessen hat: 00/01 haben wir die meisten Tore geschossen und diverse klare Siege gelandet. Bei seinem zweiten Gastspiel fand Stevens gleich diverse herausragende Offensivspieler vor (Raúl, Farfan, Draxler, Huntelaar) und hat dann entsprechend gleich offensiv agieren lassen. Dennoch wird er vermutlich immer als der Trainer gelten, bei dem die 0 stehen musste. Trainer-Schublade.

Ich traue Tedesco Ähnliches zu. Ansätze sieht man bereits, die durch den miserablen Start allerdings wieder ein wenig revidiert wurden. Verständlicherweise. In Aue ließ er seinerzeit auch keinen Riegelrudi-Fußball spielen, obwohl die Mannschaft bei seinem Amtsantritt auf dem letzten Platz lag, was gerade als Trainer-Novize sehr mutig war. Trotz der Probleme zu Saisonbeginn hat DT es in dieser Saison schon hinbekommen, von der Dreier- auf die Viererkette umzustellen, wodurch wir einen weiteren Mittelfeldspieler gewonnen haben, der unserem Offensivspiel gut tun dürfte.

Meiner Meinung nach ist es problematisch, Trainer auf eine Spielweise festlegen zu wollen. Ein weiteres Beispiel ist Favre, der bisher auch eher als vorsichtiger Trainer galt, bei dem die Absicherung an erster Stelle stehen muss. Alle wundern sich jetzt über die spektakulären letzten beiden Siege (4:2, 4:3), die überhaupt nicht Favre typisch sind. Beide Spiele hätten auch anders ausgehen können. Dann hätte man ihn in Frage gestellt, warum er so risikoreich spielen lasse. Bisher ist es gut gegangen und Favre gilt jetzt auf einmal als die Hoffnung der Bundesliga, der die große Bayern-Dominanz beenden kann. Doch wir wissen alle, zwei, drei Spiele nicht gewonnen und alles ist wieder verkehrt.

Die Sportpresse macht mit solchen kurzfristigen Entwicklungen Schlagzeilen. Als erfahrener Fan sollte man sich davon nicht beeinflussen lassen. Eine unserer neuen Stärken ist, dass wir uns nicht mehr so wie früher vom Sportboulevard in Sachen Trainerfrage durch die Gazetten jagen lassen. Das empfinde ich als sehr angenehm. Dieses neue Pfund sollten wir uns nicht nehmen lassen! Geduld ist immer noch eine Tugend - gerade in hektischen Zeiten wie diesen. Sehr oft zahlt sich so etwas am Ende aus, zumal DT es ja schon bewiesen hat, dass er es kann.
bwg
nbw

Re: Kann DT offensiv?

Beitragvon IM Friseur » Mi 10. Okt 2018, 09:28

Zur Geduld gehört aber die Fähigkeit zur Weitsicht. Die würde ich nicht bei jedem voraussetzen.

Es sind doch eigentlich immer die gleichen Personen, die die immergleichen Positionen hier reinhusten: Wo bleibt mein geiles Schalke-Gefühl! Nicht da? OK, daran muss jemand Schuld sein.

*gähn*

Re: Kann DT offensiv?

Beitragvon guzzi » Mi 10. Okt 2018, 10:11

Ach.
Ist das gar nicht so?
Niemand ist Schuld?
Mist ...

Re: Kann DT offensiv?

Beitragvon IM Friseur » Mi 10. Okt 2018, 10:32

guzzi hat geschrieben:Ach.
Ist das gar nicht so?
Niemand ist Schuld?
Mist ...


Ein alter SYS-AD sagte immer: Der Fehler sitzt vor dem Rechner. Könnte man auch hier manchmal irgendwie anwenden ;-)

Re: Kann DT offensiv?

Beitragvon IM Friseur » Mi 10. Okt 2018, 16:01

Pepe wird jetzt übrigens bei Bayern ins Spiel gebracht. Der war für uns aber auch schon im Sommer zu teuer, hatte da schon einen Rufpreis von > 20 Mios, weshalb wir frühzeitig haben abreißen lassen (so wurde kolportiert).

Re: Kann DT offensiv?

Beitragvon 21 » Mi 10. Okt 2018, 16:22

IM Friseur hat geschrieben:Pepe wird jetzt übrigens bei Bayern ins Spiel gebracht. Der war für uns aber auch schon im Sommer zu teuer, hatte da schon einen Rufpreis von > 20 Mios, weshalb wir frühzeitig haben abreißen lassen (so wurde kolportiert).

Ich finde die Diskussionen wen wir besser hätten holen sollen sowieso über. Das bringt eigentlich nichts. Außerdem könnten es Teuchert Embolo Uth Burgstaller und Skrzybski jetzt mal krachen lassen. Gespannt bin ich weiterhin auf den Letztgenannten. Das was ich von ihm sehen konnte fand ich vielversprechend - bin aber kein Trainingsgast.
bwg
21