Halb-OT: Özil feiert Erdogan...


Moderatoren: Erwin u Helmut, EddieW

Re: Halb-OT: Özil feiert Erdogan...

Beitragvon altinthon » Mi 25. Jul 2018, 12:37

IM Friseur hat geschrieben:https://www.tagesschau.de/inland/somuncu-oezil-101.html

Wow. Das sind ja mal geschliffene Statements. Inhaltlich topp. Der Typ hat's echt drauf.

Re: Halb-OT: Özil feiert Erdogan...

Beitragvon guzzi » Mi 25. Jul 2018, 12:53

@altinthon: und "Die Stadt" könnte deiner Meinung nach was dagegen tun? Außer nix (entschuldige, dass ich die Antwort bereits gegeben habe).
Insgesamt eine sehr schwierige Diskussion.
Ich würde als Diskussionsanregung in die Runde werfen: vielleicht müssten wir (wir, "Die Deutschen" mal so verallgemeinert) uns fragen, was wir bereit sind zu tolerieren. Das mag individuell sehr unterschiedlich sein. Wenn wir aber irgendwie einen Zusammenhalt der Gesellschaft erreichen wollen, müssten wir darauf eine Antwort finden. Glaube ich.
Und um eine solche geselschaftliche Diskussion führen zu können, wäre es doch schick, wenn die Seehofers dieser Welt mal ihre selbstsüchtige Fresse halten können. Und die Özils dieser Welt ebenso. Denn unter der aktuell verfahrenen Situation wird es schwierig bis unmöglich, Lösungen überhaupt nur zu diskutieren.

Re: Halb-OT: Özil feiert Erdogan...

Beitragvon Konrad » Mi 25. Jul 2018, 13:11


Re: Halb-OT: Özil feiert Erdogan...

Beitragvon Frahe04 » Mi 25. Jul 2018, 13:49

Der Ansatz für Multikulti ist gescheitert, absolut gescheitert!", sagte Kanzlerin Angela Merkel bereits anno 2010 auf dem Deutschlandtag der Jungen Union in Potsdam.
Wer königsblau im Herzen trägt, sieht niemals schwarz!

Re: Halb-OT: Özil feiert Erdogan...

Beitragvon ErwinK » Mi 25. Jul 2018, 15:20


Margarete Stokowski spricht zwar einige Probleme unserer Gesellschaft an, mir ist aber unklar, was sie letztlich damit sagen will. Wenn sie die angesprochenen Probleme auf unsere Gesellschaft projiziert und damit verallgemeinert, wo ist dann der Unterschied zu denen, die die Kriminalität von Migranten auf alle Migranten ausdehnen?
Es gibt trotz steigender Radikalisierung immer noch eine große Mitte in dieser Gesellschaft, die für den notwendigen Zusammenhalt sorgt. Wir haben Krankenschwestern und Pflegekräfte, die sich für einen mageren Lohn für Kranke und Schwache einsetzen, wir haben Feuerwehrleute, die jeden Tag einen verdammt harten Job machen, wir haben Polizisten, die in schwierigen Zeiten für einen bescheidenen Lohn den Kopf für uns hinhalten, wir haben Millionen Menschen, die jeden Tag ihren Mann und ihre Frau stehen, um im Job und der Familie ihr Bestes zu geben, wir haben Millionen von ehrenamtlich tätigen Menschen in Sportvereinen, im Sozialbereich und in vielen weiteren Einrichtungen, wir haben Millionen Kinder und Jugendliche, für die sich jede Anstrengung lohnt und wir haben Millionen Rentner, die 40 oder 50 Jahre gearbeitet haben und nun mit einer teilweise knappen Rente klar kommen müssen.
Diese Menschen würde ich den Mittelpunkt stellen, wenn ich unsere Gesellschaft beschreiben wollte, nicht Rechts- oder Linksradikale, Reichsbürger oder sonstige Vollidioten.
Eine Integration in die Mitte unserer Gesellschaft lohnt sich garantiert. Die Politik und wir alle müssen die Voraussetzungen schaffen, damit die Gesellschaft nicht überfordert wird und Integration gelingen kann.
Der Artikel spricht zwar viele Dinge richtig an, malt aber ein insgesamt viel zu düsteres Bild unseres Landes.
Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen. Voltaire (1694-1778), eigtl. François-Marie Arouet, frz. Philosoph u. Schriftsteller

Re: Halb-OT: Özil feiert Erdogan...

Beitragvon IM Friseur » Mi 25. Jul 2018, 16:30

Festzustellen bleibt doch, dass eine Gesellschaft immer genauso heterogen ist wie die Lebensumstände, mit denen sie zurechtkommen muss. Viele behaupten, das Leben heute sei viel komplexer als früher, dem würde ich zumindest in Teilen widersprechen. Komplexer impliziert immer eine Überforderung und liefert somit vielen eine billige Entschuldigung, die sich ungern zu viele Gedanken machen.

Ich finde, die Lebensumstände sind flexibler geworden. Neben mehr Möglichkeiten gibt es auch mehr Brüche. Eine lineare Berufslaufbahn wurde vom Standard mehr und mehr zur Ausnahme. Mehr Kinder verließen die Familien zum Studieren in andere Städte, es mussten sich andere Formen des Miteinanders und Füreinanders bilden.

Ich finde, das hat zu sehr vielschichtigen Biografien auf vielen Seiten geführt. Und natürlich gibt es isolationistische Tendenzen unter Zuwanderern ebenso wie weltoffene, bildungsbeflissene wie streng konservative. Also ist die Frage berechtigt, wer sich wohin bitteschön integrieren soll.

Nett wäre es doch, wenn man sich darauf einigen könnte, dass wir ein pluralistisches und vielschichtiges Land sind, in dem viele Menschen die Freiheit haben, nach ihrer Fasson glücklich zu werden – und in dem es eine gar nicht mal so üble Verfassung gibt, die dies auch weiterhin garantiert. Dazu, das darf man auch nicht vergessen, eine unabhängige Justiz, ein deutlich geringeres Maß an Korruption als anderswo und seit fast 75 Jahren Frieden. Vielleicht sollte das Ziel der Integration primär dem Land gelten und sekundär dem direkten Umfeld, in dem man lebt – ob Stadt oder Dorf, ob Multikulti- Viertel oder Reihenhaussiedung. Und hier allen Menschen, ob neu dort oder seit Generationen.

Re: Halb-OT: Özil feiert Erdogan...

Beitragvon ErwinK » Mi 25. Jul 2018, 18:47

Ich sehe durchaus auch eine Überforderung bei einem Teil unserer Gesellschaft. Insbesondere im beruflichen Umfeld gibt es massive Veränderungen und nicht jeder kommt damit klar. Nicht wenige Menschen brauchen eine Identifikation mit ihrer Arbeit und das fällt in so manchem früheren Vorzeigeunternehmen wie Siemens weg. Fehlende Anerkennung, hohe Unsicherheit durch ständige Umbrüche im Unternehmen, Verkäufe, Zukäufe und Fusionen, all das überfordert so manchen Zeitgenossen. Das deutlich häufiger auftretende Burnout ist ein Zeichen, dass die Überforderung keine Einbildung oder gar eine billige Ausrede ist.
Auch in Pflegeberufen, bei der Polizei oder Feuerwehren ist der Stressfaktor spürbar höher als noch vor 20 Jahren. Vermutlich könnte man diese Reihe noch lange fortsetzen.
Früher konnten Migranten relativ gut in den Großunternehmen Fuß fassen, weil es genug Arbeiten gab, die für einen Fremden mit Sprachschwierigkeiten und fehlendem Bildungsstand passten. Neben der Sprache ist Arbeit vielleicht der wichtigste Faktor für die Integration. Das Umfeld dafür ist deutlich schwieriger geworden und der Konkurrenzkampf um solche Arbeitsplätze hat zugenommen.
Da auch immer mehr Einheimische für geringe Löhne arbeiten müssen (eine Folge von jahrzehntelanger Zurückhaltung in der Tarifpolitik), entsteht Neid auf die, die ein Stück vom Sozialkuchen haben möchten.
Ob die Menschen in unserem Land wirklich noch alle Möglichkeiten und Freiheiten haben, nach ihrer Fasson glücklich zu werden, würde ich zumindest mal genauer beleuchten wollen. Da bin ich mir nicht mehr so sicher...
Ohne Zweifel bietet unser Land, wie Du richtig sagst, gute Bedingungen, die nicht selbstverständlich sind und die wir auch schützen sollten gegen jede Art von Angriff.
Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen. Voltaire (1694-1778), eigtl. François-Marie Arouet, frz. Philosoph u. Schriftsteller

Re: Halb-OT: Özil feiert Erdogan...

Beitragvon IM Friseur » Mi 25. Jul 2018, 20:46

Nun, nicht jeder Zuwanderer hat ein Bildungsdefizit, nur manchmal ein Sprachdefizit. Und auch das gilt für die 2. und 3. Generation nur noch bedingt.

Ich hatte mal eine ukrainische Ingenieurin, die bei uns als Putzfrau gearbeitet hat – allein weil ihre Abschlüsse nicht anerkannt wurden und sie nicht astrein Deutsch sprach. Ich hätte sie lieber als Ingenieurin gesehen.

Ob der Stress- oder Gesundheitsriskofaktor heute höher ist als bei den Jungs, die in die Grube eingefahren sind, weiß ich auch nicht. Lieber Burnout als Staublunge. Das meine ich mit vielschichtiger. Man kann Belastungen nicht wirklich miteinander vergleichen, zu jeder Zeit gibt es Dinge, die das Leben erschweren. Ich mag da nicht werten.

Und ob die Identifikation mit einem Arbeitgeber früher höher war? Keine Ahnung, man kam vielleicht nur nicht auf den Gedanken, den Arbeitgeber zu wechseln. Gilt heute vielleicht nur noch für Angestellte des ÖD, aus nachvollziehbaren Gründen. Aber Identifikation würde ich das bei meiner Frau eher nicht nennen, eher Loyalität mit Aufgaben und Zielen.

Dass Migranten nicht im Berufsleben Fuß fassen können, ist politisch gewollt und "gemacht". Zu zeiten der Süßmuth-Kommission wurde versäumt, die Einwanderung pro-aktiv zu gestalten. Es wäre ein massiver Schritt gewesen, qualifizierte Einwanderung zu begrüßen. Stattdessen faselte ein gewisser MP Rüttgers süffisant von "Kinder statt Inder". Diese Verweigerung hat dazu geführt, dass heute Zuwanderung eher in Form von Asyl gesehen wird. Die Chancemn darin sind bis zur Unkenntlichkeit abgeschliffen worden, so dass keiner mehr kommen "will". Dummerweise propfen wir den Kommenden aber weiterhin, wie in den 60er und 70er Jahren, den Gaststempel auf. Du darfst hierbleiben, aber du musst wieder gehen – und so lange du hier bist, darfst du nicht wirklich arbeiten. Nicht, dass du es dir zu bequem machst. Da waren wir in den 70er progressiver, die Leute sollten arbeiten! Heute dürfen sie es nicht. Ein feld für Integration, wie du richtig sagts, das nicht beackert werden kann.

Anderseits werben immer neue Hochschulen um ausländische Studenten. In meiner Heimatstadt ist eine ganze FH inklusive Infrastruktur aus dem Boden gestampft worden, um dennoch um die b esten Köpfe der Welt zu werben – da die qualifizierte Einwanderung, die die Süßmuth-Kommission vorgeschlagen hat, ja am Veto der christlichen Parteien gescheitert ist. Von dem Krampf bei der doppelten Staatsbürgerschaft will ich gar nicht erst anfangen.

Dummerweise wollen wiederum diese gut ausgebildeten Leute gar nicht bleiben, sondern ihr Wissen in ihren Gesellschaften anwenden. Ein schöner brain drain.

Was ich sagen will: Beim Thema Zuwanderung stellen wir uns seit Jahrzehnten unfassbar dämlich an. Und all unser falsches Handeln wenden wir auch auf die an, die bereits lange, lange hier sind – auch einen Mesut Özil, der Zeit seines Lebens wahrscheinlich kein von allen einfach akzeptierter Deutscher mehr wird. Und vielleicht muss er das auch gar nicht, denn wäre es nicht der Idealfall, dass Mesut Özil ist, was er ist? Ein Mensch wie du und ich, der einfach nur verdammt, verdammt gut Fußballspielen kann.

Re: Halb-OT: Özil feiert Erdogan...

Beitragvon ErwinK » Mi 25. Jul 2018, 21:12

Wenn ich so mancher Diskussion folge, dann bedeutet Integration für nicht wenige, dass der Migrant kaum oder gar nicht mehr von einem "Bio-Deutschen" unterscheidbar sein darf. Er muss die Sprache möglichst akzent- und fehlerfrei (und damit besser als sehr viele Deutsche) sprechen, seine Religion möglichst unauffällig leben, deutsche Tugenden haben und ohne wenn und aber zu diesem Land stehen.
Wir wissen schon seit langem, dass wir in den nächsten Jahren in ein massives Problem geraten, weil die geburtenstarken Jahrgänge bald das Rentenalter erreichen. Die Statistiker wissen sehr genau, wann uns wo dramatisch Fachkräfte wegbrechen, ob in der Pflege, in der IT, im Öffentlichen Dienst, im Dienstleistungssektor oder vielen Bereichen der Industrie. Wo aber ist das dringend benötigte Zuwanderungsgesetz, dass es uns ermöglicht, gezielt Fachkräfte anzuwerben? Wie kann es sein, dass hier gut integrierte Migranten aus formalen Gründen abgeschoben werden, obwohl deren Umfeld inklusive Arbeitgeber sich für diese Menschen einsetzen? Irgendetwas läuft in der Tat gewaltig falsch. Das fängt schon damit an, dass nicht unterschieden wird zwischen Asyl, Flüchtlingen und Zuwanderung. Solange das alles in einen Topf geworfen wird und dem Durchschnittsdeutschen erzählt wird, dass 1,5 Mio. Menschen integriert werden müssen, solange wird es auch viel Ablehnung geben, weil die Menschen vor allem die gewaltige Aufgaben mit riesigen Ausgaben sehen. Dazu kommt dann das Konkurrenzdenken und die Angst vor dem Fremden.
Jemand, der als Flüchtling vielleicht nach 2 oder 3 Jahren wieder in seine Heimat zurückkehrt, muss nicht in gleicher Form integriert werden wie derjenige, der voraussichtlich dauerhaft hier bleibt. Ich erwarte auch von einem Flüchtling, der wieder nach Hause will nicht, dass er sich hier vollständig integriert. Er muss unsere Gesetze achten, wird aber seine Sprache, seine Kultur und seine Religion weiter pflegen. Natürlich wird es auch Flüchtlinge geben, die hier bleiben wollen. Auch hier sollte es Möglichkeiten geben, im Rahmen eines Einwanderungsgesetzes zu prüfen, was geht.
Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen. Voltaire (1694-1778), eigtl. François-Marie Arouet, frz. Philosoph u. Schriftsteller

Re: Halb-OT: Özil feiert Erdogan...

Beitragvon IM Friseur » Mi 25. Jul 2018, 21:16

Alles richtig, was du sagst.