Halb-OT: Özil feiert Erdogan...


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Re: Halb-OT: Özil feiert Erdogan...

Beitragvon Ballbesitz04 » Mo 23. Jul 2018, 12:07

Im Ruhrgebiet haben 76 Prozent der türkischen Wähler für Erdogan gestimmt. Das ist ein viel größeres Problem für die deutsche Gesellschaft als Mesut Özils Nähe zu Erdogan.
Ist das noch Fußball?

Re: Halb-OT: Özil feiert Erdogan...

Beitragvon IM Friseur » Mo 23. Jul 2018, 12:12

Ich weiß nicht, ob eine aufgewärmte Leitkulturdebatte hier nicht zu weit greift.
Fakt ist, dass speziell Özil immer wieder angegriffen wurde, nicht "deutsch" genug zu sein. Was immer das bedeuten mag. Aber wenn es darum ging, die Nationalhymne zu singen, wer musste als angeblich schlechtes Beispiel dienen? Immer wieder Özil.

Ich weiß nicht, warum sich so ungemein viele speziell an ihm reiben und weniger an Gündogan, der sich im Grunde nicht anders geäußert hat als Özil. Nur früher.

Warum haben sich Grindel und Hoeneß nicht beide vorgeknöpft? Und warum hat Hoeneß kein Problem damit, seine Bayern immer wieder in Katar ins Trainingslager zu schicken, wo es dort mit der Menschenrechtslage auch nicht so tippitoppi aussieht.

Özil fehlt die Selbstreflektion, das ist wahr. Vielen anderen fehlt aber jegliches Maß.

Hier werden Dinge persönlich genommen und es geht sofort unter die Gürtellinie. Das ist keine Integrationsdebatte, das ist scheinheilig. Wenn es um Integration im großen Zusammenhang ginge, müssten auch die Gomez, die Boatengs, die Gündogans, die Demirbays, die Podolskis, die Asamoahs usw dazu gehört werden.

Hat es aber am Ende nur etwas mit Mesut Özil zu tun, dem vielen zu feinen Fuß? Dem Kerl, der offen vor jedem Spiel betet? Ich frage mich wirklich, warum ihm immer soviel Feindseligkeit entgegenschlägt.

Sein Foto mit Erdogan war nicht unpolitisch und wird es in keinem Erklärungsmuster. Das ist billig von ihm, sich da so herauszunehmen. Aber was er dafür erntet, ist unter aller Kanone.

Re: Halb-OT: Özil feiert Erdogan...

Beitragvon Resser Marker » Mo 23. Jul 2018, 12:21

Ballbesitz04 hat geschrieben:Im Ruhrgebiet haben 76 Prozent der türkischen Wähler für Erdogan gestimmt. Das ist ein viel größeres Problem für die deutsche Gesellschaft als Mesut Özils Nähe zu Erdogan.

Wenn man sich so ansieht, wie mit Özil umgegangen wird, kann man die Gründe dafür zumindest teilweise erahnen.

Überhaupt ist Özil schon der zweite deutsche NM-Spieler nach Boateng, der rassistisch angegangen wird. Wer kommt als nächstes? Sami Khedira? Antonio Rüdiger? Emre Can? Leroy Sane? Wo soll das enden, bis nur noch "Biodeutsche" in der NM spielen, deren Stammbaum mindestens bis ins 18.Jahrhundert zurückverfolgbar ist, jeder brav den Song von Einigkeit und Freizeit mitgröhlt und in der Kabine, analog zu den ach so patriotischen Kroaten, Störkraft gespielt wird?
Patriotismus ist die Tugend der Boshaften! (Oscar Wilde)

Re: Halb-OT: Özil feiert Erdogan...

Beitragvon Aladyn » Mo 23. Jul 2018, 12:26

IM Friseur hat geschrieben:Ich weiß nicht, warum sich so ungemein viele speziell an ihm reiben und weniger an Gündogan, der sich im Grunde nicht anders geäußert hat als Özil. Nur früher.

[...]

Hat es aber am Ende nur etwas mit Mesut Özil zu tun, dem vielen zu feinen Fuß? Dem Kerl, der offen vor jedem Spiel betet? Ich frage mich wirklich, warum ihm immer soviel Feindseligkeit entgegenschlägt.



Özil steht mehr im Fokus als Gündogan. Er spielt ja auch besser, hat mehr Länderspiele. Und dadurch dass er bei der Hymne nicht mitsingt, fällt Özil auch sehr stark auf. Das stößt vielen Leuten hier halt sauer auf. Mir persönlich ist das (sehr) egal, es gibt aber viele, die damit offenbar ein Problem haben. Und das sagt doch etwas mehr über unsere Gesellschaft aus, als mir lieb ist...
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Re: Halb-OT: Özil feiert Erdogan...

Beitragvon Ballbesitz04 » Mo 23. Jul 2018, 12:33

Ich schrieb es schon mal an anderer Stelle.

Hätte Özil zehn Jahre für die Bayern gespielt, sähe es anders aus.
Ist das noch Fußball?

Re: Halb-OT: Özil feiert Erdogan...

Beitragvon Franz_Ohse » Mo 23. Jul 2018, 13:24

Ballbesitz04 hat geschrieben:Im Ruhrgebiet haben 76 Prozent der türkischen Wähler für Erdogan gestimmt. Das ist ein viel größeres Problem für die deutsche Gesellschaft als Mesut Özils Nähe zu Erdogan.


Merkwürdig ist, dass all diese Wähler lieber hier leben, als in der Türkei.

Insgesamt ist es so, wie Bidi schrieb.
Das ist ein ganz schwieriges Thema und die Disussionen darum werden noch lange andauern weil eben auch die politische Landschaft nicht recht weiß, damit umzugehen. Die einen sagen "Hüh" und die andern "Hott" nur auf einen gemeinsamen Nenner kommt niemand.

Ich finde nur, dass man sich der Kultur weiter öffnet, in deren Land man leben möchte.
Das heißt nicht, dass man alles von seiner Kultur aufgeben sollte.
Nur, dass man gewisse Gebiete (vor allem das Thema Gleichberechtigung) der anderen Kultur verinnerlicht.
Die Extremen auf der einen, wie auf der anderen Seite tragen nicht dazu bei, die Kulturen weiter zusammen bringt.

Re: Halb-OT: Özil feiert Erdogan...

Beitragvon altinthon » Mo 23. Jul 2018, 15:40

Bidi hat geschrieben:
altinthon hat geschrieben:Mir fehlt da ein bisschen der Bezug zu der Notwendigkeit der Integration. Schaut man mal in die USA, gehen die damit ganz anders um, einfach weil die USA ein klassisches Einwanderungsland sind. Integration bedeutet für mich in erster Linie, dass jeder zu Integrierende sich an Recht und Gesetz hält und akzeptiert, dass unsere Kultur möglicherweise anders ist als die eigene. Das gilt für mich v.a. in Bezug auf Schulpflicht, Unterricht und Lehrergeschlecht. Da darf es keine zwei Meinungen geben.
Ansonsten gelten Regularien bezüglich der Staatsangehörigkeit. Will ein Ausländer die deutsche Staatsbürgerschaft, dann muss er diesen Regeln Rechnung tragen. That's it.
Was gar nicht geht, ist, einem Ausländer seine Kultur zu nehmen und ihm damit seine Wurzeln zu entziehen. Insofern kann ich Özil gut verstehen.

Hier widersprichst du dir aber in meinen Augen schon irgendwie.

Wenn du, bspw einem Araber, erzählst, hier in unserem Land wirst du aber von einer Frau unterrichtet, dann nimmst du ihm schon automatisch ein Stück seiner Kultur. Und eine Integration ist eben nur dann gegeben, wenn die Kultur des gewählten Landes auch akzeptiert und gelebt wird. Es geht nicht, dass in einem Staat sämtliche Kulturen ihr eigenes Ding machen. Früher war das alles noch beherrschbar, als ein "paar" Italiener, Jugoslawen und auch Türken hier gastarbeiteten. Heute scheint die multikulturelle Zusammenkunft allen über den Kopf zu wachsen.

Das ist ein ganz schwieriges Thema und die Disussionen darum werden noch lange andauern weil eben auch die politische Landschaft nicht recht weiß, damit umzugehen. Die einen sagen "Hüh" und die andern "Hott" nur auf einen gemeinsamen Nenner kommt niemand.


Ok, das ist nicht widerspruchsfrei. dann ergänze ich gerne: primär gelten die Gesetze und Sitten hier, vor allen Dingen Meinungsfreiheit, Gleichstellung Mann und Frau, geschlechterübergreifende Beziehungen, Religionsfreiheit. Kann ein Araber das nicht akzeptieren, dann sollte er nicht zu uns kommen. Aber wenn sich ein Araber hier seiner Wurzeln beraubt fühlt weil er persönlich angegangen wird, dann ist das schlecht. Ich glaube nicht, dass wir mittlerweile überfordert sind. Wir sollten nur mal Regeln aufstellen und uns an diese halten. So schwer ist das schließlich nicht. Im Grunde muss die Anforderung gelten, dass ein Ausländer, der in Deutschland leben will, die Verfassung zu respektieren hat. Da steht aber nicht drin, dass er Deutsch zu lernen hat und kein Kopftuch tragen darf.

Re: Halb-OT: Özil feiert Erdogan...

Beitragvon Miles » Mo 23. Jul 2018, 16:02

Ballbesitz04 hat geschrieben:Im Ruhrgebiet haben 76 Prozent der türkischen Wähler für Erdogan gestimmt. Das ist ein viel größeres Problem für die deutsche Gesellschaft als Mesut Özils Nähe zu Erdogan.

76% der Walberechtigten, die abgestimmt haben. Viel mehr haben keinen türkischen Pass oder haben nicht gewählt. So gesehen ist das Problem deutlich marginale als meist dargestellt.
Scio nescio

Re: Halb-OT: Özil feiert Erdogan...

Beitragvon Resser Marker » Mo 23. Jul 2018, 16:21

Bezogen auf die Gesamtzahl der türkischstämmigen Menschen in D haben gerade mal 16% für Erdogan gestimmt. Der große Rest von 84% ist entweder nicht wahlberechtigt, hat gegen ihn gestimmt oder schlicht kein Interesse ander Wahl. Diese 16% sind natürlich immer noch zu viel, aber bei Wahlen in D gibt's ja mittlerweile auch wieder eine leider nicht mehr ganz so kleine Zahl, die den Rattenfängern auf den Leim geht.
Patriotismus ist die Tugend der Boshaften! (Oscar Wilde)

Re: Halb-OT: Özil feiert Erdogan...

Beitragvon Der Steiger » Mo 23. Jul 2018, 16:55

Wobei man es sich mMn etwas leicht macht, jeden Nicht-Wähler automatisch zu den Nicht-Erdogan-Anhängern zu zählen. Die Zustimmung für den türkischen Despoten dürfte deutlich höher ausfallen als die vorhin erwähnten 16%.
Ansonsten halte ich es weitgehend wie Altinthon, unsere offene Gesellschaft braucht feste Regeln, an die sich jeder, der hier leben möchte zu halten hat (selbstverständlich auch Menschen ohne Migrationshintergrund). Ich würde allerdings die Beherrschung der deutschen Sprache als lingua franca auch dazunehmen. Menschen, die dauerhaft hier leben, sollten auch die Sprache lernen.
Übrigens funktionieren genauso andere funtionierende Einwanderungsländer wie bspw. Kanada.
I am a supporter of the glorious FC Schalke 04 and of ANY team playing against Borussia Dortmund. ;)

Frei nach Marcus P. Cato: "Im übrigen bin ich der Meinung, dass Robert Hartmann keine Spiele mit Schalker Beteiligung pfeifen sollte!"