Knappenschmiede


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Re: Knappenschmiede

Beitragvon IM Friseur » So 8. Jul 2018, 12:43

In Großstädten differenzieren sich die Schulen doch bereits so: das Sportgymansium, die Sprachenschule, die Musik-Penne, damit werben die Schulen um Schüler für sich. Das führt dazu, dass es zumindest in Düsseldorf einen regelrechten Wettbewerb unter den Schulen um Anmeldungen gibt. Beliebte Schulen müssen dann Schüler ablehnen, die dann in den sauren Apfel beißen müssen, irgendwo hinzugehen, wohin sie gar nicht wollten. Zugegeben ein Luxusproblem.

Was die magelnde Ganztagsbetreuung angeht, habt ihr recht. Dieses unsägliche Lied kann ich inzwischen rauf und runter singen. Dank der Familienpolitik mit dem Geiste der 70er passen da eine ganze Menge Realitäten heute nicht mal im Ansatz zusammen.

Sportschulen würden das aber auch nur in homöopathischen Dosen ändern.

Was das "Abwerben" von 13-Jährigen angeht: Als finge das nicht in kleinerem Rahmen bereits in der F-Jugend an. Glaubt denn tatsächlich jemand, bei Schalke spielen in der Bambini die, die sich da aus Wohnortgründen anmelden? Das "Scouting" von Fortuna Düsseldorf, MSV Duisburg, Bayer Leverkusen oder Borussia Mönchengladbach ist auch lange nicht aufs Stadtgebiet begrenzt. Gestern erst habe ich noch langjährige Bekannte getroffen, deren Sohn 5 Jahre lang 5-mal die Woche von seinem Vater 80 km zu Training und Spiel hin- und zurückgefahren wurde, bis er es mit Schule und Freunden nicht mehr unter einen Hut gekriegt hat und in den sack gehauen hat – trotz erstem Vertrag bei BMG. Der Junge ist jetzt (!) 13. Der Sohn eines anderen Freundes aus KR wurde mit 10 von Fortuna angesprochen. Sind zwar nur 25 km, aber hey. Bei einem Turnier hatten wir E-Jugend-Gastkinder von Austria Wien. Einer kam tatsächlich aus Wien. Und der Freund meines Sohnes wurde ebenfalls in der E-Jugend erstmals von Fortuna angesprochen. Bei der 3. Anfrage ist er nun gewechselt. Für ihn easy, er knn immer noch mit dem Fahrrad zum Training ;-)

Klar, in diesem Falle ist das extrem. Aber es geht auch andersrum genauso. Wir haben mal zufällig eine Familie in Düsseldorf kennen gelernt, deren Sohn (14) von Barca gescoutet wurde. 4 Jahre war dann die ganze Familie in Barcelona, bis der Sohn keinen Profivertrag bekam. Kickt heute wieder bei der Zwoten von Fortuna oder Bayer Leverkusen. Aber der Punkt ist: das sind Sportler, die wollen das versuchen. Und wenn sie scheitern, dann haben sie es wenigstens versucht. Die Jungs, die ich kenne, sind echt alle ziemlich weit und werden nicht von ihren Eltern gedrängt. Die sind alle entspannt und sagen: Wenn er das Zeug dazu hat, unterstützen wir es, solange es geht.

Barca geht übrigens längst einen anderen Weg: die Barcelona Soccer Schools. Die gründen Jugendteams in verschiedenen Städten der Welt, lassen diese unter dem CFB-Logo antreten und holen sich dort dann die besten nach La Masia. Bei so einem Turnier wie oben beschrieben ist mein anderer Sohn auf die getroffen. Die waren kaputt vor Ehrgeiz, und zwar der Eltern! Weil die sich durch dieses weltweite Modell in Konkurrenz sahen zu chinesischen, amerikanischen oder spanischen Kindern, die sie nicht mal kannten. DAS ist pervers.