Bundesverfassungsgericht - ein paar Worte zum Thema "ACAB"


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Re: Bundesverfassungsgericht - ein paar Worte zum Thema "ACA

Beitragvon 4400 » Do 30. Jun 2016, 10:30

Ich finde dieses Gerichtsurteil gut. Obwohl – oder gerade weil - ich hinter dem Rechtsstaat stehe.

Natürlich braucht es in dem zwischenmenschlichen Zusammenleben die Institution Polizei. Natürlich gibt es brutale Arschlöcher, Mörder, Vergewaltiger und auch gewalttätige Fußballfans, vor denen die Gesellschaft geschütz werden muss.
Natürlich braucht es leider auch Armeen, um machtbesessene Psychopaten zu stoppen. Alles andere wäre Anarchie und kann zwischen den Menschen leider nicht funktionieren.

Natürlich gibt es total korrekte Polizisten, den Freund und Helfer!!!
Es gibt aber auch machtgeile, gewaltliebende und falsch handelnde Polizisten. Natürlich kann man nicht alle über einem Kamm scheren.
Allerdings kann man auch nicht die Menschen (Ultras, Hooligans, Punks, Skins, Rocker, Hippies, Faschos, Anti AKW Demonstranten, u.v.a.) die ein A.C.A.B. T-Shirt tragen etc. kriminalisieren.

Jeder Mensch ist auch in Teilen schlecht, kriminell und begeht mal eine Straftat oder eine Ordnungswidrigkeit. Jeder bescheißt mal bei der Steuer, geht über Rot, fährt Schwarz. Der eine fährt mal mit einem Promille zu viel Auto, der andere raucht ab und an mal eine Tüte, wieder ein anderer geht in den Puff zu einer rumänischen Zwangsprostituierten. Viele haben als jugendliche auch mal geklaut oder bescheißen den Käufer bei ebay. Der ohne Schuld werfe den ersten Stein.

Man kann aber nicht leugnen, dass viele Menschen die zur Polizei gehen, naturgemäß eine gewisse Charaktereigenschaft innehaben, die man benötigt diesen Job zu machen. Nämlich die Tatsache, dass wir alle auch mal Unrecht tun auszublenden und über andere zu richten, ohne „fünfe gerade sein lassen" zu können. Und das nicht mit gesellschaftlichem Weitblick, einem gewissen menschlichem Spielraum, sondern mit einer gewissen Arroganz.

Diese Charaktereigenschaft der Lust auf "Machtausübung" (die auch für Juristen /Staatsanwälte, Richter etc. aber auch für viele andere Berufsgruppen gilt) ist natürlich wie beschrieben für diese Institutionen und das zwischenmenschliche Zusammenleben total wichtig, dennoch ist mir persönlich diese Charaktereigenschaft nicht sympatisch oder gar zuwider.

Natürlich ist nicht jeder „Cop“ ein „Bastard“. Aber es gibt Sie. Und Sie machen Ihren wichtigen Job.

Andererseits ist natürlich ist nicht jeder junge Ultra der sein A.C.A.B. Banner in einem Fußballstadion aufhängt ein „Bastard“. Zwei Jahre später hat er sein Studium abgeschlossen, wird als Lehrer verbeamtet und ist Teil der Gesellschaft.

Für mich haben die Richter mit diesem Urteil Augenmaß bewiesen.
FICKT EUCH IOC, FIFA, UEFA, DFB und DFL.

Re: Bundesverfassungsgericht - ein paar Worte zum Thema "ACA

Beitragvon EddieW » Do 30. Jun 2016, 11:33

Ich verstehe das Drama um die Polizei auch nicht so recht.
Im Zeichen des Terrors, der sich ja auch auf den Fußball ausweitet, kann Polizeipräsenz nur richtig sein. Natürlich passiert es selten, aber wenn, dann sind die Vorwürfe wieder da "Wo war die Polizei?"!
Alleine schon, das die Polizisten ihre Gesundheit aufs Spiel setzen verdient Respekt.
Und wenn man "Fankrawalle Bundesliga" googelt, dann weiss man, warum die Polizei lieber mehr als weniger Leute schicken. Nicht, weil der normale Fan ein Amokläufer ist, sondern weil kleinere Gruppen für größere Krawalle sorgen können, die jedem schaden.
Geboren in Gelsenkirchen-Resse und auch noch stolz drauf!

Re: Bundesverfassungsgericht - ein paar Worte zum Thema "ACA

Beitragvon saihttaM » Do 30. Jun 2016, 16:44

BuB hat geschrieben:Wenn Du die beiden Beschlüsse des höchsten deutschen Gerichts gelesen hättest, wäre Dir aufgefallen, dass dort eine Beleidigung/Verleumdung gerade verneint wurde.

Und nein, ich beschimpfe keine Polizisten. Unter ihnen gibt es genauso wie in jeder anderer Berufsgruppe auch sowohl sehr sympathische, positiv engagierte Menschen als auch A****löcher.

Das Problem dabei ist: Der Staat hat (vollkommen zu Recht) das Gewaltmonopol und deshalb sind an Polizisten (und andere Staatsdiener, die hoheitliche Gewalt ausüben) höhere Anforderungen zu stellen als an Bäcker, Friseure oder Autohändler, denn denen kann man jederzeit aus dem Weg gehen, wenn man sich nicht gut behandelt fühlt. Macht bringt Verantwortung.

Und genau diesen ethischen Ansprüchen wird die Polizei gegenüber Fußballfans in meinen Augen zu oft nicht gerecht. Wir haben einfach andere Probleme als den Bruchteil Problemfans. Das martialische und geballte Auftreten bei gleichzeitiger Klage über die Überstunden schiesst meilenweit übers Ziel hinaus. Einen Großteil dieser Kräfte könnte man anderweitig besser einsetzen.


Den Satz mit den "anderen Problemen" möchte ich so nicht stehen lassen. Wir haben auch, neben vielen Anderen, das Problem der Problemfans. Und da vertraue ich schon auf die Erfahrungswerte der leitenden Polizeibeamten, wenn es gilt, eine Veranstal- tung mit 62.000 Menschen zu schützen. Die Polizei muss halt auch für den "Notfall" gerüstet sein und dann auch genügend Präsenz vor Ort haben, wenn es zu Eskalationen kommt.
"Das martialische und geballte Auftreten", was du bemängelst, mag sicher deinen zahlreichen internationalen Auswärtsspielen geschuldet sein.
Bei Heimspielen in unserer Arena stelle ich sehr wohl eine den Verhältnissen angepasste Anzahl Polizeibeamter fest, wobei die Hälfte des Hunderschaftspersonals
weiblichen Geschlechts ist. Diese Mädchen bei Ausschreitungen in die erste Reihe zu stellen, verbietet sich m. E. von ganz allein.
Mit CH Zukunft königsblau gestalten.

Re: Bundesverfassungsgericht - ein paar Worte zum Thema "ACA

Beitragvon BuB » Do 30. Jun 2016, 17:26

Kallermann hat geschrieben:
BuB hat geschrieben:Und genau diesen ethischen Ansprüchen wird die Polizei gegenüber Fußballfans in meinen Augen zu oft nicht gerecht. Wir haben einfach andere Probleme als den Bruchteil Problemfans. Das martialische und geballte Auftreten bei gleichzeitiger Klage über die Überstunden schiesst meilenweit übers Ziel hinaus. Einen Großteil dieser Kräfte könnte man anderweitig besser einsetzen.


Du scheinst ja von allem eine Ahnung zu haben! :oops:
Nur gut dass Du keine Einsätze rund um Fußballspiele planen und vorbereiten darfst, das überlasse einfach mal den Profis! Die verstehen ihr Handwerk und verfügen nicht über amateurhaftes Halbwissen!


Warum sofort wieder so persönlich, niveaulos und aggressiv?

Du hast nicht die geringste Ahnung, wie es um meine Kenntnisse der Einsatzplanung und des Polizei- und Ordnungsrechts bestellt ist.
Bild Lieber Staub aufwirbeln als Staub ansetzen!!!Bild

Re: Bundesverfassungsgericht - ein paar Worte zum Thema "ACA

Beitragvon BuB » Do 30. Jun 2016, 17:32

@4400: Top-Beitrag, vielen Dank!

saihttaM hat geschrieben:Den Satz mit den "anderen Problemen" möchte ich so nicht stehen lassen. Wir haben auch, neben vielen Anderen, das Problem der Problemfans. Und da vertraue ich schon auf die Erfahrungswerte der leitenden Polizeibeamten, wenn es gilt, eine Veranstal- tung mit 62.000 Menschen zu schützen. Die Polizei muss halt auch für den "Notfall" gerüstet sein und dann auch genügend Präsenz vor Ort haben, wenn es zu Eskalationen kommt.
"Das martialische und geballte Auftreten", was du bemängelst, mag sicher deinen zahlreichen internationalen Auswärtsspielen geschuldet sein.
Bei Heimspielen in unserer Arena stelle ich sehr wohl eine den Verhältnissen angepasste Anzahl Polizeibeamter fest, wobei die Hälfte des Hunderschaftspersonals
weiblichen Geschlechts ist. Diese Mädchen bei Ausschreitungen in die erste Reihe zu stellen, verbietet sich m. E. von ganz allein.


Sehe ich etwas anders

1. würde ich mir mehr Deeskalation statt Einschüchterung wünschen. Die deutsche Polizei tendiert leider gegenüber Fußballfans immer mehr Richtung Südeuropa, statt sich ein Beispiel an den englischen Bobbies zu nehmen

2. die "Mädchen" sind vollwertige Polizeibeamtinnen und auch als solche einzusetzen.
Bild Lieber Staub aufwirbeln als Staub ansetzen!!!Bild

Re: Bundesverfassungsgericht - ein paar Worte zum Thema "ACA

Beitragvon Kleini » Do 30. Jun 2016, 17:53

Ja, top geschrieben 4400!

Re: Bundesverfassungsgericht - ein paar Worte zum Thema "ACA

Beitragvon Kallermann » Do 30. Jun 2016, 18:21

BuB hat geschrieben:
Kallermann hat geschrieben:
Du scheinst ja von allem eine Ahnung zu haben! :oops:
Nur gut dass Du keine Einsätze rund um Fußballspiele planen und vorbereiten darfst, das überlasse einfach mal den Profis! Die verstehen ihr Handwerk und verfügen nicht über amateurhaftes Halbwissen!


Warum sofort wieder so persönlich, niveaulos und aggressiv?

Du hast nicht die geringste Ahnung, wie es um meine Kenntnisse der Einsatzplanung und des Polizei- und Ordnungsrechts bestellt ist.



Diese Aussage ist weder niveaulos und aggressiv!
Deine Formulierungen lassen den Schluss zu, dass Du keine Ahnung hast wo von die Zahl der Einsatzkräfte bei einem Fußballeinsatz abhängig ist, sonst würdest Du solche Aussagen nicht treffen!
Das Wissen über Polizei- und Ordnungsrecht hat doch nichts mit dem Wissen über Planung und Komplexität polizeilicher Einsätze zu tun!
Zuletzt geändert von Kallermann am Do 30. Jun 2016, 18:34, insgesamt 1-mal geändert.

Re: Bundesverfassungsgericht - ein paar Worte zum Thema "ACA

Beitragvon driverx » Do 30. Jun 2016, 18:25

Ich frage mich,warum ich in fast dreißig Jahren als Stadiongänger auswärts und zuhause noch nie Stress mit der Polizei hatte.

Vielleicht, weil ich auf bescheuerte Kürzel und Beleidigungen verzichte?

Ich frage mich, warum ich bei Verkehrsverstössen schon mehrfach weniger zahlen musste, als der Bußgeldkatalog eigentlich vorsieht und ich selbst mal besoffen auffem Fahrrad verschont wurde?

Vielleicht, weil ich einfach versuche,vernünftig mit denen zu reden, statt auf dicke Hose zu machen.Respekt und, falls angebracht, Reue sind da das Stichwort.

Auch das behauptete ständige eskalieren der Polizei kann ich nicht bestätigen.
Wohl aber, daß die Anhänger der Ultrakultur sich einen Dreck um Regeln,Verbote und irgendwelche Anweisungen der Polizei scheren.

Aber schuld sind immer die Bullen.

Dieses Urteil ist für mich nicht nachvollziehbar. Duze ich einen Polizisten, werde ich zur Kasse gebeten, aber alle pauschal als Bastarde bezeichnen, geht klar.
Auch die Parallele zum Tucholskyzitat hinkt,gehört töten bzw. in die Situation kommen, töten zu müssen, quasi zum Berufsbild des Soldaten. Argumentiere ich streng pazifistisch,ist es eine Meinungsäußerung, das Mord zu nennen.
Gehört es zum Berufsbild Polizist dazu, ein Bastard zu sein? Wohl nicht.

Und dann noch der Hinweis von Schorsch.Ersetze Polizist durch Anhänger einer Ethnie oder Religion, wäre das Urteil aber ganz anders ausgefallen, wetten?

Re: Bundesverfassungsgericht - ein paar Worte zum Thema "ACA

Beitragvon saihttaM » Do 30. Jun 2016, 18:27

BuB hat geschrieben: . . .

Sehe ich etwas anders

1. würde ich mir mehr Deeskalation statt Einschüchterung wünschen. Die deutsche Polizei tendiert leider gegenüber Fußballfans immer mehr Richtung Südeuropa, statt sich ein Beispiel an den englischen Bobbies zu nehmen

2. die "Mädchen" sind vollwertige Polizeibeamtinnen und auch als solche einzusetzen.


a) Wenn nicht deeskaliert wird, heißt es doch nicht, dass sofort eingeschüchtert wird.
Zwischen Einschüchterung und Polizeipräsenz gibt es einen sichtbaren Unterschied.

b) Wenn du der Meinung bist, dass die von mir genannten "Mädchen" vollwertige Polizeibeamtinnen sind, möchte ich dir nicht widersprechen.
Aus biologischen Gründen gehören sie bei körperlichen Auseinadersetzungen aber sicher nicht in die erste Reihe.

c) Im Übrigen deckt sich deine Meinung nicht mit meinen Feststellungen, denn mit Fußballfans hat die Polizei im Normalfall keine Probleme. Die gibt es vor allem mit dem gewaltbereiten Potential, denen es zu verdanken ist, dass so viel Polizeipräsenz beim Fußball vorhanden ist.
Mit CH Zukunft königsblau gestalten.

Re: Bundesverfassungsgericht - ein paar Worte zum Thema "ACA

Beitragvon Relic » Do 30. Jun 2016, 18:33

driverx hat geschrieben:Ich frage mich,warum ich in fast dreißig Jahren als Stadiongänger auswärts und zuhause noch nie Stress mit der Polizei hatte.

Vielleicht, weil ich auf bescheuerte Kürzel und Beleidigungen verzichte?

Ich frage mich, warum ich bei Verkehrsverstössen schon mehrfach weniger zahlen musste, als der Bußgeldkatalog eigentlich vorsieht und ich selbst mal besoffen auffem Fahrrad verschont wurde?

Vielleicht, weil ich einfach versuche,vernünftig mit denen zu reden, statt auf dicke Hose zu machen.Respekt und, falls angebracht, Reue sind da das Stichwort.

Auch das behauptete ständige eskalieren der Polizei kann ich nicht bestätigen.
Wohl aber, daß die Anhänger der Ultrakultur sich einen Dreck um Regeln,Verbote und irgendwelche Anweisungen der Polizei scheren.

Aber schuld sind immer die Bullen.

Dieses Urteil ist für mich nicht nachvollziehbar. Duze ich einen Polizisten, werde ich zur Kasse gebeten, aber alle pauschal als Bastarde bezeichnen, geht klar.
Auch die Parallele zum Tucholskyzitat hinkt,gehört töten bzw. in die Situation kommen, töten zu müssen, quasi zum Berufsbild des Soldaten. Argumentiere ich streng pazifistisch,ist es eine Meinungsäußerung, das Mord zu nennen.
Gehört es zum Berufsbild Polizist dazu, ein Bastard zu sein? Wohl nicht.

Und dann noch der Hinweis von Schorsch.Ersetze Polizist durch Anhänger einer Ethnie oder Religion, wäre das Urteil aber ganz anders ausgefallen, wetten?


@driverx: Top-Beitrag, vielen Dank :!: ;)
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Gib dem Luder ordentlich Puder! Kleiner Scherz am Rande, aber im Prinzip isses so.
Lieber `ne erregte Unbekannte als `n unbekannter Erreger.
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