Peter Neururer und seine rasende Wut auf "die Ultras"


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Re: Peter Neururer und seine rasende Wut auf "die Ultras"

Beitragvon Schorsch » Fr 16. Jun 2017, 15:50

Adlerträger schrieb:
Ist es falsch, wenn ich behaupte, dass das von Dir zitierte Gesetz, die Verwendung von Pyro in Sportstadien unter 2 Gesichtspunkten vom Gesetzgeber zulässt?

1. Es ist in der Art der Veranstaltung begründet und
2. die Brandschutzmaßnahmen sind abgestimmt und werden eingehalten


Imho ist es zwar grundsätzlich richtig, in diesem Fall aber falsch, weil wir hier(!) über Fußballspiele reden. Das Gesetz indes redet allgemein von Sportstätten. Und in da gibt es zuweilen Veranstaltungen, bei denen die Verwendung professionell durchgeführter Feuershows elementarer Bestandteil ist. Stuntshows z.B.. Auf solche Veranstaltungen bezieht sich der Absatz.

Der DFB verbietet vernünftigerweise schon deshalb noch einmal grundsätzlich , um nicht jeden, von Fans vor Ort "greifbaren" Vereinsvorsitzenden in Entscheidungskonflikte zu bringen, der von den Fangruppen für lokale Verbote verantwortlich gemacht würde. Und anschließend den Kopf hinhalten muss, wenn etwas passiert.

Ordnungsämter haben schon vieles erlaubt, was sie gar nicht gedurft hätten. Und i.d.R. Glück gehabt, weil erfreulicherweise nicht so oft etwas passiert Ich erinnere aber an die Loveparade. Erst wollte jeder, dass sie stattfindet, und dann war Sauerland der große Buhmann. Wer nach dieser Geschichte als Verantwortlicher noch Pyro bei Massenansammlungen genehmigt, muss schon einen gehörigen Hang zum Wahnsinn in sich tragen.

Und noch etwas: Das Gesetz ist nur deshalb so lax, weil der DFB es für seine Veranstaltungen noch einmal deutlich verbietet. Würde er dieses Verbot aufweichen, käme in Windeseile ein verschärftes Gesetz. Weil man dann nämlich auch die Stimmen wahrnimmt, die momentan schweigen. Die der Pyrogegner. Die gefühlt in deutlicher Überzahl sind.
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Re: Peter Neururer und seine rasende Wut auf "die Ultras"

Beitragvon RalfMayer » Fr 16. Jun 2017, 16:24

Begeisterung hin oder her, aber ich finde es einfach nur erbärmlich sich wegen Fußball derart kaputt zu schlagen! Emotionale Fans sind ja auch völlig in Ordnung, gibt zwar noch viel wichtigere Dinge im Leben, außer Fußball aber das ist ein anderes Thema.
Wieso bleiben die ganzen Hooligans nicht einfach auf der verbalen Ebene?
Ich glaube es sollte einen internationalen Vorstand der Hooligans geben oder so etwas ähnliches, wo ein allgemein gültiger Ehrenkodex aufgestellt wird, wird dieser gebrochen, ist man raus aus der Szene.

Re: Peter Neururer und seine rasende Wut auf "die Ultras"

Beitragvon Kreisklasse » Fr 16. Jun 2017, 17:10

Ich bin ja nur ein Nebenfach-Psychologe. Aber mir scheint, dass die ganze Diskussion um die Legalisierung von Pyrotechnik in die Irre führt. Es geht hier nicht um Fußballkultur. Es geht im Kern um die Lust an der Grenzüberschreitung. Es geht um die wahnsinnig mutigen Kerle, die sich der Ordnungsmacht entschlossen entgegenstellen (natürlich im Schutz der Anonymität der Masse). Legale Pyrotechnik (soweit sie in modernen Arenen überhaupt möglich wäre) würde illegale nicht verhindern. Beide würden nebeneinander existieren.

Die Fußballkultur hat sich in Deutschland seit den 20er bis in die 90er Jahre völlig ohne Pyro entwickelt. Dann haben ein paar Kids das im Süden aufgeschnappt und fanden es geil. Die Betonung liegt und lag bei "ein paar".

Und sorry, es ist doch lächerlich, dass aus der Tatsache, dass Pyrotechnik massenhaft aufgenommen wird, zu schließen, dass die Leute sie befürworten. Das ist dummerweise der gleiche Mechanismus, der empathielose Gestalten dazu bringt, Unfallopfer aufzunehmen.
Durch leidenschaftlichen, ehrlichen und erlebnisreichen Fußball
vermitteln wir Freude, Faszination und Begeisterung.

Re: Peter Neururer und seine rasende Wut auf "die Ultras"

Beitragvon ChristianNeumann » Sa 17. Jun 2017, 19:28

heisse Diskussion!

Re: Peter Neururer und seine rasende Wut auf "die Ultras"

Beitragvon Jack_1906 » Mo 19. Jun 2017, 08:54

Kreisklasse hat geschrieben:Legale Pyrotechnik (soweit sie in modernen Arenen überhaupt möglich wäre) würde illegale nicht verhindern. Beide würden nebeneinander existieren.

Nur mal so als Gedanke: wenn es auch nur eine Ultraszene in Deutschland gäbe, die bei einer unter gewissen Regelungen möglichen Legalisierung von Pyrotechnik das illegale Abbrennen einstellen würde, hätte man zumindest ein Stadion, in der die Gefährdung der anderen Stadionbesucher durch Feuer und Rauch sowie die deswegen notwendigen Polizeieinsätze bei Null läge. Ich persönlich finde das alleine bereits erstrebenswert!

Wenn nun Pyro legalisiert würde aber entweder die Vereine vor Ort oder die Ordnungsbehörden das nicht (oder aus Sicht der Fans nicht oft genug) erlauben wollen und die Ultras trotzdem zündeln, dann versucht man eben, auf Videobildern die Verantwortlichen ausfindig zu machen, verteilt Stadionverbote, kann auch ganze Gruppen aussperren oder anderweitig sanktionieren und der DFB kann (wenn er denn will) weiterhin dafür seine Strafen kassieren. Illegales Pyro könnte 1:1 genau so weiter behandelt werden wie heute auch.

Wir haben also mit einer Freigabe von Pyro die Chance, dass sich vielleicht in einem Stadion, vielleicht in mehreren die Situation beruhigt und entspannt. Gleichzeitig ändet sich am illegalen Pyro gar nichts, wir verlieren also nichts von der heutigen Situation!

Welchen Grund gibt es also weiterhin für den DFB, sich gegen entsprechende Gespräche zu wehren und selbst offiziell zwischen Fans, Verein und Polizei/Ordnungsamt/Feuerwehr abgesprochene Pyroshows (Erfurt!) zu sanktionieren?
Sicherheitsbedenken können es nicht sein, denn wie beschrieben böte eine Öffnung in Richtung Pyro lediglich Vorteile im Bereich Sicherheit!
Es können nur politische Gründe sein, die dagegen sprechen... :!:


PS: es geht nicht um unkontrollierte Freigabe von Pyro! Selbst die entsprechenden Lobbygruppen der Ultras waren sich im klaren, dass es nur mit Regeln und Gemeinsam mit Vereinen und Ordnungsbehörden geht! Rein gesetzlich hat da so oder so das jeweilige Ordnungsamt oder ähnliche Institutionen (kann in manchen Bundesländern abweichen) das letzte Wort.
❤ ⚽

Re: Peter Neururer und seine rasende Wut auf "die Ultras"

Beitragvon Schorsch » Mo 19. Jun 2017, 11:33

Welchen Grund gibt es also weiterhin für den DFB, sich gegen entsprechende Gespräche zu wehren und selbst offiziell zwischen Fans, Verein und Polizei/Ordnungsamt/Feuerwehr abgesprochene Pyroshows (Erfurt!) zu sanktionieren?


Erfurt ist ein sehr spezieller Fall. Dort hat man mit Tricks versucht den DFB zu übergehen. Der das Verhalten konsequenterweise sanktionieren musste. Niemand, der auch in Zukunft ernst genommen werden will, darf sich vor den Augen der Öffentlichkeit für dumm verkaufen lassen.

Der Hauptgrund, sich gegen Gespräche zu wehren, wird der gleiche sein, aus dem Sicherheitshinweise für Produkte des täglichen Gebrauchs heute um ein vielfaches länger sind als vor 30 Jahren. Haftung. "Ihr Kind läuft Gefahr sich in der Gardinenschlinge zu erhängen, wenn es mit mehr als 10 Stundenkilometern im Wohnzimmer seinen Namen tanzt." Jeder von uns hat sich schon über ähnlich absurd klingende Sicherheitshinweise amüsiert. Und doch haben sie ihren Grund. Die Hersteller können nicht anders.

Der DFB kann Pyro nicht legalisieren. Er kann nur das durch ihn selbst ausgesprochene Verbot aufheben, was Pyros in Stadien noch lange nicht legal macht. Selbst dann nicht, wenn risikobereite Behördenmitarbeiter leichtsinnigerweise Genehmigungen erteilen, deren Legalität im Falle eines Unfalls zumindest stark umstritten sein wird.

Der DFB haftet durch eine Aufhebung möglicherweise noch nicht zwingend de jure, mit hoher Wahrscheinlichkeit aber sehr wohl de facto. Und würde, das ist natürlich nur eine persönliche Einschätzung, deshalb noch am gleichen Tag freundliche Abschiedsbriefe von seinen Haftpflichtversicherern erhalten. Und die wiederum von ihren Rückversicherern. Das Gleiche passiert allen Vereinen, die sich dem DFB in diesem Leichtsinn anschließen würden. Denn auch sie müssten das Verbot aus ihren Stadionordnungen entfernen. Die Haftungsfrage ist zudem doppelt brisant, weil es in Zeiten eines internationalisierten Fußballs keineswegs sicher ist, dass in Zukunft immer nur deutsches Haftungsrecht zur Anwendung kommen muss.

Gesetzgeber, Innenminister, Polizei- und Feuerwehrchefs sowie Bürgermeister würden im Fall der Fälle wohl ebenfalls aktiv, um nicht irgendwann in die Verantwortung genommen zu werden. Nicht zuletzt auf Druck der unzähligen Pyrogegner. Es tritt eine Kettenreaktion ein, die jetzt noch niemand diskutiert. Eben weil es aktuell "doppelt verboten" ist. Und keine exponierte Persönlichkeit sich unnötig unbeliebt macht, indem sie diese Dinge anspricht.

"Ultras", die als Gruppe überregional nicht einmal klar definiert oder organisiert sind, wollen legale Pyro im Rahmen "normaler" Fußballspiele. Und das geht, lassen wir das Sprengstoffgesetz mal außen vor, nach § 35 Versammlungsstättenverordnung eben nicht. Ziemlich eindeutig. Ausnahmegenehmigungen kommen eben nur dann zustande, wenn ein weiteres Ereignis zum Spiel hinzu kommt. Wie in Erfurt damals. Saisonabschluss. Meisterfeier. Neues Stadion. Letztes Spiel im alten Stadion. Etc pp. Dann gilt die Genehmigung nicht für das Spiel, sondern für den Sonderteil dieser Veranstaltung. Dieser Umstand scheint aber chronisch übersehen zu werden.
"Queen ruft Notfall-Meeting ein - Heiratet Prinz Harry?" (Focus online)