Warum ist Gewalt (von links) nicht gleich Gewalt?


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Warum ist Gewalt (von links) nicht gleich Gewalt?

Beitragvon ErwinK » Sa 14. Mai 2016, 11:19

Im Focus hat ein Kommentator mal endlich angesprochen, was mich schon lange stört in unserer gesellschaftlichen Kultur. Linke Gewalt wird regelmäßig verharmlost und die Opfer linker Gewalt (nicht selten Polizisten) erfahren höchst selten auch nur einen Bruchteil des Mitgefühls, das Opfern z.B. rechter Gewalt zuteil wird. Warum ist das so?
http://www.focus.de/politik/deutschland/kisslers-konter/kisslers-konter-linke-gewalt-straftaten-gegen-polizisten-werden-fuer-eine-ideologie-verherrlicht_id_5527047.html
Warum werden linke Gewalttäter verharmlosend Autonome, Antifaschisten oder Aktivisten genannt? Der Kommentator fragt zurecht, wie es sein kann, dass bei der letzten Mai-Demo (besser Mai-Krawallnacht) in Berlin 59 Polizisten verletzt wurden und dann von "überwiegend positiver Bilanz" gesprochen wird? Was wäre los, wenn bei einer rechten Demo ähnliche Personen- und Sachschäden verursacht würden? Wir hätten Sondersendungen, Solidaritätsbekundungen aus den üblichen Betroffenheitslagern und unser Justizminister würde bereits an einer Gesetzesverschärfung basteln. So aber wird das kaum irgendwo wahrgenommen.
Dient ein linker Gewalttäter einer "guten Sache" und ist deshalb besser als ein sonstiger Gewalttäter? Was für ein Bild hat ein beachtlicher Teil unserer Gesellschaft eigentlich von der Polizei, wenn man Gewalt gegen Polizisten (und weiß Gott nicht nur von links) weitgehend hinnimmt? Kommt ein Flüchtling in unserem Land zu schaden, dann ist bei vielen spontan die Bereitschaft vorhanden, auf die Strasse zu gehen. Hätten Polizisten nicht auch deutlich mehr Rückhalt in unserer Gesellschaft verdient?
Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht. Papst Gregor I.

Re: Warum ist Gewalt (von links) nicht gleich Gewalt?

Beitragvon Lily the Pink » Sa 14. Mai 2016, 11:50

Hoffentlich keine (erneute?) Aufforderung zur Ablegung eines Glaubensbekenntnisses. ;) Dieses Mal zur Ächtung von Gewalt. Dieses liegt schließlich bereits zur Genüge vor einschließlich der Hinweise auf das gängige Ignorieren oder gar Akzeptieren einer strukturellen Gewalt. All dies ist v.a. nachzulesen in den von Steinadler beherrschten Strängen unter dem standortneutralen ;-) Stichwort "linke Totschläger". Was mich stört, ist jedoch die stetige (!) thematische neutralisierende, relativierende Verschiebung bei der Diskussion z.B. rechter Schand- und Mordtaten auf die "Gegenseite", ein Verfahren, das ja unter der inzwischen beinahe hier schon eingespurten Vokabel "whataboutism" zu fassen ist. Im Übrigen gilt die metaphorische Übernahme des biologischen Befundes: Dem rechts Erblindeten erschließt sich eher das linke Blickfeld et vice versa mit divergierend langen Blutspuren. Eine Binse.

Re: Warum ist Gewalt (von links) nicht gleich Gewalt?

Beitragvon ErwinK » Sa 14. Mai 2016, 12:04

Lily the Pink hat geschrieben:Hoffentlich keine (erneute?) Aufforderung zur Ablegung eines Glaubensbekenntnisses. ;) Dieses Mal zur Ächtung von Gewalt. Dieses liegt schließlich bereits zur Genüge vor einschließlich der Hinweise auf das gängige Ignorieren oder gar Akzeptieren einer strukturellen Gewalt. All dies ist v.a. nachzulesen in den von Steinadler beherrschten Strängen unter dem standortneutralen ;-) Stichwort "linke Totschläger". Was mich stört, ist jedoch die stetige (!) thematische neutralisierende, relativierende Verschiebung bei der Diskussion z.B. rechter Schand- und Mordtaten auf die "Gegenseite", ein Verfahren, das ja unter der inzwischen beinahe hier schon eingespurten Vokabel "whataboutism" zu fassen ist. Im Übrigen gilt die metaphorische Übernahme des biologischen Befundes: Dem rechts Erblindeten erschließt sich eher das linke Gesichtsfeld et vice versa. Eine Binse.

Diesen Satz kann man aber auch einfach umkehren und plötzlich ist es der links Erblindete, der nur noch das rechte Gesichtsfeld zur Verfügung hat.
Mein Schwerpunkt ist die anscheinend immer größere Akzeptanz von Gewalt gegen die Polizei und allgemein sogar gegen Hilfskräfte aller Art. Diese Gewalt wir nun mal eher von Links und von Menschen mit Migrationshintergrund ausgeübt. Warum aber steht die "Arsch huh, Zäng ussenander!"-Fraktion bei dieser Art von Gewalt nicht genauso auf und erhebt ihre Stimme? Gibt es Opfer von Gewalt, für die es sich nicht lohnt, seine Zähne auseinander zu kriegen?
Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht. Papst Gregor I.

Re: Warum ist Gewalt (von links) nicht gleich Gewalt?

Beitragvon Lily the Pink » Sa 14. Mai 2016, 12:19

ErwinK hat geschrieben:
Lily the Pink hat geschrieben:Hoffentlich keine (erneute?) Aufforderung zur Ablegung eines Glaubensbekenntnisses. ;) Dieses Mal zur Ächtung von Gewalt. Dieses liegt schließlich bereits zur Genüge vor einschließlich der Hinweise auf das gängige Ignorieren oder gar Akzeptieren einer strukturellen Gewalt. All dies ist v.a. nachzulesen in den von Steinadler beherrschten Strängen unter dem standortneutralen ;-) Stichwort "linke Totschläger". Was mich stört, ist jedoch die stetige (!) thematische neutralisierende, relativierende Verschiebung bei der Diskussion z.B. rechter Schand- und Mordtaten auf die "Gegenseite", ein Verfahren, das ja unter der inzwischen beinahe hier schon eingespurten Vokabel "whataboutism" zu fassen ist. Im Übrigen gilt die metaphorische Übernahme des biologischen Befundes: Dem rechts Erblindeten erschließt sich eher das linke Gesichtsfeld et vice versa. Eine Binse.

Diesen Satz kann man aber auch einfach umkehren und plötzlich ist es der links Erblindete, der nur noch das rechte Gesichtsfeld zur Verfügung hat.
?


Schrieb ich ja: "( ...) et vice versa mit divergierend langen Blutspuren"

Mein Schwerpunkt ist die anscheinend immer größere Akzeptanz von Gewalt . Diese Gewalt wir nun mal eher von Links und von Menschen mit Migrationshintergrund ausgeübt. Warum aber steht die "Arsch huh, Zäng ussenander!"-Fraktion bei dieser Art von Gewalt nicht genauso auf und erhebt ihre Stimme? Gibt es Opfer von Gewalt, für die es sich nicht lohnt, seine Zähne auseinander zu kriegen?


Erstens stelle ich deinen Befund "anscheinend immer größere Akzeptanz von Gewalt gegen die Polizei und allgemein sogar gegen Hilfskräfte aller Art" in Frage. Okay, du schriebst ja selbst "anscheinend". Hat also was mit der Perpektive dieses "Scheins" zu tun. Zweitens ist es imho wohlfeil, sorry, die Selbstverständlichkeit abzufordern, Empathie mit Opfern zu zeigen und sich gegen Schandtaten aufzulehnen. Wie gesacht: alles bereits nachlesbar.

Re: Warum ist Gewalt (von links) nicht gleich Gewalt?

Beitragvon ErwinK » Sa 14. Mai 2016, 14:10

Wenn es selbstverständlich ist, Empathie mit Opfern zu zeigen, warum ist das dann bei Gewalt so unterschiedlich wahrnehmbar? Bitte zeige mir, wo die Betroffenheitsmaschinerie auch bei Gewalt gegen die Polizei und gegen Hilfskräfte angeworfen wurde. Wo waren die Solidaritätsbekundungen für die Polizei nach den letzten Maikrawallen? Müsste sich unsere Gesellschaft nicht gerade auch für die stark machen, die uns schützen und die helfen?
Wenn sowas so selbstverständlich ist, dass Du es für überflüssig hältst, das zu erwähnen, warum wird Gewalt gegen andere gesellschaftliche Gruppen regelmäßig thematisiert, obwohl die Empörung und Empathie mit den Opfern auch da selbstverständlich sein sollte?
Was Deine Wahrnehmung angeht, dass sich Gewalt gegen die Polizei und gegen Hilfskräfte kein wirkliches Thema ist, dann empfehle ich Dir, mal nach dem Thema zu googeln. Auch regelmäßige Statements der Polizei und von Hilfskräften sprechen eine andere Sprache.
Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht. Papst Gregor I.

Re: Warum ist Gewalt (von links) nicht gleich Gewalt?

Beitragvon Lily the Pink » Sa 14. Mai 2016, 15:40

ErwinK hat geschrieben:
Wenn es selbstverständlich ist, Empathie mit Opfern zu zeigen, warum ist das dann bei Gewalt so unterschiedlich wahrnehmbar?


Den Zusammenhang sehe ich nicht. Die unterschiedliche Wahrnehmung ergibt sich aus unterschiedlichen Perspektiven. Eigentlich ein alter Hut hier. ;-) Und das Zeigen und Wahrnehmen von Empathie kennt auch noch andere Kanäle als Foren. BTW: Es gibt weder ein Muss, seine Empathie zu zeigen, noch die Regel, dass sie sich entäußert.

Bitte zeige mir, wo die Betroffenheitsmaschinerie auch bei Gewalt gegen die Polizei und gegen Hilfskräfte angeworfen wurde.
Wo waren die Solidaritätsbekundungen für die Polizei nach den letzten Maikrawallen? Müsste sich unsere Gesellschaft nicht gerade auch für die stark machen, die uns schützen und die helfen?

Nun von einer "Betroffenheitsmaschinerie" möchte ich nicht sprechen. Oder soll dieses Wort die GsD aus diesem Forum seit langem verschwundenen unsäglichen Vokabeln "Berufsempörer" und "Berufsbetroffene" ersetzen? Und Betroffenheit entsteht i.a.R. spontan und kann nicht (z.B. von oben von irgendwelchen Instanzen in demokratisch verfassten Gesellschaften) angeordnet werden.

Wenn sowas so selbstverständlich ist, dass Du es für überflüssig hältst, das zu erwähnen, warum wird Gewalt gegen andere gesellschaftliche Gruppen regelmäßig thematisiert, obwohl die Empörung und Empathie mit den Opfern auch da selbstverständlich sein sollte?


Ich habe nicht geschrieben, dass Gewalt nicht thematisiert werden sollte, sondern vielmehr, dass ich es aufgrund meiner internalisierten Werte für selbstverständlich halte, Empathie für Opfer jedweder Art zu zeigen. Das Gefühl ist nicht inszenierbar. Jedoch ist jede menschliche Seele bei weitem überfordert, ihren Radar rund um die Uhr auf alle gesellschaftlichen Un- und Schandtaten und ihre Opfer auszurichten, um sich so zu einer "Empörungs- oder Betroffenheitsmaschine" ;-) auszubilden. Im Übrigen wüsste ich nicht, dass irgendwelche Gewalttaten, auch die gegen Polizisten und Hilfskräfte, nicht regelmäßig thematisiert würden. Ansonsten könnteste dieses Thema hier nicht aufs Tapet bringen.

Was Deine Wahrnehmung angeht, dass sich Gewalt gegen die Polizei und gegen Hilfskräfte kein wirkliches Thema ist, dann empfehle ich Dir, mal nach dem Thema zu googeln. Auch regelmäßige Statements der Polizei und von Hilfskräften sprechen eine andere Sprache.


Das liest du tatsächlich aus meinen Zeilen heraus? Da bin ich doch fürbass erstaunt. Ich schrieb das jedenfalls nicht und lese es auch nicht im Nachhinein. Ich stellte vielmehr "die immer größere Akzeptanz von Gewalt gegen die Polizei und allgemein sogar gegen Hilfskräfte aller Art" in Frage. Kein kleiner Unterschied. :-)

Re: Warum ist Gewalt (von links) nicht gleich Gewalt?

Beitragvon MaximusGeminus » So 15. Mai 2016, 19:59

Ich denke Ulla Jelpke wird die Ausgangsfrage sicher beantworten können...
Jackrabbit Slim's Twist Contest

Re: Warum ist Gewalt (von links) nicht gleich Gewalt?

Beitragvon Ruhrpottpreusse » Mo 16. Mai 2016, 00:19

Eine gute Zusammenfassung des linken “Wutjournalismuses“ mit einigen Links zu meinen Lueblingsartikeln der letzten Monate:

http://www.nzz.ch/feuilleton/medien/jou ... n-ld.82631

Einem Teil der deutschen Medien ist wohl nicht n sehr zu helfen.

Re: Warum ist Gewalt (von links) nicht gleich Gewalt?

Beitragvon Lily the Pink » Mo 16. Mai 2016, 08:53

Zur Einschätzung einer Autor- und Textintention ist es bekanntlich gemäß der Einsicht in den Zusammenhang von "Erkenntnis und Interesse" nie schädlich, nein: erforderlich und angeraten, einen genaueren Blick auf den Autor zu werfen. Gurgelt man nach "Heribert Seifert", erhält man als eine der ersten Zeilen: "Wer den Namen Heribert Seifert bei Google eingibt, findet ihn überall da, wo es gegen die Freiheit und für rechtes Gedankengut geht" und den Hinweis, dass er ein Autor der Publikation "eigentümlich frei" ist, die sich in ihrer Eigendarstellung zwar als "individualistisch, kapitalistisch und libertär" ( :shock: sic!) gibt, einen "schrillen Ton" (Seifert) (vulgo: ein Wutsprech) ("libertär?" :shock: ) pflegt und gemäß dem von Carl Schmitt übernommenen Verständnis des Politischen als einer Freund-Feind-Unterscheidung nicht sehr überraschend in ihrer "Botschaft überschaubar" (Seifert) sei, von der Politologie jedoch der "Neuen Rechten" zugeordnet wird. Nun ja, dass Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen, ist ja nun weiß Gott kein rares gesellschaftliches Phänomen. Wenn aber ein Apologet der rechten "schrillen Töne" (d.h. der Wutrede) und der "überschaubaren Botschaft" (d.h. des Freund-Feind- bzw. Schwarz-Weiß-Denkens) ("libertär"? :shock:) sich nicht entblödet, gerade seine Aufmerksamkeit selektiv auf Ausprägungen eines der eigenen Position zugemessenen Duktus auf der "journalistischen Feindseite", einfallslos als "Wutjournalismus" apostrophiert, richtet, wird's grotesk und peinlich. Ob er wohl diesen Widerspruch bemerkt und die Metapher vom "Wolf im Schafspelz" kennt und auf sich anwenden kann? ;)
Edith klugscheißert: Nomen mit der Endung "-mus" werden im Genitiv nicht gebeugt. Also: des "Wutjournalismus". scnr.

Re: Warum ist Gewalt (von links) nicht gleich Gewalt?

Beitragvon Der Olaf » Mo 16. Mai 2016, 09:42

Lily the Pink hat geschrieben:Zur Einschätzung einer Autor- und Textintention ist es bekanntlich gemäß der Einsicht in den Zusammenhang von "Erkenntnis und Interesse" nie schädlich, nein: erforderlich und angeraten, einen genaueren Blick auf den Autor zu werfen. Gurgelt man nach "Heribert Seifert", erhält man als eine der ersten Zeilen: "Wer den Namen Heribert Seifert bei Google eingibt, findet ihn überall da, wo es gegen die Freiheit und für rechtes Gedankengut geht" und den Hinweis, dass er ein Autor der Publikation "eigentümlich frei" ist, die sich in ihrer Eigendarstellung zwar als "individualistisch, kapitalistisch und libertär" ( :shock: sic!) gibt, einen "schrillen Ton" (Seifert) (vulgo: ein Wutsprech) ("libertär?" :shock: ) pflegt und gemäß dem von Carl Schmitt übernommenen Verständnis des Politischen als einer Freund-Feind-Unterscheidung nicht sehr überraschend in ihrer "Botschaft überschaubar" (Seifert) sei, von der Politologie jedoch der "Neuen Rechten" zugeordnet wird. Nun ja, dass Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen, ist ja nun weiß Gott kein rares gesellschaftliches Phänomen. Wenn aber ein Apologet der rechten "schrillen Töne" (d.h. der Wutrede) und der "überschaubaren Botschaft" (d.h. des Freund-Feind- bzw. Schwarz-Weiß-Denkens) ("libertär"? :shock:) sich nicht entblödet, gerade seine Aufmerksamkeit selektiv auf Ausprägungen eines der eigenen Position zugemessenen Duktus auf der "journalistischen Feindseite", einfallslos als "Wutjournalismus" apostrophiert, richtet, wird's grotesk und peinlich. Ob er wohl diesen Widerspruch bemerkt und die Metapher vom "Wolf im Schafspelz" kennt und auf sich anwenden kann? ;)
Edith klugscheißert: Nomen mit der Endung "-mus" werden im Genitiv nicht gebeugt. Also: des "Wutjournalismus". scnr.


Ich machet mal kurz.
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