Die Qualität der Bundesliga


Moderatoren: Erwin u Helmut, EddieW

Die Qualität der Bundesliga

Beitragvon altinthon » Fr 6. Apr 2018, 10:59

Die WAZ bringt heute folgenden interessanten Artikel zur Spielweise in der Bundesliga und diese im internationalen Vergleich gebracht. Der Artikel bringt das auf den Punkt, was viele hier ja auch sehen, im übrigen inklusive unseres glorreichen S04. Aber lest selbst:

https://www.derwesten.de/sport/fussball ... 32755.html

Re: Die Qualität der Bundesliga

Beitragvon Der Jörch B. » Fr 6. Apr 2018, 11:56

Und dennoch bringt diese "unattraktive Spielweise" Punkte in der UEFA-5-Jahres Wertung:

https://www.onefootball.com/de/news/bun ... 2137281646
"Wollen alle stolz sein auf Schalke."

Christian Heidel

Re: Die Qualität der Bundesliga

Beitragvon Der Jörch B. » Fr 6. Apr 2018, 11:59

Und um das Ausgangsthema nochmal zu ergänzen:
Das ist derzeit alles eine Momentaufnahme und mag von den Fakten her stimmen. Das kann in ein oder zwei Jahren aber alles schon wieder ganz anders aussehen.
Als sich die Bazen und der BxB im CL Finale in Wembley gegenüberstanden hat ganz Europa neidisch auf dieses Deutsch/Deutsche Finale geblickt.
"Wollen alle stolz sein auf Schalke."

Christian Heidel

Re: Die Qualität der Bundesliga

Beitragvon IM Friseur » Fr 6. Apr 2018, 12:09

Dennoch ist im Kern etwas dran. Natürlich ist dieses jahr qualitätsmäßig ein Ausreißer nach unten. Grundsätzlich fällt aber seit Jahren auf, dass deutsche Neulinge auf europäischer Ebene nicht die Ergebnisse bringen, die man von ihnen erwarten müsste.

Die Gruppenphase der Europa League sollte überstehbar sein, alleine aufgrund der Qualität der Spieler. Die reaktive Spielweise, die allerdings viele Bundesligisten bevorzugen, ist kein Mittel, wenn man ebenfalls auf eine Mannschaft trifft, die ihr Heil darin sucht, die Spielkontrolle dem Gegner zu überlassen. Diese Erfahrung haben wir zB häufig unter Slomka gemacht. Die miesesten Spiele waren die, in denen man uns den Ball gegeben hat. Dafür haben wir aber gegen Barça ganz passabel ausgesehen oder mal Bayern geschlagen.

Guardiola hat schon vor 4 Jahren von Deutschland als Konterland gesprochen. In Spanien aber fällt auf, wie viele Teams tatsächlich agieren wollen. In England rümpft man die Nase über ManUs Spielweise unter Mourinho.

Und sogar Scholl muss man ein klein wenig Recht geben , wenn er sagt, dass die Jugendspieler drei Taktiken rückwärts furzen können, ihnen aber die Kreativität und der Spielwitz ausgetrieben werden. Das ist sicher übersteigert, aber im Grunde nicht ganz falsch.

Was Tedesco betrifft, erhoffe ich mir von ihm nächstes Jahr einen klareren Plan, was unser aktives Spiel angeht. Eine Idee, die unsere eigenen Handschrift trägt und weniger vom Gegner abhängig ist.

Denn nur dann werden wir in der CL auch bestehen können. Ein Ausscheiden nach der Gruppenphase wie es Leipzig und den Nachbarn passiert ist, würde ich als Enttäuschung empfinden. Unser Anspruch als einer der Top-20-Clubs in Europa muss ein anderer sein.

Re: Die Qualität der Bundesliga

Beitragvon Der Jörch B. » Fr 6. Apr 2018, 12:17

Aber selbst Guardiola musste sich in seinem letzten Jahr bei der Bayern der Kritik stellen mit viel Ballbesitz wenig Ertrag rauszuholen und in der CL gescheitert zu sein. Von seiner Attraktivität her hatte der FCB unter Henynckes seine attraktivste Spielweise, ebenso wie der BxB unter Klopp. Leipzig wird auch für seinen Tempostil gelobt, hat Ihnen international aber viel Kritik gebracht, weil es dort nicht so erfolgreich durchgezogen werden konnte.
"Wollen alle stolz sein auf Schalke."

Christian Heidel

Re: Die Qualität der Bundesliga

Beitragvon IM Friseur » Fr 6. Apr 2018, 12:59

Guardiola wurde einzig am CL-Sieg gemessen. Das war nach dem Triple auch ein Stück weit ungerecht. Klopp hat eine eindeutige Handschrift, man tut ihm aber Unrecht wenn man ihn aufs Umschaltspiel reduziert. Liverpool ist eine Pressingmaschine, die dann aber auch extrem viel offensive Qualität entfesseln kann. So war es auch bei den Nachbarn unter ihm. Und Probleme, ein Spiel zu gestalten, hatten sie auch zunehmend weniger.

Leipzig war auf dem Weg dorthin, und ist es jetzt vielleicht wieder. Und Bayern unter Heynckes, tja, die leben tatsächlich von ihrer individuellen Klasse und Spielfreude. Hätte eigentlich unter Ancelotti so auch klappen müssen. Manchmal ist es verrückt. Was die Bayern aber immer noch tun, ist agieren. Und was dann im HF der CL passiert, muss man abwarten. Auf diesem Niveau wird dann vieles auch im Kopf entschieden und hängt von der Tagesform und dem Matchglück ab.

Macht der Ronaldo nicht dieses Wundertor, kann Juve mit einer Aktion alles wieder offen gestalten. Knapp dran waren sie ja, als Navas auch noch mal einen Weltklassereflex ausgepackt hat. Der Unterschied zwischen Real und Juve betrug auf 90 Minuten gesehen keine 3 Tore.

Aber in den Runden zuvor muss man von deutschen Mannschaften mehr Aktion erwarten dürfen. Mal sehen, wie es nächstes Jahr wird, wenn Leipzig die 2. Europapokalsaison spielt, wir wieder dabei sind, die Nachbarn eventuell einen Trainer haben, Leverkusen sich eventuell berappelt. Von Frankfurt und möglicherweise Hoffenheim erwarte ich mich auch dann noch nichts, da beides Mannschaften sind, die mit Ball relativ wenig anfangen können.

Re: Die Qualität der Bundesliga

Beitragvon Konrad » Fr 6. Apr 2018, 13:07

Ich finde diesen Artikel ziemlich nichtssagend und überdies schlampig geschrieben. Das fängt mal an mit dem Umgang des Autors mit Statistik:
Nur sechs der 18 deutschen Erstliga-Teams haben mehr als 50 Prozent Ballbesitz.

Nun, das liegt zuerst einmal in der Natur der Sache. Von zwei Mannschaften kann in einem Spiel nur eine einen Ballbesitz über 50% haben. Von 18 Mannschaften kann man dann etwa 9 erwarten. Wenn es aber einige wenige Mannschaften mit sehr hohem Ballbesitzanteil gibt (bei uns v.a. Bayern mit 63 und Dortmund mit 58%), steigt eben die Zahl der Teams, die im Schnitt nicht ganz auf 50% kommen. Und ob Ballbesitz direkt proportional mit Qualität oder Attraktivität zu tun hat, wäre ja erst noch zu diskutieren.

Dann aber wird's erst ganz grausig:
Ob England oder Spanien, Italien oder Frankreich: In jeder der vier Top-Ligen können mehr Mannschaften einen größeren Gestaltungswillen für sich beanspruchen.

Was hier so schwammig als "größerer Gestaltungswille" bezeichnet wird, zielt ja wohl auf den Ballbesitz, oder? "Mehr Mannschaften"? Klar, denn alle drei genannten Ligen haben nicht 18, sondern 20 Mannschaften! Und wie sieht es da nun aus?
- in England: 7 von 20 Mannschaften mit über 50% Ballbesitz,
- in Spanien: 9 von 20 Mannschaften mit über 50% Ballbesitz, aber vor allem, weil es mit Getafe und Alavés zwei Mannschaften mit unter 40% gibt, während in der Bundesliga 45% der niedrigste Wert ist,
- in Italien: 9 von 20 Mannschaften mit über 50% Ballbesitz, aber auch hier 4 Teams, die noch weniger Ballbesitz haben als der letzte dieser Statistik in der Bundesliga (Freiburg mit 45%).

Also, pardon, diese Statistik ist für die Katz, und die Interpretation unseriös. Und der schwächste Zweite oder Dritte aller Zeiten (oder wie auch immer) sagt natürlich nichts über die Stärke der Liga aus, noch nicht einmal über die Stärke dieser Mannschaften, sondern eher über die Struktur der Liga. Der Zweite oder Dritte hat eben weniger Punkte, wenn a) der Erste sehr weit voran ist und b) eine große Ausgeglichenheit in der Liga herrscht. Beides ist in der Bundesliga der Fall. Und gerade diese Ausgeglichenheit ist insgesamt einer der großen Vorzüge der Bundesliga. Ja, Dortmund, Leipzig oder Hoffenheim sind in dieser Saison weniger stark als in der letzten, aber es gibt hier eben immer wieder Mannschaften wie in dieser Saison Frankfurt, Leverkusen oder auch uns, die für eine große Dichte im Spitzenfeld sorgen. Das ist erstmal nix Schlechtes.

Das schwache Abschneiden der deutschen Mannschaften im internationalen Wettbewerb in diesem Jahr ist natürlich ein Faktum, kann aber in jedem speziellen Fall recht gut erklärt werden.

Klar, es gibt eine Tendenz im internationalen Fußball, das ist nicht zu leugnen. Da ist eben v.a. in Spanien und England sehr viel mehr Geld im Spiel, also sind da die besseren Spieler. Aber wenn man nicht die totale Kommerzialisierung und Privatisierung des Fußballs will, kann man mit der Qualität der Bundesliga sehr gut leben. Die Bundesliga hat nur ein massives Problem, das ist der Vorsprung der Bayern vor dem Rest. Aber wenn Dortmund sich wieder aufrappelt, wenn in Leipzig weiterhin so viel Geld in den Verein gepumnpt wird, wenn wir vielleicht mal längerfristig gut arbeiten -- dann wird der deutsche Fußball auch international wieder mehr reüssieren. Ob dann eine deutsche Mannschaft auch fähig ist, die CL zu gewinnen, ist mir, ehrlich gesagt, schnuppe. (Außer das sind wir. ;) )

Re: Die Qualität der Bundesliga

Beitragvon Ballbesitz04 » Fr 6. Apr 2018, 13:49

Habe in dieser Saison auch Spiele anderer Mannschaften oder mal die Sky-Konferenz geguckt und es war schon sehr viel Langweiliges dabei. Finde den Ballbesitz auch gar nicht ausschlaggebend, vielmehr das Tempo und die technische Qualität fehlen vielfach. So Spiele wie früher Hoffenheim-Werder, die mitten in der Saison 4-4 oder 5-4 enden und einfach bedingungslos offensiv geführt werden, sind selten geworden. Im Übrigen sind ja auch die deutschen Jugendmannschaften gerade nicht sehr erfolgreich.
Ist das noch Fußball?

Re: Die Qualität der Bundesliga

Beitragvon Siegerländer » Fr 6. Apr 2018, 17:35

Ist doch Unfug 7:4 oder 12:0 gabs früher auch schon und nicht öfter als heute 4:4.

Statistiken zum Ballbesitz sagen wahrlich garnix über die Qualität des Spiels aus
wenn die Viererkette Querpässe übt.

Auffallend ist das Deutschland international schlecht aussieht wenn Schalke nicht dabei ist. Das ist meine ganz persönliche Statistik. :mrgreen:

Re: Die Qualität der Bundesliga

Beitragvon ErwinK » Fr 6. Apr 2018, 18:20

Es ist leider zunehmend so, dass das Geld der entscheidende Faktor ist, wenn es um die Qualität einer Mannschaft geht. Bestes Beispiel sind doch unsere Nachbarn oder wir. Wie viel Qualität mussten beide in den letzten Jahren abgeben (wir dummerweise oft auch noch ohne Ablöse)? Das kompensiert kaum eine Mannschaft ohne Substanzverlust.
Die Bayern haben eindrucksvoll bewiesen, dass auf Dauer vor allem die Kohle (sofern sie sinnvoll eingesetzt wird natürlich) zählt. Bis vor wenigen Jahren hatten die Bayern nicht regelmäßig einen so gewaltigen Vorsprung und zu Beginn des Jahrtausends konnten auch noch andere Mannschaften wie Bremen oder Stuttgart mithalten.
In Spanien dominieren regelmäßig vor allem Real und Barca und selten sind mehr als 4 Mannschaften einigermaßen auf Augenhöhe.
In England dominiert schon recht lange das Geld und nur noch höchst selten taucht Oben eine Mannschaft ohne die große Kohle auf.
Italien zeigt schon seit einiger Zeit, wohin es gehen kann, wenn man es übertreibt. Auch die Bundesliga muss aufpassen, dass die Fans nicht irgendwann die Nase voll haben, wenn wirklich alles dem Kommerz untergeordnet wird. Wir sind leider auf diesem Weg, wenn wir nicht höllisch aufpassen.
Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen. Voltaire (1694-1778), eigtl. François-Marie Arouet, frz. Philosoph u. Schriftsteller