BVB: Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen


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Re: BVB: Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen

Beitragvon Nickname » Di 18. Apr 2017, 12:59

hude hat geschrieben:ich habe einen teil der aussagen gehört und gelesen. und ich muß ganz ehrlich sagen, daß die aussage von rauball "das sind profis etc" schockiert hat. diese haltung ist für mich untragbar, vorgabe der uefa hin oder her. unfassbar in meinen augen.....

was die situation insgesamt angeht, hätte es für mich nur eine richtige lösung gegeben: nämlich trainer und mannschaft direkt zu fragen, ob sie spielen wollen. und zwar am dienstag abend und nicht erst mittwoch. bei einem mehrheitlichen nein wäre es dann eben so gewesen. und was termine angeht: es hätte definitiv eine lösung geben können, terminhatz hin oder her.

nicht zu vergessen, was eine solche entscheidung auch für eine zukünftige aussenwirkung für mögliche neue spieler oder die, die schon hier sind gehabt hätte. und zwar: "der mensch ist wichtiger als das geld".
und mehr gibt es da von meiner seite aus auch nicht zu zu sagen.

Unabhängig von der Thematik Rauball (die wir identisch sehen) sind in diesem Thread ja auch einige Aspekte aufgeführt, die zeigen, dass der Ablauf für alle nicht ganz so einfach war.

Meiner Einschätzung nach wäre unter der Prämisse "Schutz der Spieler" nämlich einzig und allein der CL-Austritt in Frage gekommen (was auf Spieler- und Trainer-Seite in diesem Maße dann aber auch nicht gewünscht gewesen wäre).

Auch wenn man die Regularien der UEFA (2h nach Spielabsage (oder so...)) hinsichtlich eines Ersatztermins außer Acht lässt, ist das eine völlig undankbare Lösung. Man hätte den Dienstag natürlich ergebnislos verstreichen lassen können - dann hätte Mittwoch aber definitiv kein Spiel mehr statt gefunden. Dazu hätte es dann der Rücksprache mit dem französischen und deutschen Verband bedurft - wo sind freie Termine, wie können Spieltage geschoben werden (dabei immer zu berücksichtigen... wie ist die Belastung der Spieler, wie greift man dadurch in laufenden Wettbewerbe ein etc. ...).

Das gesamte Konstrukt ist also durchaus schwierig - alle Beteiligten sollten daraus lernen und es gilt, auf solche Fälle organisatorisch vorbereitet zu sein. Das halte ich dann noch für den schwersten Punkt - denn "organisatorische Vorbereitung" heisst nichts anderes, als den Fußball-Kalender eben nicht bis zum Erbrechen voll zu takten. Da geht es dann um nationale Verbände, die FIFA und auch die UEFA.

Da geht es dann um menschliche Größe - nämlich den Berg voll Kohle auf dem man eh schon sitzt, nicht noch weiter mehren zu wollen sondern an eben jene zu denken, die das möglich machen. Die Spieler.

Womit man aber auch wieder bei einem anderen Problem ankommt:
Die Spieler profitieren in einem erheblichen Maße von der Vermarktung ihres Sports und ihrer Arbeit - und ich habe nicht den Eindruck, dass es auch nur ein Minimum der Spieler gäbe, die gewillt dazu sind, zu Lasten des eigenen Geldbeutels, das Rad zurück zu drehen bzw. zurück drehen zu lassen.

Zuviele Interessenkonflikte, die um ehrlich zu sein doch überhaupt niemanden interessieren, solange der Zirkus fröhlich und ohne negative Einflüsse über die Bühne geht.

Re: BVB: Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen

Beitragvon hude » Di 18. Apr 2017, 13:21

nickname, ich gebe dir im gros deiner aussagen recht.

nichtsdestotrotz war das verhalten der unbeteiligten, nämlich der aussenstehenden, in meinen augen unter aller sau.

vor allem als ich die aussagen von de maziere und konsorten hörte, von wegen freiheitlicher grundordnung und man sollte dem terror nicht weichen, habe ich das kalte kotzen bekommen. wie diese neunmalklugen schwachmaten sich überhaupt herausnehmen können, solche aussagen zu treffen, ohne direkt beteiligt gewesen zu sein, ist für mich eine frechheit sondergleichen.

im endeffekt bleibe ich bei der meinung, daß es besser gewesen wäre nicht zu spielen, auch wenn das den ausschluß bzw rückzug aus der champions league zur folge gehabt hätte. denn das wäre in meinen augen ein viel größeres und eindrucksvolleres zeichen gewesen.

Re: BVB: Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen

Beitragvon Nickname » Di 18. Apr 2017, 13:30

So Alibi-Auftritte von de Maizière oder auch Kraft braucht sicherlich kein Mensch. Zumal, und das wurde in den Tagen nach dem Anschlag ja auch von diversen Stellen aufgegriffen, es bei der Wiederherstellung der "freiheitlichen und demokratischen Grundordnung" :roll: nicht um Freiwilligkeit ging, sondern um Zwang.

Es gab keine freie Entscheidung, ein Flugzeug zu besteigen, einen Weihnachtsmarkt zu besuchen oder auf einer Strandpromenade zu flanieren - es wurde angeordnet, spielen zu müssen. Und zwar von den Betroffenen! Da braucht es dann auch keine Diskussion mehr, denke ich.... ;-)

Re: BVB: Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen

Beitragvon schwarzgelbcolonia » Di 18. Apr 2017, 13:59

hude hat geschrieben:
im endeffekt bleibe ich bei der meinung, daß es besser gewesen wäre nicht zu spielen, auch wenn das den ausschluß bzw rückzug aus der champions league zur folge gehabt hätte. denn das wäre in meinen augen ein viel größeres und eindrucksvolleres zeichen gewesen.


Ein Zeichen für wen? Die Täter, dass sie ihr Ziel erreicht haben? Die Spieler, dass der Traum CL den Verantwortlichen egal ist?

Wie Nickname schon sagte sind da so viele Interessen im Spiel, dass man sich schlicht nicht richtig entscheiden konnte. Das ganz ist sicherlich nicht gut gelaufen, gerade die fehlende Abstimmung mit den Spielern/Trainern und die "markigen" Worte von Rauball betreffend. Man sollte sich jedoch immer vor Augen führen, dass es auch für die Verantwortlichen eine Ausnahmesituation war. Die Fehler sind klar kommuniziert, die Rahmenbedingungen unter denen sie gemacht wurden sickern mehr und mehr durch. Offensichtlich gab es da eine Menge Druck und Konsens über einen späteren Termin war aus unterschiedlichen Gründen nicht erreichbar. Ein Rückzug wäre aus meiner Sicht keine Option gewesen. Damit solle man es jetzt auch mal bewenden lassen.

Re: BVB: Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen

Beitragvon slig » Di 18. Apr 2017, 14:02

ich fokusiere mich weniger auf die tatsache, das sich rauball als idiot geoutet hat, als viel mehr das positive:

wie unser tainer und alle drumrum, vorallem die fans, damit umgehen!
momentan machts den eindruck als kämpfen sich alle gemeisam da durch, was noch zu großem führen kann.
--------------- Bürki ---------------
- Pischu - Daz - Bartra - Rapha -
------ Götze - Weigl - Dahoud ------
- Yarmo -- Aubameyang -- Pulisic -

Re: BVB: Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen

Beitragvon schwarzgelbcolonia » Di 18. Apr 2017, 14:04

slig hat geschrieben:ich fokusiere mich weniger auf die tatsache, das sich rauball als idiot geoutet hat, als viel mehr das positive:

wie unser tainer und alle drumrum, vorallem die fans, damit umgehen!
momentan machts den eindruck als kämpfen sich alle gemeisam da durch, was noch zu großem führen kann.


Das absolut. Und dafür war ggf. auch die 2. Halbzeit gegen Monaco ziemlich wichtig!

Re: BVB: Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen

Beitragvon art_vandelay » Di 18. Apr 2017, 14:13

Rauballs Aussage war definitiv hart, ich hoffe und glaube auch daran, dass das primär dem Umstand der Situation geschuldet war.

Re: BVB: Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen

Beitragvon El Emma » Di 18. Apr 2017, 14:16

Man kann es sich immer einfach machen und nur eine einzige Position einnehmen, die andere Aspekte außer Acht lässt. Wie ich schon gleich am Dienstag Abend geschrieben habe, waren bei der Spielverlegung aber zumindest vier unterschiedliche Interessen gegeneinander abzuwägen:
- die psychologische Verfassung und damit die "Arbeitsfähigkeit" der Spieler;
- die öffentliche Sicherheit nach einem noch immer nicht aufgeklärten Anschlag;
- die Terminkalender der Fußballverbände und, ja auch:
- das öffentliche Signal an die Attentäter, im Spielbetrieb weiterzumachen.

Da Watzke und wahrscheinlich auch Rauball ergebnislos versucht hatten, die Spielansetzung auf einen späteren Zeitpunkt als Mittwoch zu verlegen und damit am Widerstand der UEFA bzw. von AS Monaco gescheitert waren (Einvernehmen war wohl eine Bedingung), und auch der erwogene Rückzug aus dem CL-Geschäft keine wirkliche Alternative darstellte, blieb ihnen doch nur, den faulen Kompromiss öffentlichkeitswirksam als akzeptabel darzustellen.

Unter diesem Vorzeichen muss man auch Rauballs Aussage sehen. Er ist in erster Linie Sportpolitiker, entsprechend wählt er seine Worte. Und da galt es, so viel Normalität wie in so einer Situation möglich zu verkörpern. Eine medienwirksame Aufregung über die UEFA hätte an der Stelle genau so wenig bewirkt wie ein Anzweifeln der Einsatzfähigkeit der Mannschaft am kommenden Tag. Es war seine Aufgabe, Ruhe in eine vollkommen verstörende Lage zu bringen, und das ist ihm - bei aller Kritik, die man im Nachhinein an seinen Worten immer finden kann - in diesem Moment wohl auch gelungen. Mehr war nicht zu erwarten.

Re: BVB: Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen

Beitragvon slig » Di 18. Apr 2017, 14:40

ja ok, kann man so sehen.

ich halt mich mit den geschehnissen nicht auf. versuche nach vorn zu blicken. da jetzt auf die ersten 24 stunden rumhacken bringt rein gar nix.
deswegen:
auf ins halbfinale! auf ein schönes spiel unseres BVB09!

ist schon geil, so ein team und trainer zu haben. sollte allen nochmal klar geworden sein.
--------------- Bürki ---------------
- Pischu - Daz - Bartra - Rapha -
------ Götze - Weigl - Dahoud ------
- Yarmo -- Aubameyang -- Pulisic -

Re: BVB: Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen

Beitragvon hude » Di 18. Apr 2017, 16:41

was den "sieg" des terrors über unsere lebensweise angeht und "hätten wir nicht gespielt, hätten die gewonnen" , halte ich diese aussage ohnehin für quatsch. gewonnen haben sie alleine schon dadurch, daß es in den nächsten 2-3 tagen kein anderes thema mehr gab.alleine das war schon die aufmerksamkeit, die man den tätern gar nicht erst geben dürfte. aber das wird sich wohl in zeiten von smartphones und internet nicht mehr vermeiden lassen. und damit solls jetzt auch gut sein.

ich wollte das thema auch nicht zum 32.mal durchkauen. ich hatte nur leider zuvor keine zeit, meine meinung hier zu äussern. deshalb, nichts für ungut, aber das musste einfach raus.

was die mannschaft und das team drumherum angeht:
die reaktionen waren einfach genial. die leistng und der einsatz unter diesen umständen war großartig. und ich hatte sowohl am mittwoch als auch am samstag tränen in den augen, als die spiele zu ende waren. das war ganz ganz groß jungs!
und was unseren trainer angeht, an alle, die ihn für kalt und unnahbar hielten und halten: seine aussendarstellung über sich un die mannschaft war und ist herausragend. alleine deshalb wünsche ich mir morgen ein weiterkommen. denn wenn nicht wir es verdient haben, wer dann....?