BVB: Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen


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BVB: Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen

Beitragvon westline/redaktion » Do 13. Apr 2017, 12:19

Neu bei uns:

BVB-Spieler: Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen

Mittwochabend, 18:45 Uhr, Signal Iduna Park, Dortmund: Keine 24 Stunden nach Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus wird das Viertelfinale in der Champions League zwischen Borussia Dortmund und dem AS Monaco nachgeholt. Der enge Terminplan bis zum Saisonende machte eine spätere Ansetzung offenbar nicht möglich. Nach dem Spiel zeigten sich die Spieler entsprechend verärgert…

http://www.westline.de/fussball/borussi ... gue?ref=fo

Re: BVB: Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen

Beitragvon altinthon » Do 13. Apr 2017, 14:08

Ich schmeiß meinen Senf auch einfach mal hier rein, weil das Ganze echt Fragen aufwirft (Diskussion nur am Beispiel BVB, der Verein ist im Grunde austauschbar):

Bei allem, was man weiß, wurde die Entscheidung, das Spiel am Folgetag auszutragen, in einem Moment getroffen, in dem die Situation noch nicht komplett überschaubar war. Will sagen: noch vor dem offiziellen Anpfiff stand die Verlegung auf den Folgetag fest. Das ging ja mal verdammt fix.

Auch geil, dass Tuchel gar nicht einbezogen wurde. Ich unterstelle mal, dass das mit Klopp nicht passiert wäre.

Welche Rolle spielt die Führung des BVB? Welche Möglichkeiten hatten die? Kam denen der Gedanke, das Spiel zunächst mal ausfallen zu lassen, ohne sofort einen Plan B aus der Tasche zu ziehen? Nein. der Joker lag unmittelbar auf dem Tisch.

Hätte man auf die Austragung des Spiels verzichten können? Ich kenne die Regularien nicht. Es gibt gewisse Umstände, unter denen ein Spiel mit 3-0 für den Gegner gewertet wird. Z.B. dann, wenn ein Verein keine vollständige Mannschaft aufs Feld schicken kann. Oder eine nicht spielberechtigter Spieler eingewechselt wird. Ein Terroranschlag ist da sicherlich nicht geregelt, auch nicht ein größeres Unglück im Stadion oder in dessen Umfeld. Hier ist dann das Fingerspitzengefühl der Verantwortlichen gefragt. Und ich stelle mir die Frage: hätte der BVB unter der Maßgabe, dass das Spiel mit 3-0 für Monaco gewertet wird, auf die Austragung verzichten können? Ich gehe noch weiter: hätte der BVB mit sofortiger Wirkung seine Teilnahme an der CL für diese Saison zurückziehen können und zwar ohne weitere Sanktionen seitens der UEFA?

Ich schätze, diese Fragen wurden gar nicht erst gestellt. Die Spieler wollten nicht. Sahin hat man angehört, das er förmlich schlucken musste, als er vor dem Mikro Stellung bezog. Tuchel brachte den Bierdosenvergleich, in einer Kopfstütze wird ein 10cm tief eingedrungener Nagel gefunden und Bartra wird schwer verletzt.

Das alles wirft extrem viele Fragen auf und zeigt, dass man gut beraten gewesen wäre, weitere Entscheidungen mindestens mal um einen Tag zu verschieben. Aber nein: noch bevor halbwegs Klarheit herrschte, stand der neue Anstoßtermin fest. Wehe dem, der Böses dabei denkt.

Re: BVB: Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen

Beitragvon Bernd1958 » Do 13. Apr 2017, 14:34

Ich kenne die Regularien auch nicht, aber das Beispiel Togo bei der Afrika Meisterschaft ist vielleicht noch bekannt. Wenn nicht: Bei einem Attentat kurz vor Beginn der Meisterschaft auf den Mannschaftsbus starben drei Spieler. Eine Verlegung oder Absage war kein Thema, Togo konnte nur seine Mannschaft von der Meisterschaft zurückziehen.
Ich glaube, dass wäre auch am Dienstagabend die einzige Konsequenz gewesen.

Re: BVB: Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen

Beitragvon Herb » Do 13. Apr 2017, 15:25

altinthon hat geschrieben:Bei allem, was man weiß, wurde die Entscheidung, das Spiel am Folgetag auszutragen, in einem Moment getroffen, in dem die Situation noch nicht komplett überschaubar war. Will sagen: noch vor dem offiziellen Anpfiff stand die Verlegung auf den Folgetag fest. Das ging ja mal verdammt fix.

Auch geil, dass Tuchel gar nicht einbezogen wurde. Ich unterstelle mal, dass das mit Klopp nicht passiert wäre.


Die Entscheidung über eine Neuansetzung muss innerhalb von zwei Stunden getroffen werden. In dieser Zeit waren Mannschaft und Spieler noch vor Ort, somit ist fraglich, ob in der Situation überhaupt eine Abstimmung stattfinden konnte.

Wenn die UEFA jetzt sagt, es sei gemeinsam mit dem BVB entschieden worden, finde ich das zynisch. Dem BVB wird ja nichts anderes übrig geblieben sein.

Re: BVB: Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen

Beitragvon pewpewlazorgunz » Do 13. Apr 2017, 15:45

Zwei Stunden?
19:15 soll der Anschlag passiert sein, um 20:30 wurde die Absage verkündet, das sind 1:15. Dann kann man nochmal Zeit abziehen, die zwischen Entscheidung und bekanntgabe vergangen ist und die zwischen Anschlag und dem organisatorischen Treffen vergangen ist. In den paar Minuten wurde bestimmt sehr kontrovers diskutiert und fieberhaft nach einem besseren Ausweichtermin als gestern gesucht.

Re: BVB: Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen

Beitragvon Nickname » Do 13. Apr 2017, 15:56

Herb hat geschrieben:Wenn die UEFA jetzt sagt, es sei gemeinsam mit dem BVB entschieden worden, finde ich das zynisch. Dem BVB wird ja nichts anderes übrig geblieben sein.

Doch, doch. In letzter Konsequenz hätte man sich natürlich dafür entscheiden können, nicht zu spielen. Mit allen Konsequnzen, die das möglicherweise nach sich gezogen hätte (siehe altinthons Fragen, die ich aus dem Stehgreif auch nicht beantworten kann).

Möglicherweise haben unsere Offiziellen auch zu spät/erst gestern realisiert, welches Ausmaß dieser Anschlag hatte und haben daher diese Option gar nicht in Erwägung gezogen. Denn am Ende haben auch sie sich dem Diktat der UEFA unterworfen - ohne den Trainer und die Mannschaft in diese Überlegung mit einbezogen zu haben.

Je länger ich darüber nachdenke, hat sich nicht nur die UEFA eines unwürdigen Spiels schuldig gemacht. Unsere Bosse haben da auch einen Anteil dran - zumindest konnte ich bisher nicht vernehmen, dass man tatsächlich versucht hat, sich dieser blödsinnigen UEFA-Regelung zu entziehen.

Und zwar um jeden Preis zu entziehen. Keine CL mehr in 2017, Geldstrafe, Ausschluss für 2017/2018? Was auch immer da hätte kommen können. Egal. Völlig egal. Das wäre ein Zeichen gewesen.

Re: BVB: Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen

Beitragvon Herb » Do 13. Apr 2017, 16:13

Nickname hat geschrieben:
Herb hat geschrieben:Wenn die UEFA jetzt sagt, es sei gemeinsam mit dem BVB entschieden worden, finde ich das zynisch. Dem BVB wird ja nichts anderes übrig geblieben sein.

Doch, doch. In letzter Konsequenz hätte man sich natürlich dafür entscheiden können, nicht zu spielen. Mit allen Konsequnzen, die das möglicherweise nach sich gezogen hätte (siehe altinthons Fragen, die ich aus dem Stehgreif auch nicht beantworten kann).

Möglicherweise haben unsere Offiziellen auch zu spät/erst gestern realisiert, welches Ausmaß dieser Anschlag hatte und haben daher diese Option gar nicht in Erwägung gezogen. Denn am Ende haben auch sie sich dem Diktat der UEFA unterworfen - ohne den Trainer und die Mannschaft in diese Überlegung mit einbezogen zu haben.

Je länger ich darüber nachdenke, hat sich nicht nur die UEFA eines unwürdigen Spiels schuldig gemacht. Unsere Bosse haben da auch einen Anteil dran - zumindest konnte ich bisher nicht vernehmen, dass man tatsächlich versucht hat, sich dieser blödsinnigen UEFA-Regelung zu entziehen.

Und zwar um jeden Preis zu entziehen. Keine CL mehr in 2017, Geldstrafe, Ausschluss für 2017/2018? Was auch immer da hätte kommen können. Egal. Völlig egal. Das wäre ein Zeichen gewesen.


Im ersten Moment sah ja für Unbeteiligte alles gar nicht so schlimm aus wie es wirklich war. Bartra galt zunächst als leicht verletzt, von Splitterbomben wusste man zu dem Zeitpunkt noch nichts. Deshalb würde ich die getroffene Entscheidung IN DEM MOMENT noch nicht mal als unbedingt falsch bezeichnen. Inwieweit man Gespräche mit Mannschaft und Trainer geführt hat, weiß ich nicht, denn dann hätte sich vermutlich schon ein anderes Bild ergeben. Letztlich muss man auch jedem zugestehen, sich in einer solchen Schock- und Ausnahmesituation nicht intuitiv zu 100% richtig zu verhalten.

Das Ausmaß der Tat und was hätte passieren können wurde ja erst später deutlich. Da war die Entscheidung aber schon gefallen und nicht mehr zu revidieren. Das regt mich so auf.

Re: BVB: Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen

Beitragvon altinthon » Do 13. Apr 2017, 16:27

Herb hat geschrieben:
Im ersten Moment sah ja für Unbeteiligte alles gar nicht so schlimm aus wie es wirklich war.

Du sagst es.
Bartra galt zunächst als leicht verletzt,

Das hätte schon stutzig machen können
von Splitterbomben wusste man zu dem Zeitpunkt noch nichts. Deshalb würde ich die getroffene Entscheidung IN DEM MOMENT noch nicht mal als unbedingt falsch bezeichnen.

Und genau deshalb war sie falsch.
Inwieweit man Gespräche mit Mannschaft und Trainer geführt hat,

Laut Tuchels Aussage ist das nicht passiert. Für mich ein weiteres Versäumnis.
Letztlich muss man auch jedem zugestehen, sich in einer solchen Schock- und Ausnahmesituation nicht intuitiv zu 100% richtig zu verhalten.

Nein. Denn sowohl Rauball als auch Watzke waren durchaus in der Lage, ein Interview in ganzen Sätzen zu geben. Dann ist man sicherlich auch in der Lage, eine Entscheidung (also neuer Termin) zunächst mal offen zu lassen.
Das Ausmaß der Tat und was hätte passieren können wurde ja erst später deutlich. Da war die Entscheidung aber schon gefallen und nicht mehr zu revidieren.

Diese Tür hat man selbst zugeschlagen.

Re: BVB: Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen

Beitragvon Nickname » Do 13. Apr 2017, 16:37

@altinthon

Auch wenn ich gerade die Möglichkeit erwähnt habe, das Spiel sausen zu lassen, so bin ich da in Teilen durchaus bei Herb.

Watzke und Rauball waren nicht mit im Bus und hätten möglicherweise anders reagiert wenn dem so gewesen wäre. Ich würde mir zumindest wünschen, dass man die Aussagen von Dienstag abend à la "wird schon gehen" revidiert und sich traut, eine Fehleinschätzung zuzugeben.

Zumindest würde ich dies nach heutigem Stand so beurteilen.

Auch mir (und damit will ich mich nicht als Prototyp darstellen... ;-) ) ist erst gestern nach und nach das Ausmaß deutlicher und klarer geworden.

Re: BVB: Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen

Beitragvon Herb » Do 13. Apr 2017, 16:53

altinthon hat geschrieben:
Herb hat geschrieben:
Im ersten Moment sah ja für Unbeteiligte alles gar nicht so schlimm aus wie es wirklich war.

Du sagst es.
Bartra galt zunächst als leicht verletzt,

Das hätte schon stutzig machen können
von Splitterbomben wusste man zu dem Zeitpunkt noch nichts. Deshalb würde ich die getroffene Entscheidung IN DEM MOMENT noch nicht mal als unbedingt falsch bezeichnen.

Und genau deshalb war sie falsch.
Inwieweit man Gespräche mit Mannschaft und Trainer geführt hat,

Laut Tuchels Aussage ist das nicht passiert. Für mich ein weiteres Versäumnis.
Letztlich muss man auch jedem zugestehen, sich in einer solchen Schock- und Ausnahmesituation nicht intuitiv zu 100% richtig zu verhalten.

Nein. Denn sowohl Rauball als auch Watzke waren durchaus in der Lage, ein Interview in ganzen Sätzen zu geben. Dann ist man sicherlich auch in der Lage, eine Entscheidung (also neuer Termin) zunächst mal offen zu lassen.
Das Ausmaß der Tat und was hätte passieren können wurde ja erst später deutlich. Da war die Entscheidung aber schon gefallen und nicht mehr zu revidieren.

Diese Tür hat man selbst zugeschlagen.


Wie gesagt, die Entscheidung musste lt. Regularien innerhalb von zwei Stunden nach Spielabsage fallen (Quelle u.a. hier: https://www.google.de/amp/www.sport1.de ... gerung.amp). Deshalb kann man die BVB-Verantwortlichen nicht für die schnelle und kurzfristige Entscheidung verantwortlich machen.
Was man ihnen ggf. vorwerfen kann, ist dass sie in der Zwischenzeit offenbar keinen Kontakt zur Mannschaft oder zum Trainer aufgenommen haben. Ich glaube aber nicht, dass das etwas geändert hätte, denn das letzte Wort hat eh die UEFA.