Halb-OT: Der Fall Bremen - wer soll für Sicherheit zahlen?


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Re: Halb-OT: Der Fall Bremen - wer soll für Sicherheit zahle

Beitragvon hier, ich! » Sa 26. Jul 2014, 14:19

Herb hat geschrieben:Mir ist nicht klar, wo du da die Erpressbarkeit siehst.
Der Polizeieinsatz bemisst sich ja nicht danach, was der Veranstalter zahlen will, sondern nach dem Bedarf.
Die Polizei ist dazu verpflichtet, entsprechende Ordnungskräfte in angemessener Zahl bereit zu stellen, damit alles ruhig und friedlich ablaufen kann. Dafür entstehen Gebühren, die dann der Veranstalter zahlen muss. Wer weniger Aufwand verursacht, zahlt natürlich weniger.


Die Bedenken sind natürlich nicht ganz unberechtigt. Gerade in Zeiten leerer Kassen könnte die Verlockung natürlich groß sein, an Wochenenden, an denen sonst nichts los ist, einfach mal das Rund-um-Sorglos-Paket loszuschicken, obwohl das gar nicht erforderlich ist. Das wird sich der Veranstalter aber sicher nicht gefallen lassen, wenn er den Gebührenbescheid bekommt und ein Gericht müsste dann klären, ob die in Rechnung gestellten Gebühren angemessen sind.


In Deinem zweiten Absatz gibts Du Dir eigentlich schon die Antwort auf die Frage nach der Erpressbarkeit aus Deinem ersten Absatz, bzw. auf meinen Post. ;) Denn wenn erstmal der Dialog losgeht, wieviel Sicherheit angemessen ist und wieviel das Wert ist, wird das dazu führen, dass eine Geschäftspartnerschaft zwischen der DFL und der Polizei entsteht. Dann arbeitet die Polizei im öffentlichen Raum wie eine private Sicherheitsfirma für den Auftraggeber DFL. Ist das noch demokratisch? Wie weit ist denn dann ein demokratisch gewähltes Parlarment von der Entscheidung entfernt?

Re: Halb-OT: Der Fall Bremen - wer soll für Sicherheit zahle

Beitragvon hier, ich! » Sa 26. Jul 2014, 14:22

Ach, noch ne Frage: Wären solche Gebührenbescheide eigentlich steuermindernd absetzbar? :twisted:

Re: Halb-OT: Der Fall Bremen - wer soll für Sicherheit zahle

Beitragvon Bensheim09 » Sa 26. Jul 2014, 20:46

Ich finde, dass man hier trennen muss:

Im Stadion und um das Stadion herum muss der Veranstalter - also in diesem Fall der gastgebende Verein - für die Sicherheit sorgen. Dazu hat er Ordner einzusetzen und auch Polizei muss bei Straftaten anwesend sein und eingreifen können. Diese Leistung sollte der Verein selbst zahlen müssen.

Doch wieso der Verein für die Sicherheit z.B. in der Innenstadt oder auf dem Bahnhof zahlen soll ist mir schleierhaft. Wenn in der Innenstadt z.B. Sachbeschädigungen oder Schlägereien stattfinden, hat der Staat durch die Polizei die Sicherheit zu gewährleisten. Das geschieht durch Steuergelder, die im Übrigen auch durch die Vereine zusammen kommen.

Und welche Kosten müsste dann z.B. der BVB zahlen? Wenn am Samstag um 15.30 Uhr ein Spiel statt findet zahlt der BVB dann alle Einsätze am ganzen Tag oder wann? Das ist überhaupt nicht auseinander zu halten. Und wenn sich dann betrunkene Gäste einer Kneipe prügeln, zahlt den Einsatz auch der BVB? Oder zahlt er nur wenn nachgewiesen werden kann, dass es sich um Anhänger des BVB handelt. In Innenstädten gibt es immer Gründe warum sich Menschen dort aufhalten (z.B. Weihnachtsmarkt). Wie kann man da festlegen wer nun für die Einsätze der Polizei verantwortlich ist?

Wenn im öffentlichen Raum Polizei eingesetzt werden muss, dann muss das eben auf Kosten der Allgemeinheit gehen. Das ist die Aufgabe des Staates und deshalb hat er auch das Gewaltmonopol. Wenn der BVB z.B. die Einsätze zahlen soll, dann müsste er das sozusagen auch absagen und einen privaten Sicherheitsdienst beauftragen können, der weniger Geld will als die Polizei.

Re: Halb-OT: Der Fall Bremen - wer soll für Sicherheit zahle

Beitragvon Wacken » Mo 28. Jul 2014, 00:47

Und immer wieder dieselbe Scheisse, die diskutiert wird.

Ich halte es für eine gänzlich Frechheit von Bremen! Nur weil die seit Jahren pleite sind, dann auch noch die Kosten umwälzen zu wollen.

Hier mal ein paar schöne Fakten, gut dass ichs mir als Lesezeichen gespeichert habe!!!!

http://www.handelsblatt.com/sport/fussb ... 10400.html

Die Deutsche Fußball Liga lässt sich von McKinsey ihre ökonomische Bedeutung attestieren: Jeder 500. Euro wird mit dem Profifußball erwirtschaftet, 110 000 Jobs hängen an den Ligen.

FRANKFURT. Die Stollenschuhe der Bundesligakicker hinterlassen auch volkswirtschaftlich gesehen einen beträchtlichen Fußabdruck: Mit einer jährlichen Wertschöpfung von 5,1 Mrd. Euro sorge der deutsche Profifußball für 110 000 Jobs, heißt es in der am Dienstag vorgestellten Studie "Wirtschaftsfaktor Fußball". Außerdem leiste der Profifußball jährlich Steuern und Abgaben in Höhe von netto 1,5 Mrd. Euro.


Auch als Financier öffentlicher Aufgaben macht sich der beliebteste deutsche Sport nützlich: "Egal ob Kommune, Land oder Bund, jeder bekommt vom Fußball mehr, als er gibt", sagte Netzer. Laut Studie fließen 1,7 Mrd. Euro durch Steuern und Abgaben an den Staat. Dem stünden 200 Mio. Euro an Aufwendungen gegenüber, die der Profifußball von der öffentlichen Hand erhält. Allein 150 Mio. Euro davon entfallen auf Polizeieinsätze. Als Basis für diese Zahl dienten Angaben der Polizeigewerkschaft.


Das sind die nackten Zahlen, die kann man nicht wegdiskutieren.

Bremen soll sich mal schön geschlossen halten. Die wollen am liebsten bloß die Kohle und gar nix mehr zahlen. Politiker sollten sich mal schön bedeckt halten da drüben :!:
#kingofthekoppel

"Ich hab in den sieben Jahren gelernt, die ich jetzt im administrativen Bereich arbeite, dass Fußball im Konjunktiv nicht funktioniert. Es funktioniert im Heute und Jetzt." - Max Eberl

Re: Halb-OT: Der Fall Bremen - wer soll für Sicherheit zahle

Beitragvon Wacköön » Di 29. Jul 2014, 10:26

...ohne die vorherigen Posts gelesen zu haben:

Wer zahlt die Polizeieinsätze auf dem Oktoberfest?
Wer zahlt die Polizeieinsätze auf der Dorfkirmes?
Wer zahlt die Polizeieinsätze beim Rock am Ring?

Re: Halb-OT: Der Fall Bremen - wer soll für Sicherheit zahle

Beitragvon Schorsch » Di 29. Jul 2014, 11:14

Wacköön hat geschrieben:...ohne die vorherigen Posts gelesen zu haben:
Wer zahlt die Polizeieinsätze auf dem Oktoberfest?
Wer zahlt die Polizeieinsätze auf der Dorfkirmes?
Wer zahlt die Polizeieinsätze beim Rock am Ring?


Das ist das Kernproblem. Wo ist die Grenze?

Mit einer solchen Regelung hat ein Land die absolute Veranstaltungshoheit. Ist eine Veranstaltung oder ein Veranstalter nicht genehm, drückt man ihm die Einsatzkosten auf. Den Einsatzaufwand legt das Land dabei selber fest.

Land Bremen: "Wir bestimmen, von wem, wann und wie viel wir kassieren. Und somit bestimmen wir auch, wer wie viel Geld verdient."

Das kann es nicht sein. Der Schwarze Peter liegt hier nicht bei DFB und DFL, sondern beim Land Bremen. Sie können ihren Verein ja in der Versenkung verschwinden lassen. Arbeitsplätze gibt es da oben scheinbar genug. Bremen als Weltmetropole Nr.1 hat die Imagewerbung, die Vereinsfußball und Länderspiele bringen, offensichtlich auch nicht nötig. Und die Hotels sind sowieso immer voll.

Vielleicht merkt die Bevölkerung da oben ja irgendwann, dass es sinnvoller ist nicht die 1A Imagebringer, sondern solche Landesregierungen zum Teufel zu jagen.
"Queen ruft Notfall-Meeting ein - Heiratet Prinz Harry?" (Focus online)

Re: Halb-OT: Der Fall Bremen - wer soll für Sicherheit zahle

Beitragvon Nickname » Mo 4. Aug 2014, 11:52

http://www.welt.de/sport/fussball/bundesliga/article130858158/Hassduell-Dortmund-gegen-Schalke-ohne-Polizei.html

Die Verringerung der Polizei-Kräfte bei "Normal-Spielen" ist absolut begrüßenswert - da wird sich die eine oder andere Million locker einsparen lassen.

Spiele, wie das rheinische Derby oder auch unser Revier-Derby im guten Glauben mal nur so peu à peu zu betreuen und zu sichern, halte ich für ziemlichen Irrsinn seitens der Polizei.

Re: Halb-OT: Der Fall Bremen - wer soll für Sicherheit zahle

Beitragvon hier, ich! » Mo 4. Aug 2014, 12:03

Nickname hat geschrieben:http://www.welt.de/sport/fussball/bundesliga/article130858158/Hassduell-Dortmund-gegen-Schalke-ohne-Polizei.html

Die Verringerung der Polizei-Kräfte bei "Normal-Spielen" ist absolut begrüßenswert - da wird sich die eine oder andere Million locker einsparen lassen.

Spiele, wie das rheinische Derby oder auch unser Revier-Derby im guten Glauben mal nur so peu à peu zu betreuen und zu sichern, halte ich für ziemlichen Irrsinn seitens der Polizei.

So oder so. Die Polizei ist für die Sicherheit verantwortlich. Passiert was wg. geringerer Sicherung wird man die Fragen nicht an Vereine und DFL überweisen können.

Re: Halb-OT: Der Fall Bremen - wer soll für Sicherheit zahle

Beitragvon westline/redaktion » Mo 4. Aug 2014, 13:47

Zum Thema:

Polizei-Einsatz im Fußball optimieren

Nordrhein-Westfalen will den Polizei-Einsatz bei Fußballspielen der drei Profiligen optimieren und ein Pilotprojekt für vier Spieltage starten. «Die Polizei sorgt weiter für die Sicherheit beim Fußball. Darauf können sich fußballbegeisterte Menschen in unserem Land verlassen», sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger in Düsseldorf. «Um die Polizei aber dort weiterhin präsent zu halten, wo sie gebraucht wird, müssen wir den Kräfteeinsatz optimieren.»

http://www.westline.de/fussball/news/NR ... 22,1939903

Re: Halb-OT: Der Fall Bremen - wer soll für Sicherheit zahle

Beitragvon El Emma » Mi 22. Okt 2014, 11:02

Aktuell läuft (bzw. lief) dazu übrigens ein längerer Diskussionsbeitrag im DLF.
Lässt sich auch noch mal nachlesen.
http://www.deutschlandfunk.de/laenderzeit.1770.de.html